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Wer während der Fahrt ein Handy zur Hand nimmt, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern durch seine Unachtsamkeit einen Unfall. In Stadt und Kreis Lüneburg wurden in diesem Jahr bereits 135 Fahrer zur Kasse gebeten, zudem leitete der Landkreis Bußgeldverfahren gegen 33 Radfahrer ein. Foto: A./nh
Wer während der Fahrt ein Handy zur Hand nimmt, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern durch seine Unachtsamkeit einen Unfall. In Stadt und Kreis Lüneburg wurden in diesem Jahr bereits 135 Fahrer zur Kasse gebeten, zudem leitete der Landkreis Bußgeldverfahren gegen 33 Radfahrer ein. Foto: A./nh

Handy birgt Unfallrisiko

rast Lüneburg. Wer während der Fahrt mit dem Handy telefoniert oder mit seinem Smartphone hantiert, riskiert einen Unfall. Im Jahr 2015 krachte es 4071 Mal auf den Straßen in Hansestadt und Landkreis Lüneburg. „Ursächlich für viele Unfälle in der Region war die Nutzung von Mobiltelefonen“, weiß der Lüneburger Polizeisprecher Kai Richter, statistisch erfasst werde das allerdings nicht. Vielen Fahrern sei nicht bewusst, dass durch die Unaufmerksamkeit die Unfallgefahr erhöht werde, sie ihr Leben riskierten.

Bisher 135 Verstöße im Landkreis

Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 360000 Fahrer mit dem Handy in der Hand erwischt. Die Zahlen der entdeckten Verstöße in Hansestadt und Kreis Lüneburg kennt die Bußgeldstelle des Landkreises, Sprecher Hannes Wönig: „2015 waren es im Kfz-Bereich 172 Fälle, in diesem Jahr sind es bereits 135 Verstöße.“

Hinzu kommen die Ordnungswidrigkeiten von Fahrradfahrern, denn auch ihnen ist die Nutzung während des Strampelns verboten: „2015 waren es 89 Bußgeldbescheide, 2016 bislang 33.“ Doch die Zahl der ertappten Radler dürfte deutlich höher liegen, Wönig: „Während alle Verstöße im Kfz-Bereich über die Bußgeldstelle laufen, kann die Polizei bei Fahrradfahrern direkt ein Verwarnungsgeld kassieren, das taucht in unserer Statistik nicht auf.“

Das Bußgeld wurde zuletzt vor drei Jahren um 20 Euro erhöht und beträgt für motorisierte Fahrer 60 Euro, Fahrradfahrer mit Handy am Ohr zahlen weiterhin 25 Euro. Zusätzlich gibt es einen Strafpunkt in der Flensburger Kartei. Doch das hält viele Verkehrsteilnehmer nicht ab, weiter zu telefonieren. Dabei hat die Polizei laut Kai Richter ein Problem: „Es ist schwierig, die Handy- oder Smartphone-Nutzung im fließenden Verkehr zu kontrollieren.“ Daher geht er von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Würden Sünder ertappt und herausgewinkt, „geben Fahrer ihren Verstoß oft zu“. Doch häufig werden die Beamten auch mit jeder Menge Ausreden konfrontiert: „Fahrer behaupten, nur ihr Ladekabel angeschlossen zu haben, oder sie erzählen, sie hätten über die Freisprechanlage telefoniert.“

Einspruch gegen Bußgeldbescheid

Wer einen Bußgeldbescheid erhält, kann dagegen Einspruch einlegen und vor ein Amtsgericht ziehen. Doch da hat er, wenn er von einer Streifenwagenbesatzung oder Beamten in Zivil gestoppt wurde, in der Regel schlechte Karten. Polizeisprecher Richter weiß: „Es gibt den sogenannten Vier-Augen-Beweis, wenn Straßenpartner von uns unterwegs sind. Rein rechtlich reichen allerdings schon zwei Augen, also ein Zeuge, aus.“

Für Aufsehen sorgte eine Anfang April von der Technischen Universität Braunschweig veröffentlichte Studie, die die hohe Dunkelziffer der Handy-Telefonierer am Steuer nur erahnen lässt. Drei Studentinnen hatten in Berlin, Hannover und Braunschweig bei 12000 vorbeifahrenden Autos festgestellt: 4,5 Prozent der Fahrer hantierten mit Mobiltelefonen, telefonierten, schrieben Nachrichten oder nutzten andere Funktionen. Insgesamt seien 13 Prozent vom Verkehr abgelenkt gewesen, beispielsweise auch durch Essen, Trinken oder Rauchen.

So urteilen Gerichte

In Paragraf 23, Absatz 1 a, der Straßenverkehrs-Ordnung ist klar definiert: „Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.“

Vom Handy-Verbot ausgenommen sind die Freisprecheinrichtungen – aber nur bei bestimmten Voraussetzungen: Das Telefon muss fest installiert sein und darf bei der Bedienung nicht in der Hand gehalten werden. Zulässig ist daher auch das Telefonieren mittels Head-Set, wenn das Telefon fest installiert ist, etwa in einer Halterung am Armaturenbrett, und alleine das Ohrteil des Head-Sets von dem Fahrer ans Ohr gebracht wird.

Gerichtsurteile

Zu dem Thema gibt es etliche Urteile. So bat das Amtsgericht Pirmasens beispielsweise einen Autofahrer zur Kasse, der während der Fahrt auf dem Handy nur nach der Uhrzeit schaute. Zahlen musste laut Oberlandesgericht Köln auch ein Fahrer, der einen Anrufer nur wegdrückte. Die Kölner Richter urteilten auch: Selbst die Nutzung des integrierten Navis im Handy ist während der Fahrt verboten.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Fällt das Handy während der Fahrt in den Fußraum, darf man es laut OLG Bamberg aufheben. Auch das Umlagern des Handys vom Ablagefach in die Mittelkonsole ist laut OLG Köln keine Ordnungswidrigkeit. Theoretisch bleibt auch der unbestraft, der das Mobiltelefon nur nutzt, um mit dem Akku sein entzündetes Ohr zu wärmen – diese Geschichte glaubte das OLG einem Autofahrer allerdings nicht und bat ihn zur Kasse. Ebenso nicht wie das OLG Karlsruhe einem Mann, der behauptete, er habe kein Handy in der Hand gehabt, sondern sich während der Fahrt mit seinem Akkurasierer die Barthaare gestutzt.

Übrigens: Die Nutzung während des Haltens ist zwar erlaubt, doch wer dazu auf dem Seitenstreifen einer Autobahn oder Kraftfahrstraße hält, verstößt nach Ansicht des OLG Düsseldorf gleich doppelt gegen die StVO – neben dem Handyverbot auch gegen das Verbot des Haltens auf dem Standstreifen.

Versicherungsschutz

Wer während der Fahrt ein Handy oder Smartphone nutzt, einen Unfall hat und die Nutzung des Handys oder Smartphones als Unfallursache gilt, riskiert auf diese Weise seinen Versicherungsschutz. Denn diese Nutzung bei hoher Geschwindigkeit oder schwierigen Verkehrsverhältnissen kann eine grobe Fahrlässigkeit darstellen. Dies kann am Schluss dazu führen, dass die Kasko-Versicherung ihre Eintrittspflicht ganz oder teilweise ablehnt – je nach Vertrag.

2 Kommentare

  1. Die Strafen sind keine Abschreckeung, sondern ermuntern noch zur Miregal-einstellung. Unzählige Autofahrer sehe ich täglich mit dem Handy telefonieren und sich ablenken lassen. Selbst Mütter mit Kindern im Auto ist reden und bei Facebook posten wichtiger, als das Leben ihrer Kinder.
    Selbst auf der Autobahm bei höherer Geschwindigkeit. Von Radfahreren, die ja meinen, für sie gelten alle Regeln der StVO eh nicht, ganz zu schweigen. M. A. n. muss mindestens ein einjähriges Fahrverbot ausgesprochen werden.
    Doch ,was will man verlangen von Staatsanwälten, die bei der etnischen Herkunft sogar auf Fahrer bei illegalen Autorennen Rücksicht nehmen und nach dem Tod einer 19 jährigen Unbeteiligten Radfahrerin eine Bewährungsstrafe aussprechen ,wenn man mit einem 300PS Auto mit 170km/h durch die Stadt rast und jemanden tötet.
    Man sieht täglich seit vielen Jahren,daß Deutschland von eier realitätsfremden,emotionslosen und blinden Elite von Unmenschen und Berufspolitikern regiert wird, bei denen Gerechtigkeit keinerlei Rolle mehr spielt.

  2. Wenn die Polizei mehr präsentz zeigen würde dann würde man auf wunder same weise feststellen das es noch viel mehr so genannte Ordnungswidrigkeiten gibt .Es gibt unheimlich viele Menschen die sich freuen würden mehr Polizei zu sehen.