Dienstag , 27. September 2016
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Aus Frankreich ist Justine Dauphin am Freitagmorgen nach Lüneburg zurückgekehrt. Ihr Heimatland hat sie nach dem Terroranschlag auf ,,Charlie Hebdo in tiefer Trauer zurückgelassen. Foto:mm
Aus Frankreich ist Justine Dauphin am Freitagmorgen nach Lüneburg zurückgekehrt. Ihr Heimatland hat sie nach dem Terroranschlag auf ,,Charlie Hebdo in tiefer Trauer zurückgelassen. Foto:mm

Attentat von Paris: Die LZ im Gespräch mit französischer Austauschstudentin

mm Lüneburg. Trostlos und beängstigend ist es gestern früh auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle, als die Studentin Justine Dauphin zurück nach Lüneburg einchecken will. Nur wenige Menschen an den Terminals, dafür umso mehr Sicherheitskräfte im Flughafen. Höchste Terrorwarnstufe nach dem Attentat auf das Satiremagazin ,,Charlie Hebdo“. Alarmstufe dunkelrot in Paris. Justine verlässt eine Nation im Schockzustand.

Freitag kehrt sie an ihren Studienort Lüneburg zurück. Für drei Wochen hatte die französische Austauschstudentin von der Leuphana Universität ihre Familie daheim in Troyes besucht. Zurück kommt sie mit einem anderen Heimatgefühl. „Es ist das erste Mal, dass ich so eine kollektive Traurigkeit in meinem Land fühle.“

Als in Paris die Redaktion von ,,Charlie Hebdo“ angegriffen wird, flimmern im 180 Kilometer entfernten Städtchen Troyes östlich der Hauptstadt die Sondernachrichten bei Familie Dauphin über den Fernsehbildschirm. Justine und ihrem Vater ist sofort bewusst: „Das ist eine immense Bedrohung.“ Wie viele Tote es gibt, wissen sie am Mittwochvormittag noch nicht. Justine Dauphin hat jetzt keine ruhige Minute. Ununterbrochen schreibt die 23-Jährige mit ihren Freunden über Facebook, verfolgt dabei die neuesten Meldungen: „Wir haben viel geweint. Ich denke, dass der Anschlag die französische Gesellschaft zusammenschweißt. Es geht um Freiheit und nicht um Politik“, sagt Justine Dauphin.

Auch das Profilbild der jungen Studentin bei Facebook ist schwarz eingefärbt, wie das von Millionen anderen Usern des sozialen Netzwerks. Ein Zeichen der Trauer und der Solidarität.

Öfter hätten die Karikaturisten von ,,Charlie Hebdo“ eine Grenze zwischen Humor und resoluter Kritik überschritten, „aber ich habe immer gelacht“, sagt Dauphin. Sie ist ein Fan der Zeitschrift. So wie viele Franzosen. „Die Zeichnungen konnten böse und heftig sein, aber diese Form von Meinungsäußerung braucht eine Demokratie.“

Jetzt ist die freie Presse- und Meinungsäußerung angegriffen worden, „als Mensch mit 23 Jahren konnte ich mir das bisher nicht vorstellen“, sagt Justine Dauphin. Sie studiert selbst Kommunikationswissenschaften. Und sie habe es nicht für möglich gehalten, dass so ein Anschlag passiert. Noch hat sich Justine nicht von den schlimmen Nachrichten erholt: „Ich denke fast nur daran.“

Sie sucht nach Gründen. „Die Attentäter waren schreckliche Leute.“ Verblendet von Vorbehalten, die es in Frankreich gegenüber Muslimen gebe: „Mein Eindruck ist, dass die französische Gesellschaft Muslimen enge Grenzen setzt.“

Die Trauer sitzt tief. Aber Mittwoch wird „Charlie Hebdo“ wieder erscheinen, mit einer Auflage von einer Million Exemplaren. „Wir müssen wieder lachen, aber das ist jetzt schwieriger als vorher“, sagt Justine Dauphin.