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Kämmerin Gabriele Lukoschek soll Erste Stadträtin werden. Diesen Vorschlag hat Oberbügermeister Ulrich Mädge den Fraktionen im Stadtrat unterbreitet. Foto: t&w
Kämmerin Gabriele Lukoschek soll Erste Stadträtin werden. Diesen Vorschlag hat Oberbügermeister Ulrich Mädge den Fraktionen im Stadtrat unterbreitet. Foto: t&w

Lüneburgs Erste Stadträtin – Oberbürgermeister schlägt Kämmerin Gabriele Lukoschek vor

as Lüneburg. Für die Finanzen der Stadt ist Gabriele Lukoschek seit 2008 zuständig. Sie ist die erste Frau, die vom Rat auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Ulrich Mädge in das Amt der Kämmerin gewählt wurde. Nun soll eine weitere Aufgabe auf die 51-jährige Diplom-Verwaltungswirtin zukommen. Sie soll mit dem Amt der Ersten Stadträtin betraut werden, ist damit Vertreterin des Oberbürgermeisters. Im Herbst, wenn Lukoscheks Wiederwahl zur Kämmerin ansteht, soll sie zur Ersten Stadträtin gewählt werden. Das hat Mädge jetzt den Fraktionen im Rat vorgeschlagen. Die Resonanz ist durchweg positiv.

Die Posten Erster Stadtrat und Sozialdezernat sind seit dem Ausscheiden des bisherigen Amtsinhabers Peter Koch vakant. Die Sozialdezernentenstelle ist, wie berichtet, ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft Ende des Monats aus. Im März wird der Oberbürgermeister dem Rat seinen Vorschlag für die Neubesetzung unterbreiten, zum 1. Mai könnte dann der neue Amtsinhaber des Bildungsdezernats so soll das bisherige Sozialdezernat künftig heißen mit seiner Arbeit beginnen.

Ende vergangenen Jahres hatte Mädge bereits der Politik angekündigt, dass bei der Position des Ersten Stadtrates auf eine Ausschreibung verzichtet werden solle zugunsten einer hausinternen Lösung, es gehe hier schließlich um eine Vertrauensposition. Dass es entgegen dem Vorschlag zu einer Ausschreibung kommt, ist unwahrscheinlich, denn dazu bedürfte es einer Dreiviertel-Mehrheit im Rat.

Für die hausinterne Lösung seien neben Gabriele Lukoschek auch Baudezernentin Heike Gundermann und Verkehrsdezernent Markus Moßmann infrage gekommen, sagte Mädge gestern gegenüber der LZ. Mit allen drei Dezernenten habe er gesprochen und sich danach für Lukoschek entschieden, es gebe da auch keinen Unfrieden.

Die Wahlzeit als Kämmerin läuft 2016 aus. Fürs Erste soll sie nun mit der allgemeinen Vertretung des Oberbürgermeisters beauftragt werden. Dafür muss der Rat in seiner Sitzung Ende Januar mehrheitlich stimmen. Im Herbst dieses Jahres soll sie dann gleichzeitig erneut zur Kämmerin sowie zur Ersten Stadträtin gewählt werden, um so auch die Wahlzeiten zusammenzuführen. Die Chancen dafür stehen gut, denn dafür bedarf es 22 der 43 Stimmen im Rat. Die Mehrheitsgruppe von Rot-Grün hat insgesamt 26 Sitze.
In der SPD-Fraktion ist der Vorschlag von Mädge bereits diskutiert worden. „Wir werden dem Vorschlag folgen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Heiko Dörbaum. „Frau Lukoschek ist seit mehr als sechs Jahren als Dezernentin in leitender Funktion in der Stadt tätig und für das Amt einer Ersten Stadträtin qualifiziert.“

Für den Gruppenpartner Grüne erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jule Grunau: „Wir sprechen uns einstimmig für den Vorschlag aus, denn wir bringen Frau Lukoschek großes Vertrauen entgegen.“

Auch die CDU begrüßt den Vorschlag des Oberbürgermeisters. Fraktionschef Niels Webersinn: „Von Anfang an haben wir die Idee ins Spiel gebracht, dass eine Frau für diese Position infrage käme im Sinne der Gleichstellung von Mann und Frau in der Verwaltung.“ Da es bereits seit Jahren zwei Dezernentinnen in der Verwaltung gebe, „ist es für uns durchaus schlüssig, die Position mit einer Frau zu besetzen“.

Die Liberale Birte Schellmann erklärt für die Gruppe FDP/Rentner: „Der Oberbürgermeister muss aus der Runde seiner Dezernenten eine Person seines Vertrauens benennen können. Zwar wäre es sinnvoll, mit dieser Aufgabe einen Juristen zu betrauen, aber wenn der nicht zur Verfügung steht, muss er auf einen anderen seiner Spitzenkräfte zurückgreifen können.“ Die Stelle neu auszuschreiben, sei angesichts der Etatlage der Stadt unverantwortlich. „Man kann nur hoffen, dass Frau Lukoschek das und alle anderen Aufgaben, für die sie verantwortlich ist, leisten kann.“

„Für mich ist das vollkommen in Ordnung“, sagt Tor­björn Bartels, Chef der Piraten. Das Amt des Stellvertreters des Oberbürgermeisters müsse eine Person innehaben, „der Herr Mädge vertraut. Und es ist sinnvoll, wenn er jemanden vorschlägt, der die Stadt und die Verwaltung kennt“. Die Stelle europaweit auszuschreiben, macht aus Bartels Sicht keinen Sinn, „weil wir womöglich jemanden bekommen würden, der Lüneburg gerade mal dem Namen nach kennt“. Außerdem sei eine Ausschreibung mit erheblichen Kosten verbunden.

Der Vorschlag sei ihm von OB Mädge mündlich mitgeteilt worden, so Michèl Pauly, Fraktionschef der Linken. „Ich persönlich hätte mit einem anderen Namen gerechnet.“ Pauly gibt zu bedenken, dass auf Gabriele Lukoschek nun eine weitere arbeitsintensive Aufgabe neben der Kämmerei und den Personalangelegenheiten, für die sie auch verantwortlich zeichnet, zukäme. „Aus meiner Sicht ist das nur leistbar, wenn Frau Lukoschek ein Fachbereichsleiter Personal zur Seite gestellt wird.“