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In der Grafik ist zu erkennen, wo im Landkreis die Nachfrage nach Wohnraum am größten ist. Grafik: gewos/nh
In der Grafik ist zu erkennen, wo im Landkreis die Nachfrage nach Wohnraum am größten ist. Grafik: gewos/nh

Neubau dringend erforderlich

emi Lüneburg. Schon jetzt finden in und um Lüneburg viele Menschen keine Wohnung mehr. Und die Situation droht sich weiter zu verschärfen, denn die Bevölkerung wächst: 2015 lebten rund 72.600 Menschen in der Stadt Lüneburg, 2030 werden es mindestens 3600 mehr sein. Auch der Landkreis wird innerhalb von 14 Jahren um rund 2400 Personen auf etwa 108.000 Einwohner anwachsen.

Errechnet hat die Zahlen das Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung „Gewos“ im Auftrag der Lüneburger Kreisverwaltung. 30.000 Euro hat die Wohnungsmarktanalyse gekostet, die als Grundlage für eine gemeinsame Handlungsstrategie von Stadt, Kreis und Kommunen dienen soll. Jetzt stellte Felix Arnold von „Gewos“ in der Ritterakademie rund 60 Vertretern aus Politik und Verwaltung die Ergebnisse der Analyse vor.

Für die Gutachter steht fest: Neubau ist dringend erforderlich. Doch der Weg bis zur Umsetzung dieser Empfehlung ist noch weit — zumal es bei Nachfrage, Mietpreisen und Neubaubedarf innerhalb des Landkreises zum Teil deutliche Unterschiede gibt (siehe Info-Kästen).

Dass gehandelt werden muss, haben die Kreisverantwortlichen erkannt. Ihr erklärtes Ziel ist es, weitere Verdrängungseffekte zu vermeiden und auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel das Leben in der Region zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund hat der Kreistag im Oktober 2015 beschlossen, das Gutachten vom „Gewos“-Institut erstellen zu lassen und eine Wohnungsbaukonferenz ins Leben zu rufen. Die Konferenz hat bereits vor drei Monaten stattgefunden, schon damals wurden erste Ergebnisse der Analyse präsentiert.

Am Dienstag konnten sich die Anwesenden über die vollständigen Zahlen, Daten und Fakten informieren. Ein Überblick über die aktuelle Situation ist als Grundlage gegeben — jetzt sind die Städte und Gemeinden am Zug. Lüneburgs Erster Kreisrat betonte: Welche Maßnahmen nun ergriffen werden, dafür seien die Kommunen im Rahmen ihrer Bauleitplanung zuständig: „Es gibt hier mehr als 40 Beteiligte“, sagte Jürgen Krumböhmer, „das können wir als Landkreis alleine gar nicht schaffen. Wir können das Ganze nur koordinieren.“

Eine tiefergehende Diskussion über mögliche Konsequenzen und weitere Schritte soll nach der Sommerpause stattfinden.

Mietpreise

Durchschnittlich liegt der Mietpreis im Landkreis Lüneburg bei 7,14 Euro. Innerhalb der Gemeinden schwanken die Preise erheblich: Am teuersten ist der Quadratmeter mit 7,74 Euro in der Stadt Lüneburg, ähnlich hoch in den angrenzenden Gemeinden Reppenstedt (7,21 Euro pro Quadratmeter), Adendorf (7,34) und Bardowick (7,05) — hier verzeichnen die Gutachter Steigerungen von bis zu 20 Prozent und sehen den größten Handlungsbedarf.
Je weiter entfernt von Lüneburg, desto niedriger ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis — in Amelinghausen, Bleckede und Amt Neuhaus liegt er beispielsweise bei weniger als 5,50 Euro.

Magneten

Mit kreisweit 70 Prozent der Arbeitsplätze ist die Stadt Lüneburg ein attraktives Beschäftigungszentrum, das zusätzlich von der guten Lage in der Metropolregion profitiert. Dort, wo sich die Pendlermengen nach Lüneburg zusätzlich mit denen nach Hamburg überschneiden, ist der Nachfragedruck besonders hoch. Das gilt insbesondere für Lüneburg und den Speckgürtel.
Gemeinden wie Adendorf, Bardowick, Melbeck und Reppenstedt sind Nachfragemagneten. Sechs Gebietstypen haben die Gutachter anhand von Pendlerverflechtungen, Infrastrukturausstattung und weiteren Kriterien ausgemacht, um Entwicklungspotenzial aufzuzeigen.
Schlusslicht in puncto Nachfrage und Potenzial ist der Osten: Die Gutachter sehen insbesondere in Dahlenburg und Amt Neuhaus und südlich von Amelinghausen keinen Neubaubedarf.

Bedarf

Besonders groß ist der Bedarf nach neuem Wohnraum in Lüneburg und seinem Speckgürtel. 6770 Wohnungen müssen laut Gutachten von Reppenstedt bis Melbeck entstehen. Dort werden derzeit 1240 Gebäude mehr nachgefragt als angeboten.
In den Gemeinden um den Speckgürtel — etwa Westergellersen, Radbruch, Scharnebeck und Barendorf — ist der Neubaubedarf schon deutlich geringer: Er liegt bei 830 Wohneinheiten. Ein Minus verzeichnen die Gutachter für Dahlenburg, Amt Neuhaus und Rehlingen. Das heißt, dort übersteigt das Angebot schon jetzt die Nachfrage.