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Gerhard Hartz (l.) und Andreas Bessler von der Bürgerinitiative Grünfläche-Lüneburg fordern von der Stadt die Rücknahme des Aufstellungsbeschlusses für die Grünfläche Auf den Sandbergen. Foto: us
Gerhard Hartz (l.) und Andreas Bessler von der Bürgerinitiative Grünfläche-Lüneburg fordern von der Stadt die Rücknahme des Aufstellungsbeschlusses für die Grünfläche Auf den Sandbergen. Foto: us

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Bebauung

us Lüneburg. „Wenn man das Gefühl hat, dass Argumente nur vorgeschoben sind, muss man aktiv werden.“ Gerhard Hartz ist ein friedliebender Mensch, sucht das Gespräch und ist um Ausgleich bemüht. Grundsätzlich. Weil er und mit ihm weitere Anwohner des Kaltenmoorer Wohnviertels In den Kämpen sich aber von der Stadt bei deren Plänen zur Bebauung der Grünfläche Auf den Sandbergen nicht mitgenommen sehen, haben sie kurzerhand eine Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel: „Wir fordern die Zurücknahme des Aufstellungsbeschlusses.“

Feste Bauten statt fliegender Unterkünfte

Ausgelöst wurde der Unmut von Gerhard Hartz und seinen acht aktiven Mitstreitern der „Bürgerinitiative Grünfläche-Lüneburg“ im vergangenen Herbst. Die Stadt hatte schwer mit der Last der nach Lüneburg drängenden Flüchtlinge zu kämpfen, suchte händeringend nach geeigneten Freiflächen für ihre Flüchtlingsunterkünfte. „Eine Situation, für die wir vollstes Verständnis hatten und gegen die wir uns natürlich auch nicht gestellt hätten“, sagt Hartz. Noch bei der Anwohnerversammlung am 26. Oktober 2015 im Hägfeld habe es die Versicherung der Stadt gegeben, dort nur „fliegende Unterkünfte“ errichten zu wollen, die wieder beseitigt werden, sobald die Situation dies zulasse. Nachfragen zu einer möglichen dauerhaften Bebauung seien noch als „reine Spekulation“ abgetan worden, wie Hartz versichert. Doch schon wenig später habe sich das Blatt gedreht, plötzlich sollten statt fliegender Unterkünfte feste Bauten für anerkannte Flüchtlinge oder Mieter mit kleinem Geldbeutel entstehen.

Doch obwohl sich die Flüchtlingssituation inzwischen deutlich entspannt hat, hält die Stadt weiter zum Leidwesen der Bürgerinitiative an ihrem Vorhaben fest: „Es kann doch nicht sein, dass eine Fläche, die selbst als Ausgleichsfläche für das 1994 enstandene Wohngebiet In den Kämpen geschaffen wurde, jetzt bebaut werden soll“, sagt Andreas Bessler, wie Gerhard Hartz Sprecher der BI. Beide fordern deshalb, dass der vom Rat der Stadt beschlossene Aufstellungsbeschluss wieder zurückgenommen und stattdessen der derzeit gültige Bebauungsplan umgesetzt wird. Dieser sieht unter anderem vor, dass südlich des KVG-Geländes ein schmaler Waldstreifen entsteht, der die westliche Waldfläche mit dem östlichen Biotop um das Regenrückhaltebecken verbindet.

Zwar hat die Stadt inzwischen erklärt, das Gelände vorerst nicht in Anspruch nehmen zu wollen, an ihren Plänen zur Aufstellung eines neuen Bebauungsplans aber hält sie weiter fest. Gerhard Hartz hat deshalb die Vermutung, „dass die Flüchtlinge von der Stadt für den Einstieg in die Bebauung instrumentalisiert wurden“. Dafür spreche auch, dass kürzlich ein Teil des Baumbestands am KVG-Gelände bereits abgeholzt wurde. „Was macht es sonst für einen Sinn?“

Dass auch Investoren-Interessen bei den Plänen um das Gelände eine Rolle spielten, ist nach Ansicht von Andreas Bessler nicht verwunderlich: „Die Stadt ist beliebt, überall werden händeringend Bauflächen gesucht.“

Auch das Gelände Auf den Sandbergen ist offenbar längst zum Spekulationsobjekt geworden. Noch im März dieses Jahres wurde das 3,2 Hektar große Areal zu einem Preis von 1,8 Millionen Euro, immerhin 56 Euro pro Quadratmeter, im Internet angeboten viel Geld für ein Grundstück, auf dem eigentlich nicht gebaut werden darf.

Gerhard Hartz und Andreas Bessler suchen dennoch weiter das Gespräch mit der Stadt und hoffen auf Einsicht bei den Mitgliedern des Rats: „Gespräche machen aber nur Sinn, wenn wir auch in die Entscheidungen mit eingebunden werden und nicht über längst Beschlossenes nur noch informiert werden.“