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Auch für 2015 hat Ulrich Steiger wieder einen Kalender mit historischen Fotos herausgegeben. Sie zeigen aus teils ungewohnten Perspektiven frühere Gebäude und Plätze. Foto: be
Auch für 2015 hat Ulrich Steiger wieder einen Kalender mit historischen Fotos herausgegeben. Sie zeigen aus teils ungewohnten Perspektiven frühere Gebäude und Plätze. Foto: be

Ungewohnte Blicke auf Lüneburg

us Lüneburg. Für viele ist er inzwischen schon so etwas wie eine feste „Einrichtung“, der Jahreskalender der Einhorn-Apotheke mit den historischen Stadtansichten Lüneburgs. Jetzt hat Apotheker Ulrich Steiger die zwölfte Ausgabe seines Stadtkalenders vorgelegt, wieder mit teils bekannten, teils ungewohnten, zum Teil aber auch rätselhaften Perspektiven auf Lüneburger Orte und Plätze. Allen gemein: Sie zeigen ein längst vergangenes Lüneburg aus der Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte und die Stadtgrenze noch an den alten Stadttoren zu enden schien.

Markttreiben An den Brodbänken.
Markttreiben An den Brodbänken.

„Den Lüneburger Wasserturm, auf dem zurzeit wieder der Wichernkranz leuchtet, gab es in der Stadt noch ein zweites Mal, allerdings in kleinerer Ausführung“, erzählt Ulrich Steiger und zeigt auf das Kalenderblatt vom März. Dort ist der kleinere Bruder auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1927 zu sehen als Teil des Werksgebäudes der früheren Wachsbleiche. „Auch er diente als Wasserturm, nahm Wasser aus der Ilmenau auf, das für den Produktionsprozess benötigt wurde“, berichtet Steiger. Oben auf ihm stand ganzjährig eine große, einzelne Kerze, deren Flamme bei Dunkelheit rot leuchtete, „es war das damalige Firmenlogo des Unternehmens“. Heute befindet sich an der Stelle des in den 60er-Jahren abgerissenen Gebäudes der Neubau des Verwaltungsgebäudes des Unternehmens H.B. Fuller, das die Wachsbleiche in der Zeit übernommen hatte.

 

 

Die Mini-Ausgabe des Wasserturms an der Wachsbleiche.
Die Mini-Ausgabe des Wasserturms an der Wachsbleiche.

Auch von einem anderen früheren Gebäude weiß der Apotheker Interessantes zu berichten: „In der Kleinen Bäckerstraße stand ein Haus, dessen Fassade im Jahr 1900 im Jugendstil errichtet worden war, eine Besonderheit in der Stadt. Doch auf Druck der Stadtverwaltung musste die Fassage zurückgebaut werden.“ Das Haus Nr. 14 hat heute eine schlichte Fassade und beherbergt das Geschäft Liberty. „Schade, damit hat Lüneburg eines seiner wenigen Jugendstil-Gebäude verloren.“

 

Der Oktober zeigt ein Foto mit Blick auf das Gelände der früheren Saline. „Wann das Foto entstanden ist, lässt sich nicht genau sagen.“ Da im Hintergrund ein größerer, freistehender Gebäudekomplex zu sehen ist, den Steiger als Neubau des Städtischen Krankenhauses zu identifizieren glaubt, schätzt er das Entstehungsdatum auf Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Lüneburger Markttreiben um die Jahrhundertwende ist auf dem Foto für den November abgebildet. Seine Kamera hatte der Fotograf vermutlich von dem Haus An den Brodbänken/Ecke Finkstraße aus aufgenommen. Es zeigt die mit Waren halb zugestellte Straße, auf dem Markt drängen sich dicht an dicht die Stände. Ein Kutscher und eine Gruppe von Marktbeschickern blicken gespannt in Richtung des Fotografen, damals waren Fotos eben noch etwas Besonderes.

 

Frühere Jugendstilfassade in der Kleinen Bäckerstraße 14.
Frühere Jugendstilfassade in der Kleinen Bäckerstraße 14.

Seit 2004 gibt es die Kalender, die Steiger auf eigene Kosten produzieren lässt und gegen eine Spende in der Einhorn-Apotheke abgibt. Der Erlös fließt wie in den Jahren zuvor dem Guten Nachbarn zu, einer Aktion von Lüneburger Wohlfahrtsverbänden und der LZ. Mehr als 50000 Euro sind in all den Jahren zusammengekommen, auch diesmal hofft der Lüneburger Apotheker wieder auf zahlreiche spendenfreudige Interessierte. Neuerdings gehört auch die Niedersächsische Landesbibliothek in Hannover zu seinen festen Abnehmern. Da es sich um zeitgeschichtlich wertvolle Aufnahmen handele, seien jetzt sämtliche Kalender sogar nachträglich inventarisiert worden. Auch Lüneburger Kalender-Fans können ihre Bestände noch vervollständigen, „denn es gibt von allen Jahrgängen noch Restbestände“.