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Die Stadt will die neuen Eigentümer des Wohnkomplexes an der Wilhelm-Leuschner-Straße in die Pflicht nehmen, dass saniert wird. Foto: A/be
Die Stadt will die neuen Eigentümer des Wohnkomplexes an der Wilhelm-Leuschner-Straße in die Pflicht nehmen, dass saniert wird. Foto: A/be

Fonds will Blocks an Wilhelm-Leuschner-Straße erwerben

as Lüneburg. Seit Jahren ist ein Hochhauskomplex an der Wilhelm-Leuschner-Straße stark sanierungsbedürftig. Die Eigentümer, zuletzt die Investmentgesellschaft Capricornus, versprachen, die Anlage auf Vordermann zu bringen. Doch daraus wurde nichts, sie schlitterten in die Pleite. Nun will ein internationaler Fonds die rund 300 Wohnungen kaufen. Da die Grundstücke im Sanierungsgebiet Kaltenmoor liegen, muss die Stadt zustimmen. Aber die will abwinken. Denn sie sieht Gründe, dass der Komplex für den Fonds reines Spekulationsobjekt ist und es keine Sanierung geben wird. Oberbürgermeister Ulrich Mädge erläuterte dem Verwaltungsausschuss jetzt die Sachlage.

Kein Kauf ohne Sanierung

Die Stadt ist bei Kaufverträgen im Sanierungsgebiet Kaltenmoor laut Sanierungsrecht verpflichtet, zu prüfen, ob der Kaufpreis angemessen ist und die Veräußerung den Zielen und Zwecken der Sanierung entspricht. Mädge erläuterte auf LZ-Anfrage: „Um den Wert der stark sanierungsbedürftigen Häuser beurteilen zu können, haben wir ein Gutachten beim Gutachterausschuss des Katasteramtes Lüneburg beauftragt.“ Der Verkehrswert belaufe sich danach im mittleren siebenstelligen Bereich, die Sanierungskosten wurden mit mehreren Millionen taxiert. Der Kaufpreis für die Häuser, die Teil eines Gesamtpaketes mit Immobilien in anderen Städten, unter anderem in Winsen/Luhe, sind, liege aber erheblich über dem ermittelten Verkehrswert. Wenn der Preis nicht angemessen ist, darf die Stadt nicht zustimmen.

Stadt verweigert Genehmigung

Mädge verweist auf Medienberichte, in denen aufgearbeitet wurde, welchem Muster internationale Fonds häufig folgen, um kräftig Rendite zu machen. Wohnungen werden gekauft, leerstehende einigermaßen hergerichtet, damit sie vermietet werden können. Doch zu einer wirklichen Sanierung der Bausubstanz komme es nicht. Mit den Mieteinnahmen würden Kredite finanziert und Gewinne erwirtschaftet. „Stimmt die Rendite nicht mehr, werden die Objekte noch teurer abgestoßen.“

Kaputte Fenster und Fahrstühle

Das soll an der Wilhelm-Leuschner-Straße nicht passieren. Bekanntlich klagen die Mieter der Häuser 30, 32, 36 bis 48 seit Jahren über kaputte Fenster und Fahrstühle, Schimmelbefall und Risse in den Wänden. Zuletzt schlechte Erfahrungen hatte die Stadt mit Capricornus gemacht, Sanierungen blieben Versprechungen. Als die Investmentgesellschaft in die Insolvenz ging, wurden die Häuser zum Verkauf angeboten. Laut vorliegenden Informationen gründete der internationale Fonds für den Kauf eine Gesellschaft in Luxemburg, die als Käufer auftrat und neben anderen Bietern die höchste Summe in Aussicht stellte. Diese Gesellschaft verfügt allerdings nur über ein Stammkapital von 12.500 Euro.

Wenig Masse für den Fall, dass die GmbH auch pleitegehen könnte und noch Rechnungen offenstehen für Sanierungen. Und die fordert die Stadt ein. „Wenn es seriöse Eigentümer sind, dann wird auch saniert wie Am Weißen Turm“, hält Mädge fest. „Wir wollen die neuen Eigentümer — ob es nun der jetzige Käufer ist oder ein anderer — in die Pflicht nehmen, eine umfassende Grundsanierung des Gebäudebestandes innerhalb von fünf Jahren vorzunehmen. Wir können auch im Sinne der Bewohner nicht zulassen, dass die Blocks zu einem deutlich erhöhten Preis den Besitzer wechseln und nichts passiert.“

Das Sanierungsrecht sehe die Möglichkeit vor, dass Käufer im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages mit der Stadt festhalten, wie die geplante Modernisierung und Instandsetzung konkret aussehen soll. Dabei werde auch eine Bürgschaft hinterlegt. „Doch ein Sanierungsplan wurde bislang nicht vorgelegt.“

Bund ist gefordert

Gesundes Wohnen zu angemessener Miete ist aus Sicht von Oberbürgermeister Ulrich Mädge Grundrecht. Die Stadt werde das Sanierungsrecht konsequent anwenden, aber der Oberbürgermeister sieht auch den Bund weiter in der Pflicht. „Ich wünsche mir, dass endlich gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die verhindern, dass Fonds Wohnhäuser nur mit Blick auf eine hohe Rendite erwerben, ohne nachhaltig zu sanieren. Es muss möglich sein, den potenziellen Wert, den ein Fonds sich aus so einem Geschäft erhofft, abzuschöpfen und das Geld zweckgebunden in die Sanierung zu stecken.“