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Inga Reimers im imposanten Fürstensaal. Auf dem Dachboden darüber müssen schadstoffhaltige Korkgranulatplatten ausgebaut und Deckenbalken saniert werden. Foto: t&w
Inga Reimers im imposanten Fürstensaal. Auf dem Dachboden darüber müssen schadstoffhaltige Korkgranulatplatten ausgebaut und Deckenbalken saniert werden. Foto: t&w

Wo einst der Rat tanzte

as Lüneburg. Es ist ein wahrer Schatz, den Lüneburg sein Eigen nennt. Das Alte Rathaus, dessen älteste Teile im 14. Jahrhundert entstanden sind, gilt als eines der schönsten und wertvollsten in Deutschland. Es zu erhalten, ist der Stadt ein wichtiges Anliegen. Ein millionenschweres Unternehmen. Im Rahmen eines Masterplans wird das Alte Rathaus schrittweise seit 2008 restauriert. Im kommenden Jahr wird die Stadt dem Fürstensaalflügel nun aufs Dach steigen, um dort wie auch an den südlichen Außenmauern Sanierungsarbeiten vorzunehmen.

Mitte des 15. Jahrhunderts ließ der Rat das Rathaus um den 34 Meter langen, zehn Meter breiten und fünf Meter hohen Fürstensaal erweitern, der dem Rat als Tanzhaus und zum Empfang von Delegationen aus anderen Hansestädten diente. Seinen heutigen Namen verdankt er der auf Leinwand in Tempera gemalten Folge von fürstlichen Paaren aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg, die 1482 als Ersatz für Wandmalereien geschaffen wurden. Daniel Frese überarbeitete diese Gemälde 1607 und bemalte die Decke mit 150 Porträts römischer und deutscher Kaiser und Könige sowie mit Wappen und Namen Lüneburger Ratsmitglieder des Jahres 1607. Imposant sind auch die fünf von ursprünglich sechs Geweihleuchtern, die Hinrick Reymers 1501 bis 1502 schuf.

„Die Decke und die Geweihleuchter wurden in den 90er-Jahren mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert“, berichtet Inga Reimers, Projektleiterin für die Sanierungsmaßnahmen im Alten Rathaus. Doch damit der grandiose Saal auch für die Zukunft erhalten bleibt, müssen Arbeiten auf dem Dachboden darüber erfolgen. Dort wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Korkgranulatplatten eingebaut, die Schadstoffe enthalten. „Die müssen nun ausgebaut werden. Dabei muss besonders sensibel vorgegangen werden, da durch kleine Öffnungen zwischen den bemalten Bohlen der Holzdecke kleine Korkteilchen auf die wertvolle Ausstattung im Fürstensaal herunter rieseln könnten. Deshalb werden die Arbeiten von einem Restaurator begleitet.“

Sind die Platten ausgebaut, soll geprüft werden, ob die Deckenbalken im Bereich der südlichen Traufe noch intakt sind. „Über den genauen Umfang der Arbeiten lässt sich allerdings erst etwas sagen, wenn der Traufbereich auf der gesamten Länge freigelegt ist.“ Auch bei diesen möglichen Reparaturen gilt es, mit großer Achtsamkeit vorzugehen, damit es zu keinen Schäden an der Decke des Fürstensaals kommt. Dabei sind besondere Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich, denn das Gebälk wurde einst mit den gesundheitsschädlichen Holzschutzmitteln PCP und Lindan behandelt.

Unter dem Dach des Fürstensaalflügels befindet sich auch die Decke des Huldigungssaals. Dabei handelt es sich um eine barocke Rahmenstuckdecke mit Ölgemälden. Zur statischen Sicherung wurde über die Holzdecke in den 60er-Jahren eine Stahlkonstruktion eingebaut und das bringt inzwischen Prob­leme mit sich. Inga Reimers: „Die Stahlkonstruktion überträgt Schwingungen vom Straßenverkehr Am Ochsenmarkt auf die 300 Jahre alte Stuckdecke. Diese Schwingungen verursachen feine Risse im Stuck und in den Gemälden.“ Damit weitere Schäden verhindert werden, sollen nun Schwingungsdämpfer zwischen Decke und Stahlkonstruktion eingebaut werden.

Aber auch die südliche Außenwand des Fürstensaalflügels sowie der westliche Staffelgiebel bedürfen einer Sanierung. Bereits vor fünf Jahren wurde die rechte Staffel des Giebels mit Hilfe einer Stahlkonstruktion gesichert. Nun soll er komplett überholt werden. Einzelne marode Backsteine werden ausgetauscht, Fugen wo nötig erneuert. Das Gleiche gilt für die südliche Außenwand, wo auch Fenster und Türen „holzrestauratorisch“ aufgearbeitet werden. „Wie bei all unseren Baumaßnahmen werden historische Fenster und Türen auf ihre ursprüngliche Farbigkeit untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen als Grundlage für die zukünftige Farbgebung“, erklärt Inga Reimers.

Mit der Sanierung geht es im Frühjahr 2015 los. Geplante Kosten: rund 880000 Euro. Die Stadt setzt auf Fördermittel von Bund und Land Niedersachsen, so dass sich ihr Eigenanteil auf rund 386000 Euro beläuft.