Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Wabert der Duft aus dem Kanal und zieht ins Museum Lüneburg? Die Abwassergesellschaft schließt das, aber auch andere Gründe nicht aus. Foto: t&w
Wabert der Duft aus dem Kanal und zieht ins Museum Lüneburg? Die Abwassergesellschaft schließt das, aber auch andere Gründe nicht aus. Foto: t&w

Museum Lüneburg wird zum Haus der Düfte

us Lüneburg. Wer durchs Museum Lüneburg wandelt, kann mitunter auf naserümpfende Besucher stoßen. Grund sind jedoch weniger Missfallensbekundungen über das Ausgestellte als vielmehr unangenehme Gerüche, die gelegentlich durch die Hallen des Bildungstempels wabern. Vermutungen über die Ursache dieser olfaktorischen Nebenerscheinung reichen bis ins vorletzte Jahrhundert zurück, aber auch auf die unmittelbare Umgebung.

„Über unangenehme Gerüche an diesem Standort berichtet bereits Theodor Meyer in seinen Lebenserinnerungen aus dem Jahr 1922, die uns als Manuskript vorliegen“, erklärt Dr. Ulfert Tschirner, Kurator für Kulturgeschichte am Museum Lüneburg. In einer Passage, bei der Meyer auf die in den 1880er-Jahren stattfindende Suche nach einem Bauplatz für das gemeinsame Museum von Museumsverein und Naturwissenschaftlichem Verein eingeht, heißt es: „Nach der Versicherung des Bauamts sollte der Baugrund gut sein, als man aber mit den Fundamentierungsarbeiten begann, zeigte es sich, dass dicht unter der Erdoberfläche sich ein zäher, sehr übel riechender Schlamm befand.“

„Moddriger“ Baugrund

Meyer, Oberlehrer und seit 1893 Professor am Johanneum, zählte 1878 zu den Mitbegründern des Museumsvereins und soll in dieser Eigenschaft immer mal wieder mit Stadtbaumeister Eduard Friedrich August Maske in Konflikt geraten sein. Vor allem soll er darüber verärgert gewesen sein, dass Maske ihm den favorisierten Bauplatz an der Wallstraße ausgeredet habe. Dr. Tschirner: „Die üblen Gerüche des Baugrunds hat ihm Meyer offenbar noch Jahrzehnte später nachgetragen. Maske wird in den Lebenserinnerungen übrigens insgesamt sehr unvorteilhaft und als Gegner des Museumsvereins dargestellt, was Meyer dadurch erklärt, dass Maske als passionierter Kunstsammler kein Interesse am Aufkommen eines aktiven Museumsvereins gehabt haben soll.“

Auch Lüneburgs Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring weiß, dass der Baugrund zwischen Ilmenau und Lösegraben „moddrig“ ist und bei Ausgrabungen unangenehme Gerüche wahrzunehmen sind. Dass diese aber zu Geruchsbelästigungen im Innern des Museums führen sollen, könne er sich nicht vorstellen. „Ich habe das dort auch bislang noch nicht wahrgenommen.“

Der Abwasserkanal

Näherliegend könnte daher ein am Museum vorbeiführender Abwasserkanal sein. „Pa­rallel zum Museum verläuft die Trasse des Haupt-Abwasserkanals, der die Abwässer des südlichen Lüneburgs, von Kaltenmoor und Teilen der umliegenden Gemeinden zur Kläranlage an der Bockelmannstraße bringt“, erklärt Klaus Niemann, bei der AGL Betriebsleiter für den Bereich Kanalisation. Aus dem unterirdischen System träten durch die Kanaldeckel Gärungsgase aus, die auch ins Museum eindringen könnten. „Allerdings haben wir vor kurzem in diesem Bereich erst die offenen Deckel gegen geschlossene ausgetauscht“, sagt Niemann. Diese enthielten chemische Substanzen, die das Gas binden. Alle zwei bis drei Monate würden die Substanzen erneuert.

Ganz ohne Öffnungen gehe es dennoch nicht: „Wir können den Kanal nicht über eine zu große Strecke schließen. Ein kleiner Funke würde reichen, um die sich dort aufstauenden Gase explodieren zu lassen.“ Niemann vermutet das Problem daher eher im Museum als außerhalb. „Bodenablässe oder Sifons von Waschbecken können austrocknen, wenn sie länger nicht benutzt werden. Dadurch geht dann auch der Geruchsstopp verloren und Dünste der Kanalisation gelangen ins Innere.“ Museums-Hausmeister Alwin Baer schließt diese Ursache aber aus: „Wir kontrollieren das regelmäßig.“

Die Suche nach der unbekannten Duftquelle geht also weiter.

One comment

  1. Hermana Schüler

    Vielleicht liegts an der stinklangweiligen Ausstellung?