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Manfred Nahrstedt, Pia Steinrücke, Bernd Passier, Angelika Brauer und Elke Starostzik unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung. Foto: be
Manfred Nahrstedt, Pia Steinrücke, Bernd Passier, Angelika Brauer und Elke Starostzik unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung. Foto: be

Jugendberufsagentur in den Startlöchern

kre Lüneburg. An einprägsamen Slogans für die gute Sache fehlt es nicht: „Kein Jugendlicher soll verloren gehen“, gibt Bernd Passier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lüneburger Agentur für Arbeit während der gestrigen Pressekonferenz die Richtung vor. Und der Agenturchef legt mit einem leicht abgewandelten Zitat des US-Astronauten Neil Armstrong nach: „Es ist kein großer Schritt für die Menschheit, aber ein wichtiger Meilenstein für junge Menschen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf.“ Vertreter der Arbeitsagentur, des Jobcenters, der Stadt und des Landkreises sowie der Landesschulbehörde haben gestern nämlich mit einer Kooperationsvereinbarung den Grundstein für die Jugendberufsagentur gelegt, die zum 1. Oktober mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres ihre Arbeit aufnehmen wird. „Ziel der Akteure ist, dass alle Jugendlichen in Stadt und Landkreis Lüneburg frühzeitig ihre beruflichen Möglichkeiten kennen und möglichst nahtlos nach der Schule in eine Ausbildung einmünden ohne unnötige Schleifen“, heißt es in der Pressemitteilung der Agentur.

„Mit der Gründung einer Jugendberufsagentur kommen wir dem Auftrag der Großen Koalition nach“, erinnerte Passier. Entsprechende Einrichtungen gebe es auch in anderen Städten und Kreisen, etwa in Hamburg.

Der Vorteil der Jugendberufsagentur liegt auch für Landrat Manfred Nahrstedt auf der Hand: Für alle Fragen rund um den Start ins Berufsleben gibt es für Jugendliche und junge Erwachsene künftig eine gemeinsame Anlaufstelle, die ihren Sitz in der Arbeitsagentur An den Reeperbahnen in Lüneburg hat.

Das bisherige Problem verdeutlicht Jobcenter-Geschäftsführerin Angelika Brauer: „Während Berufsberatung, Ausbildungsstellen- und Arbeitsvermittlung von Arbeitsagentur und Jobcenter angeboten werden, sind Stadt und Kreis beispielsweise für Jugendsozialarbeit und Jugendberufshilfe zuständig. Trotz der auch bisher engen Zusammenarbeit gingen einige Jugendliche auf dem Weg zwischen den Institutionen verloren.“ Das soll mithilfe der Jugendberufsagentur vermieden werden. Künftig wollen die Kooperationspartner gemeinsame Aktivitäten noch besser abstimmen und die Zusammenarbeit noch enger verzahnen.

Mögliche Hürden sieht Passier noch beim Datenaustausch zwischen den einzelnen Kooperationspartnern. „Da wünschen wir uns eine gemeinsame IT-Architektur.“ Doch bis dahin müsse eben ein noch intensiverer verbaler Austausch zwischen den Jugendberufsagentur-Mitarbeitern stattfinden.
„Ziel der Jugendberufsagentur ist es, den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beschäftigung professionell zu begleiten. Mögliche Hürden sollen früh erkannt, Ausbildungsabbrüche und Irrwege nach Möglichkeit vermieden werden“, erläutert Passier.
Mehr als 350 Ausbildungsberufe gibt es. Doch trotz guter Konjunktur und sinkender Schülerzahlen aufgrund des demografischen Wandels gibt es noch zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene ohne Job. Angelika Brauer nennt Zahlen: „Derzeit werden von Arbeitsagentur und Jobcenter mehr als 500 Arbeitslose unter 25 Jahren betreut. Sieben von zehn der arbeitslosen Jugendlichen verfügen zudem über keine abgeschlossene Berufsausbildung.“ Auf der anderen Seite gebe es aber durchaus Lehrstellen zu besetzen, „im Handwerk, im Einzelhandel, in der Gastronomie, in den Pflegeberufen“, listet Passier auf, der sich von der Installierung der Jugendberufsagentur zahlreiche Vorteile verspricht: bessere Erreichbarkeit, bessere Zusammenarbeit mit allen Schulen, Schließung von Betreuungslücken, bessere Abstimmung der Angebote und Förderungen aus einer Hand… „Junge Menschen profitieren, wenn die Sozialleistungsträger kooperieren“, darin sind sich alle Partner einig.