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Projekt-Initiator Jürgen Thiele präsentiert einen der neuen Probenräume.  Foto: t&w
Projekt-Initiator Jürgen Thiele präsentiert einen der neuen Probenräume. Foto: t&w

Nach dem Bau ist vor dem Bau

ff Lüneburg. Sie heißen Loifior und Achtung Baby, Peppones und Ausm Blauen acht Bands insgesamt haben in dem „Let`s rock“-Projektgebäude ihre Drumsets und Gitarrenverstärker aufgebaut. Hier, in der Lise-Meitner-Straße 8, zwischen Feuerwehr und Autowaschanlage, hat Jürgen Thiele seine Idee realisiert, Bands neue Probenräume zu bauen. Vor vier Jahren wurden die ersten Überlegungen in Worte gefasst, im Juni 2014 erfolgte der erste Spatenstich, jetzt war die Eröffnung fällig, natürlich mit viel Livemusik.

Die ersten Takte gehörten aber nicht einem der neuen Bewohner, sondern Damn` Escape, einer jungen Rockband des Tausend-Steine-Projekts, das Achim Pelz von Bernd Loehn übernahm und das rund 500 Meter weiter die Straße hinauf beheimatet ist. Keine Konkurrenz unter Künstlern, sondern Partnerschaft, das war die Botschaft. Partnerschaft soll auch in dem neuen Rockzentrum praktiziert werden: Je eine ältere Band nimmt eine jüngere mit ins Boot beziehungsweise in den nagelneuen Probenraum, so lautete Jürgen Thieles Plan.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge freute sich, dass mit dem Let`s-rock-Projekt „nach der Kulturbäckerei nun ein weiterer Baustein Lüneburgs als Kulturstadt gesetzt“ worden sei. Jürgen Thiele würdigte „all die unzähligen Helfer“, die das Projekt förderten Handwerker beispielsweise, die mal eben mit anpackten, und Sympathisanten, die spontan Geld locker machten, etwa für den Konzertflügel im Hause. Einige -zigtausend Euro wurden auf diese Weise gespart. Schallschutz ist oberstes Gebot und nicht ganz billig. Bei der Eröffnung zeigte sich, dass die doppelten Fenster noch eine weitere Aufgabe erfüllen: Zwischen den Scheiben findet die eine oder andere Flasche Bier gut gekühlt ihren Platz. That`s Rock`n`Roll.

Für Weltstars wie B.B. King und Miles Davies hat Jürgen Thiele jahrzehntelang die Bühnen gebaut, Licht und Ton justiert. Das Non-Profit-Projekt in der Meitner-Straße sollte entstehen, „wenn ich mal raus bin aus diesem Wahnsinn“. Nach 33 Jahren hat sich Thiele aus seiner Firma Profi-Musik nun weitgehend zurückgezogen, eine Stiftung und einen Trägerverein für das Übungszentrum gegründet, die Profi-Musik-Verwaltung trat als Bauträger auf, die Sparkassenstiftung zog mit. Vor einigen Tagen wurde er für sein Engagement mit dem Stelljes-Preis ausgezeichnet.

Nach dem Bau ist vor dem Bau: Sechs Bands stehen auf der Warteliste, wären gern dabei gewesen. Auf der grünen Wiese hinter dem Gebäude ist noch Platz, da könnten noch zwei Appartements für je drei Ensembles entstehen. Und es dürfte schon bald konkret werden: „Gestern“, so Jürgen Thiele, „sind meine Vorstellungen, die ich im Kopf habe, aufs Papier geflossen.“