Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Konkurrenz der Kutscher – Zwei Anbieter rollen durch Lüneburg
Jens Bußmann hat die erste Saison als Kutscher in Lüneburg hinter sich. Während des Weihnachtsmarktes bietet er mit seinen Friesen Brando und Rombert Rundfahrten zur blauen Stunde an. Foto: t&w
Jens Bußmann hat die erste Saison als Kutscher in Lüneburg hinter sich. Während des Weihnachtsmarktes bietet er mit seinen Friesen Brando und Rombert Rundfahrten zur blauen Stunde an. Foto: t&w

Konkurrenz der Kutscher – Zwei Anbieter rollen durch Lüneburg

ca Lüneburg. Der eine ist zufrieden, der andere nicht mehr so wie früher: Das Kutschefahren in Lüneburg hat sich seit dem Frühjahr verändert, seitdem zwei Anbieter mit Pferd und Wagen über Straßen und Gassen rollen. Doch Konkurrenz belebt das Geschäft, beide Kutscher investieren und wollen neue Angebote machen.

Andreas Gensch ist seit rund 15 Jahren am Markt. Er besitzt vier große Kutschen, in denen bis zu 20 Gäste mitfahren können. Zwei, manchmal drei Gespanne hat er in der warmen Jahreszeit im Einsatz. Die seien in diesem Jahr nicht immer so gut gefüllt gewesen, wie in der Vergangenheit. Gensch übt Kritik an den neuen Zeiten: Er und seine Fahrer hätten eine Stadtführerausbildung absolviert, sein Mitbewerber nicht, der dürfe mit seinem Wagen in Höhe des Touristenbüros halten, er müsse nun am Ochsenmarkt starten. „Ich will zwar keinen Stunk machen“, sagt Gensch. Aber ein paar Punkte wolle er in den nächsten Tagen im Rathaus klären.

Jens Bußmann, der „Neue“, hingegen ist zufrieden nach der ersten Saison. „Ich kann keine Reichtümer erwirtschaften, aber ich komme zurecht“, sagt er. „Das Potenzial ist da.“ Angefangen habe er mit zwei Pferden, heute stehen sechs im Stall: „Es war nicht mehr zu schaffen. Und die Tiere brauchen die Zeit auf der Weide.“ Jeweils zwei Tage zieht ein Gespann den Wagen samt Gästen durch die Stadt, dann bekommen die Friesen ihre Pause.

Nun hat die Nebensaison begonnen, da bietet Bußmann die regelmäßigen Fahrten nur noch mittwochs und sonnabends an: „Mehr lohnt nicht.“ Doch er setzt auf eine Neuerung. Zur Zeit des Weihnachtsmarktes kutschiert er zwei-, dreimal die Woche statt mit seinem großen Wagen mit einem Landauer durchs weihnachtlich beleuchtete Lüneburg.

Gensch startet im Winter nur auf Bestellung: „Die Bücher sind gut gefüllt, wir haben Stammkunden. Beispielsweise Reiseunternehmen, die das gerne nutzen.“ Auch er geht neue Wege: „Ich möchte neue Pferde anschaffen und auch andere Wagen, um attraktiver zu sein.“ Wie die aussehen sollen, verrät er noch nicht.

Bekanntlich wollte Gensch das Kutschengeschäft einschränken und Touristen mit einer Solarbahn durch die Hansestadt fahren. Das scheiterte an Sicherheitsbedenken der Stadt. Ein Argument: Wenn die Bahn plötzlich wegen eines Ausfalls an der Heiligengeiststraße stehenbliebe, könnte wie ein Propf wirken, die Feuerwehr käme im Ernstfall nicht durch. Dass dort regelmäßig Laster stehen, die Lokale mit Waren beliefern, hat die Verwaltung allerdings bislang kaum gestört. Vermutlich dürfte eher der Protest von Lüneburgern, die meinen, eine „Bimmelbahn“ passe nicht ins Stadtbild, zur Risiko-Sicht geführt haben.

Auch wenn Gensch rechtliche Schritte angekündigt hatte, will er die Bahnpläne für Lüneburg erst einmal zurückstellen. Wie berichtet, hatte er eine Bahn für 300000 Euro angeschafft, die soll nun zehn Jahre lang in Bad Bevensen rollen, im Linienverkehr verbindet sie Kur­einrichtungen, Kliniken und Hotels. Und Gensch überlegt, noch eine Bahn anzuschaffen: „Ich habe eine interessante Anfrage.“ Woher die kommt, behält er für sich.