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Ein Quadrocopter im Einsatz. Die Geräte werden ferngesteuert. Dank Kameratechnik haben die Piloten den Eindruck, als würden sie direkt mitfliegen und nicht am Boden stehen. Foto: be
Ein Quadrocopter im Einsatz. Die Geräte werden ferngesteuert. Dank Kameratechnik haben die Piloten den Eindruck, als würden sie direkt mitfliegen und nicht am Boden stehen. Foto: be

Quadrocopter erobern Lüneburg

kre Embsen. „FPV-Racing“ heißt der neueste Modellflug-Sport, der auch in Lüneburg immer mehr Anhänger findet: Hier hat sich das „RAM-Racer-Team Lüneburg“ gegründet. Acht technik- und flugbegeisterte Männer, die sich zum Training auf einer Wiese nahe dem ADAC-Gelände in Embsen hinter der Trial-Bahn treffen.

Das Flugfeld ist schnell vorbereitet, die Hindernisse sind schnell in die Erde gesteckt. Fahnen und Stofftunnel etwa. Dann geht es los. Benni Hörner, ein 31-jähriger Werkzeugmacher, startet die Elektromotoren seines ferngesteuerten Quadrocopters. Mit atemberaubenden 120 Stundenkilometern fliegt das Modell um die Hindernisse, dann im Steilflug gen Himmel und in einer spektakulären Kehre zurück zur Erde. Da wird einem schon beim Zusehen schwindelig. Eine kleine Kamera, die auf dem Modell montiert ist, überträgt den Flug in Echtzeit auf die Videobrille, die auf Hörners Nase sitzt. So wird das Gefühl vermittelt, dass der Pilot in der Kanzel des winzigen Fluggerätes sitzt und nicht vom sicheren Boden aus steuert.

Das Equipment der Racer: Hoimar Burow, Benni Hörner und Marco Meyer (v.l.) mit ihren Quadrocoptern, der Brille und der Fernsteuerung. Foto: be
Das Equipment der Racer: Hoimar Burow, Benni Hörner und Marco Meyer (v.l.) mit ihren Quadrocoptern, der Brille und der Fernsteuerung. Foto: be

FPV steht für „first person view“ „und bezeichnet alles, was mit der Ich-Perspektive zu tun hat“, erläutert Hoimar Burow (30). Damit wird der Unterschied zum klassischen Modellflug deutlich. Statt dem Modell am Himmel vom Boden aus zuzuschauen, „haben wir das Gefühl, direkt mitzufliegen“, sagt Marco Meyer (38). Das Ganze erinnert ein wenig an ein großes Videospiel. Nur eben im Freien. Und damit nicht zwei- sondern dreidimensional. Den Vergleich findet Ingo Perau gar nicht so schlecht: „Wie beim Simulatorflug am Rechner ist auch bei uns die Hand/Augenkoordination extrem wichtig“, sagt der 42-Jährige „wir fliegen schließlich mit echtem Gerät!“
Und zwar Quadrocopter keine Drohnen! Darauf legen Benni Hörner und seine Freunde großen Wert. Denn Drohnen, das seien Fluggeräte zur Überwachung, um Fotos und Bildaufnahmen von Personen zu machen. Nicht immer mit deren Wissen und Einverständnis. „Das machen wir nicht“, stellt Adalbert Pakura (31) klar. Zwar seien auch ihre Fluggeräte mit einer Kamera ausgestattet, „aber erstens zeichnen wir keine Bilder auf, und zweitens ist der Winkel der Kamera nach vorne und nicht nach unten gerichtet.“

Das Fliegen eines Quadrocopters will gelernt sein, egal ob über FPV oder mit freier Sicht. „Wer noch nie einen Quadrocopter geflogen ist, sollte zunächst das normale Fliegen lernen, bevor er FPV ausprobiert. Dazu empfiehlt es sich, mit einem Flugsimulator zu üben und anfangs nur geringe Höhen zu fliegen“, raten Meyer und auch Perau.

Das RAM-Racer-Team-Lüneburg hält sich akribisch genau an Gesetze und Auflagen. „Wir bleiben bei unseren Flügen unter der 35-Meter-Obergrenze“, betont Marco Meyer, „wir halten uns von bewohnten Gebieten fern und fliegen auch nicht, wenn Tiere in der Nähe auf einer Koppel stehen.“ Zudem haben alle Mitglieder eine Haftpflicht-Versicherung abgeschlossen. Falls durch ihre Fluggeräte doch ein Schaden entstehen sollte.

Die Männer sind froh, dass ihnen der ADAC nach Absprache das Trainingsgelände zur Verfügung stellt. „Trotzdem suchen wir in oder um Lüneburg eine Wiese, die wir pachten können“, sagt Hoimar Burow, und Marco Meyer ergänzt: „Etwa 200 mal 200 Meter groß müsste die Wiese sein!“

Ein billiges Hobby ist FPV-Racing ohnehin nicht: Für Fluggerät, Steuerung und Videobrille legt man schon für den Einstieg schnell 600 bis 1000 Euro auf den Tisch. Trotzdem entwickelt sich das FPV-Racing auch in Deutschand zusehends zu einer Trendsportart, 5200 Racer zählt die Szene laut Benni Hörner bereits. Deshalb soll es nächstes Jahr auch in Deutschland eine offizielle Racing-Liga geben.

Vor wenigen Tagen fanden in Nördlingen bereits die Qualifizierungsläufe mit 96 Startern für die deutschen Meisterschaft in Bexbach im Saarland statt die ohne Lüneburger Beteiligung stattfinden müssen: „Leider konnten wir uns nicht qualifizieren“, bedauert Benni Hörner. Doch das Bedauern über die verpasste Chance währte bei den Lüneburgern nur kurz der Spaß am Fliegen mit den Hightech-Geräten dagegen hält an.

One comment

  1. Quadrocopter machen schon wirklich viel Spaß und ich finde, dass das auch ein wirklich schönes Hobby ist 🙂