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Der 69-Jährige Schneverdinger wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt - die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Foto: A.
Der 69-Jährige Schneverdinger wird zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt - die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Foto: A.

Drogen-Opa auf freiem Fuß

rast Lüneburg. Um 14.35 Uhr verließ er gestern, 27. November, ein letztes Mal den Saal 121 im Landgericht durch die Tür, die zu einem Gang direkt zur Justizvollzugsanstalt führt. Im Gefängnis gab er nur noch ein kurzes Gastspiel um seine Sachen zu packen. Die 3. Große Strafkammer hatte den 69 Jahre alten Mann aus Schneverdingen wegen bewaffneten unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Da die Richter aber einen minder schweren Fall sahen, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Die Vorsitzende Richterin Sabine Philipp ging in der Urteilsbegründung kurz auf den Sachverhalt ein: Die Polizei erwischte am 1. Juli 2014 in Schneverdingen einen Junkie mit 0,5 Gramm Kokain. Der erzählte, er habe das Kokain von einem Mann gekauft, der abends mit seinem Wagen durchs Stadtgebiet fährt und die Drogen an Leute, die ihn anhalten, verkauft. Wenig später stoppten die Beamten den Daimler Benz des 69-Jährigen, fanden insgesamt 19,66 Gramm Kokain im Marktwert von rund 1400 Euro die Drogenbriefchen waren an mehreren Stellen im Wagen versteckt, zudem hatte er portionierte Kokainbriefchen in der Brieftasche und in der Hemdtasche. Richterin Philipp: ,,Das Kokain war von außerordentlich guter Qualität, hatte einen Reinheitsgehalt von 63,5 Prozent.“ Der Senior hatte vor Gericht gestanden, er habe das Kokain verkaufen wollen, um seinen eigenen Drogenkonsum finanzieren zu können, da er nur von einer kargen Rente in Höhe von 512 Euro monatlich lebe. Die Strafkammer konnte nicht ausschließen, dass er auch selbst Drogen konsumiert hat, um den ,,Leidensdruck, verursacht durch verschiedene psychische Erkrankungen“, zu senken. Dem 69-jährigen Bosnier, der seit 1973 in Deutschland lebt, machen die Bürgerkriegsfolgen noch psychisch zu schaffen, zudem leidet er unter anderem an einer Leberzirrhose und einer Herzkrankheit.

Das Gericht wertete die Tat als bewaffnetes Geschehen, da der Mann zwei Quarzsandhandschuhe im Wagen hatte, die er nach seinem Geständnis als Schlagwerkzeuge bei möglichen Auseinandersetzungen eingesetzt hätte. Solche Handschuhe gelten rechtlich gesehen als gefährliche Gegenstände.

Für einen minder schweren Fall sprachen mehrere Umstände. Der Dealer bis dato ohne Vorstrafen kam erst spät zu den Drogen, hat seit dem 1. Juli die Untersuchungshaft verbüßt und gilt durch sein Alter und seine Krankheiten als Person mit erhöhter Haftempfindlichkeit. Zudem verzichtete er darauf, seinen Daimler und 1680 Euro, die bei ihm sichergestellt wurden, zurückzufordern. Weitere 2000 Euro fanden die Beamten damals in seiner Brieftasche und 5000 Euro daheim in seinem Wäscheschrank, das Geld erhält er zurück. Das Gericht konnte ihm seine Geschichte nicht widerlegen, dass er das Geld von seinem Bruder für den Kauf eines VW Golf als Hochzeitsgeschenk für ein Familienmitglied erhalten hatte es war also kein Geld aus Deals.