Dienstag , 27. September 2016
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Der Bahnhofsvorplatz im Winter: Bei Schneefall könne der Winterdienst nicht vernünftig räumen, weil überall Fahrräder stehen, argumentiert die Hansestadt Lüneburg. Foto: A/be
Der Bahnhofsvorplatz im Winter: Bei Schneefall könne der Winterdienst nicht vernünftig räumen, weil überall Fahrräder stehen, argumentiert die Hansestadt Lüneburg. Foto: A/be

Stadt dreht wieder am Rad

ahe/sp Lüneburg. Der Anblick stört viele, doch bislang scheiterten alle Versuche, den Dauerzustand zu ändern: Seit Jahren stehen jeden Tag Fahrräder kreuz und quer auf dem Bahnhofsvorplatz. Mit Verboten, Aktionen und Alternativ-Angeboten wollte die Stadt das schon oft ändern, unternahm seit Ende der Neunziger immer wieder neue Versuche und scheiterte, teils sogar vor Gericht. Denn einfach ein Verbotsschild aufzustellen oder die Räder per se abzuschleppen, das gehe nicht, urteilten die Richter. Dafür fehle die Rechtsgrundlage. Nun nimmt die Stadt einen neuen Anlauf gegen das Fahrrad-Durcheinander. Der Kniff diesmal: Vernünftig Schnee zu räumen und zu streuen, sei nicht möglich, wenn überall Räder im Weg stehen, also müssten die weg.

In diesen Tagen hängt die Stadt neue Schilder auf: Ein Lageplan darauf zeigt den Bahnhof, den Westbahnhof, den Zentralen Omnibusbahnhof und den Radspeicher. Die Wege dazwischen sind schwarz-gelb schraffiert und fallen gleich ins Auge. In diesem Winter gelten dort erstmals neue Regeln, die den Mitarbeitern der städtischen Tochtergesellschaft Abwasser, Grün & Lüneburger Service (AGL) den Winterdienst in diesen Bereichen, wo besonders viele Reisende und Fußgänger unterwegs sind, erleichtern sollen. In den vergangenen Wintern habe das AGL-Team dort alle Hände voll zu tun gehabt, argumentiert die Stadt: Noch bevor die erste Maschine überhaupt Schnee räumen und Salz streuen konnte, hätten die Mitarbeiter wild geparkte Räder einzeln per Hand beiseite räumen müssen. Die Schilder zeigen nun, welche Flächen künftig auf einer Breite von mindestens 1,50 Metern frei bleiben müssen.

Immer wieder hatte die Stadt in den vergangenen Jahren Versuche unternommen, Ordnung ins Durcheinander zu bringen. Sie baute für umgerechnet 1,85 Millionen Euro ein Fahrradparkhaus, schleppte ab, stellte Verbotsschilder auf, die sie wieder abhängen musste, baute ein zweites Fahrradparkhaus, diesmal für 1,9 Millionen Euro, dessen Nutzung sogar kostenlos ist das tägliche Chaos auf dem Vorplatz blieb. Doch die vielen Räder sind nicht nur optisch ein Makel, sondern behindern auch Reisende, vor allem solche mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen oder einfach nur mit großem Gepäck, die an manchen Stellen schlicht nicht mehr durchkommen.

Jetzt soll der Winterdienst herhalten als Instrument. Den neuen Regeln liege die Straßenreinigungsverordnung zu Grunde. Die Stadt ist sicher, dass es diesmal klappt: Das Regelwerk erlaube es, trotz Verbots abgestellte Gegenstände, in der Praxis vor allem Fahrräder, kostenpflichtig abzuräumen. Die Regelung gilt im Winterhalbjahr und künftig immer von Anfang November bis Ende März.

Unabhängig von dieser Regelung für den Winterdienst wird die Stadt Lüneburg in regelmäßigen Abständen auch weiterhin Schrottfahrräder rund um den Bahnhof unter die Lupe nehmen. In einem ersten Schritt werden auffällige Räder mit einer Banderole versehen, die den Besitzer auffordert, das Rad mitzunehmen. Geschieht das nicht, bringt das Team der AGL das Fahrrad zum Ordnungsamt. Die Besitzer können es dann gegen Zahlung eines Ordnungsgeldes wieder abholen. Dafür knacken die städtischen Mitarbeiter auch schon mal Schlösser. Ein Schadenersatz ist nicht vorgesehen, da sieht sich die Verwaltung durch die Nichteinhaltung der Straßenreinigungsvorschriften im Recht. Sie kündigt auch an: Sollte ein offensichtlich fahruntüchtiges Rad dem Reinigungs- und Räumdienst im Weg stehen, wird es sofort, also ohne Vorwarnung, abgeräumt.