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Das Stammhaus an der Dahlenburger Landstraße hat keine Zukunft mehr, Maschinen und Gebäude sind veraltet. Foto: t&w
Das Stammhaus an der Dahlenburger Landstraße hat keine Zukunft mehr, Maschinen und Gebäude sind veraltet. Foto: t&w

Marwitz schließt Betriebsteil

ca Lüneburg. Schlechte Nachrichten gestern Morgen für Mitarbeiter des Textilpflege-Unternehmens Marwitz an der Dahlenburger Landstraße: Die Geschäftsführung will diesen Betriebsteil spätestens im Juni 2016 schließen. Davon sind nach Auskunft des Managements 20 bis 25 Stellen betroffen. Soweit möglich sollen die Beschäftigten ins Hauptwerk im Lüneburger Hafen wechseln. Chef Dirk Hischemöller sagt: „Wir lassen keinen im Regen stehen.“ Auch Kunden müssten sich keine Sorgen machen. Man reagiere frühzeitig, damit niemand Nachteile erleide.

Marwitz zählt zu den alteingesessenen mittelständischen Betrieben der Stadt und beschäftigt rund 170 Frauen und Männer. Spezialisiert haben sich die Familie Hischemüller und ihre Mitarbeiter auf das Reinigen und Vermieten von Berufskleidung, Fußmatten sowie Hotel- und Restaurantwäsche. Der Part Gastronomie wird an der Dahlenburger Landstraße abgearbeitet. Hi­schemöller sagt, der Maschinenpark dort sei mehr als 30 Jahre alt: „Der Lebenszyklus ist am Ende.“

Doch an diesem Standort könne man keine neue Anlage einbauen: „Die Gebäude sind zu niedrig. Eine Erweiterung ist nicht möglich.“ Das hätten Gespräche mit der Stadt ergeben, die sich durchaus hilfsbereit gezeigt habe. Der Betrieb liege historisch bedingt in einem Wohngebiet. Ein Umzug in den Hafen mache keinen Sinn. Die Maschinen würden ihn nicht überstehen, ein Neubau sei auf dem Areal nicht machbar und auch zu teuer. Ein Nachbargrundstück im Hafen habe man nicht erwerben können.

„Wir haben es uns nicht einfach gemacht, es geht um unser Stammhaus und Mitarbeiter, die zum Teil 25, 30 Jahre bei uns sind“, sagt Hischemöller. „Aber wir mussten die Reißleine ziehen.“ Mit dem Leasing der Hotelwäsche seien keine hohen Margen zu erzielen. Man sei froh gewesen, in den vergangenen Jahren eine „schwarze Null“ geschrieben zu haben. Anders sei es bei der Berufskleidung: „Dort wachsen wir jährlich um rund fünf Prozent.“ Deshalb wollen Hischemöller und seine Partner in der Geschäftsleitung, seine Schwester und sein Schwager Thomas Perczynski, den betroffenen Kollegen anbieten, ins neue Werk zu wechseln. Es könne sein, dass dann Zeitarbeiter das Haus verlassen müssten.

„Wir gehen schon jetzt nach vorne, damit sich die Betroffenen darauf einstellen und sich, wenn sie wollen, etwas anderes suchen können“, sagt der 50-Jährige. Das gelte auch für Kunden wie die Hotels Seminaris und Bergström, denen man gerne Kollegen als Nachfolger empfehle. Aber mit eineinhalb Jahren sei die Übergangszeit großzügig bemessen.

Was aus dem Grundstück zwischen Dahlenburger Land- und Bachstraße wird, ist laut Hischemöller noch ungeklärt. Auch darüber wolle man mit der Stadt sprechen. Wie andere Textil- und Reinigungsbetriebe hat auch Marwitz mit Hinterlassenschaften aus alten Zeiten zu kämpfen. Damals wurde Perchlorethylen eingesetzt, das als gesundheitsschädlich gilt, auch wenn es ins Grundwasser gelangt. Die Sanierung des Geländes, die von Behörden überwacht wird, wird laut Geschäftsführer Hischemöller fortgesetzt: „Es besteht keine Gesundheitsgefahr.“

Eine Wäscherei mit Tradition
Das Unternehmen Marwitz wurde 1823 in Ratzeburg als Gerberei gegründet, nach einem Brand schwenkten die Vorfahren um auf einen Wäschereibetrieb. Um 1900 zog Marwitz nach Lüneburg, weil man sich in der Verwaltungs- und Garnisonsstadt bessere Einnahmen versprach. 1972 begann das Geschäft mit der Mietkleidung, erster Kunde war das Autohaus Havemann. Mitte der 90er-Jahre erfolgte der Neubau im Hafen. Nach eigenen Angaben erwirtschaftet Marwitz einen Jahresumsatz von rund 17 Millionen Euro, 12,4 davon mit der Berufskleidung.