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Herderschülerin Vera Grothusmann musste am Mikro von Alexander Gerhardt ihren Text zum Hörspiel Watchdog einsprechen. Foto: t&w
Herderschülerin Vera Grothusmann musste am Mikro von Alexander Gerhardt ihren Text zum Hörspiel Watchdog einsprechen. Foto: t&w

Die perfekte Aufnahme

mm Lüneburg. Gar nicht so leicht geht Linus Kohn das Wort Photonenscanner mit der richtigen Betonung über die Lippen. Doch der Achtklässler lässt sich nicht entmutigen. Nochmal und nochmal spricht er seinen Text ein, um ihn herum sitzen seine Klassenkameraden und lauschen. Alexander Gerhardt vom Norddeutschen Rundfunk hält Linus ein Mikro unter die Nase, von Versuch zu Versuch versteht Linus es besser, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Endlich ist die Aufnahme perfekt. „Das passt so, jetzt wird noch geschnitten“, verkündet Gerhardt. An der Herderschule war der NDR zu Gast, die Schüler der Klasse 8F sollten ihre Texte zu dem Hörspiel „Watchdog“ von Sabine Stein einsprechen.

Im Deutschunterricht bei Lehrerin Ute Mattheus hatten sich die Gymnasiasten schon mit dem Hörspiel-Genre beschäftigt, lernten beispielsweise, was den Unterschied zu einem Hörbuch ausmacht. Nämlich, dass auf einen Erzähler verzichtet wird. Ute Mattheus erklärt die Krux für die Schüler: „Sie müssen durch ihr Sprechen eigene Färbungen für die Charaktere entwickeln, damit ein Kino im Kopf entsteht.“ Die richtige Färbung musste auch Vera Grot­husmann für ihre Rolle finden. „Ich spiele die Mutter, bin die erste, die etwas sagt. Es war schwierig, den Charakter richtig einzuführen, ich musste entscheiden, ob die Mutter streng oder doch eher verplant rüberkommen sollte“, sagt Vera. Das betonte Sprechen haben sie und Linus schon im Wahlpflichtunterricht beim Darstellenden Spiel gelernt. Auf der Bühne sei es aber leichter, Szenen darzustellen. „Das geht auch mit Körpersprache, jetzt kommt es nur auf die Stimme an“, sagt Vera, die selbst gerne Hörspielen lauscht, etwa „Ich darf nicht schlafen“ auf einer längeren Autofahrt oder auch weihnachtlichen Hörbüchern.

Unter ihren Schülern hat Lehrerin Ute Mattheus entdeckt, dass „es manchen gar nicht so leicht fällt, auch mal fies zu sein und aus sich herauszugehen“. Daher sei es wichtig, dass sie einmal „einen ganz anderen Charakter spielen könnten“. Von ihren 27 Schützlingen hätten sich nur zwei nicht getraut, vor der versammelten Klasse ihren Text einzusprechen.

Das Projekt „Hörspiel in der Schule“ vom NDR gibt es an 100 Schulen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. „Das Hörspiel ist eine etwas vernachlässigte Kunst. Wir wollen auch Werbung für dieses Genre machen“, sagt Claudio Campagna, Reporter bei NDR Kultur. Er besuchte zusammen mit Mediengestalter Alexander Gerhardt die Klasse an der Herderschule.