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Einige der Eltern und Großeltern, die ihre Kinder oder Enkel zu Weihnachten nicht sehen dürfen, demonstrierten vor dem Amtsgericht. Foto: be
Einige der Eltern und Großeltern, die ihre Kinder oder Enkel zu Weihnachten nicht sehen dürfen, demonstrierten vor dem Amtsgericht. Foto: be

Trauriges Fest ohne Kinder und Enkel

rast Lüneburg. Oma Irene wohnt in Bardowick nur rund 100 Meter entfernt von ihren beiden Enkelinnen, den Kontakt zu den Zwillingsschwestern, sieben Jahre alt, verbietet ihr aber ihre Tochter: „Wenn sie aus der Schule kommen, darf ich ihnen nicht mal durch die Gardine zuwinken.“ Zwar habe ihr das Familiengericht über das Umgangsrecht zugebilligt, dass die Kinder sie einmal pro Woche besuchen dürfen: „Doch das lassen die Eltern nicht zu.“ Irene gehörte zu den „Weihnachtsmännern“ in blauen und roten Kostümen von der Lüneburger Selbsthilfegruppe „Entsorgte Eltern und Großeltern“, die gestern, 4. November, vor einem vor dem Amtsgericht aufgestapelten Haufen von Geschenken demonstrierten symbolhaft für die Geschenke, die ihre Kinder und Enkel nicht erhalten werden, weil der erziehende Elternteil dies verwehrt.

Für die 63-jährige Irene ist nicht nur „schlimm, dass die Mädchen unter dieser Trennung leiden“, sie kennt nach eigenem Bekunden nicht einmal den Grund dafür: „Ich habe mein Einfamilienhaus verkauft und meiner Tochter ein Mietshaus mit zwei Wohnungen geschenkt. Auch ein Auto und eine Solaranlage habe ich bezahlt, alles in allem waren das mehr als 200000 Euro.“ Einst holte sie die Mädchen noch aus dem Kindergarten ab, kümmerte sich nachmittags um sie: „Irgendwann aber durfte ich nicht mal mehr den Briefkasten bei meiner Tochter leeren, sah die Kinder nur noch sporadisch.“ Dann habe sie der Tochter einfach den Geldhahn zugedreht. „Ich habe das Recht, meine Enkelkinder einmal die Woche zu sehen“, sagt Irene. Da ihre Tochter diese Vereinbarung nicht einhalte, hat die Seniorin im Sommer Beschwerde beim Amtsgericht eingelegt: „Bis heute ist nichts passiert.“

„Es gibt zu viele richterliche Beschlüsse, die einen Elternteil nach der Trennung ausgrenzen“, sagt Dorette Kühn, die die Gruppe zusammen mit Peter Witkowski leitet: „So wird das Recht der Kinder auf Kontakt zu beiden Eltern und anderen Bindungspersonen verletzt. Unter diesen Bindungsabbrüchen leiden die Kinder, viele werden psychisch krank.“ Dorette Kühn weiter: „Eine gezielte Entfremdung wird inzwischen, auch in Deutschland, ganz offiziell „Kindesmisshandlung genannt, und nur so wollen wir die Bindungsabbrüche der Kinder von geliebten Menschen auch nennen.“

Dass gestern, 4. Dezember, einige „Weihnachtsmänner“ in blauen Kostümen erschienen, begründet Kühn so: „Blau ist für einen Weihnachtsmann unnatürlich. Ebenso unnatürlich ist es, dass Kinder ihre Eltern nicht sehen dürfen. Unsere roten Kostüme signalisieren die Hoffnung, dass wir endlich wieder vernünftigen Kontakt haben dürfen.“ In vielen Umgangsausschlüssen wird einem Elternteil oder den Großeltern zugestanden, zu Geburtstagen der Kinder oder anderen Feiertagen Briefe oder Päckchen zu schicken, doch die Gruppe weiß, dass diese die Kinder oft nicht erreichen, vom anderen Elternteil in den Müll geworfen werden.

Mehr Infos gibt es hier.