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Ohne Pflanzen kann er nicht. Für eine Kalkberg-Exkursion kam Fernseh-Botaniker Jürgen Feder auf Einladung des NABUI nach Lüneburg.
Ohne Pflanzen kann er nicht. Für eine Kalkberg-Exkursion kam Fernseh-Botaniker Jürgen Feder auf Einladung des NABUI nach Lüneburg.

Extrem-Botaniker Jürgen Feder auf Kalkberg-Exkursion

us Lüneburg. Er kann nicht aufhören. Anderthalb Stunden schon läuft das Non-Stop-Programm, kaum eine Pflanze hat Jürgen Feder auf dem Weg hoch zur Kalkberg-Spitze ausgelassen. Botanik pur. Oben angekommen eine kurze Pause, nicht für ihn, für sein Publikum. Er weiß, dass er seine Zuhörer fordert, nicht selten überfordert. „Muss sich keiner alles merken, nur mal zuhören, was er so erzählt“, beruhigt er die Ermatteten. Dass sie ihm weiter folgen, ist weniger dem unstillbaren Wissensdurst der Gruppe als vielmehr dem lockeren Mundwerk des 56-Jährigen und dessen überraschend ungewohnter Sicht auf die Dinge geschuldet.

„Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir einfach nur alles hochwachsen lassen“, sagt Jürgen Feder und hält zum Beweis die Behaarte Karde hoch, ein zartes Gewächs, das in großer Stückzahl am Kalkberg gedeiht. „Normalerweise wachsen 20 bis 50 an einem Standort, hier sind es etwa 1000.“ Den Grund dafür liefert er gleich mit: „Es ist eine Pflanze, die auch mal Störung braucht“, etwa von Kalkberg-Besuchern, die versehentlich auch mal neben den Weg treten.

„Wir liegen falsch, wenn wir glauben, die Natur regelt alles von allein“

Überhaupt lägen wir falsch, wenn wir glaubten, die Natur regele alles von allein, erklärt Feder den staunenden Zuhörern. Die waren handverlesen vom Nabu Lüneburg zu der Open-End-Führung eingeladen worden, Vertreter der Stadt und des Landkreises ebenso darunter wie von der Landwirtschaftskammer, der Politik, lokalen Umweltverbänden, der AGL und andere.

Dass Bäume weichen müssen, um lebenswichtiges Licht für die Bodenflora durchzulassen, fordert der in Westfalen aufgewachsene Bremer ebenso wie den Erhalt der Landwirtschaft. „Richtig Wut“ befalle ihn, wenn von den Landwirten immer wieder gefordert werde, jetzt alles anders zu machen. „Dann bricht hier alles zusammen. Sie sorgen dafür, dass es auch Lebensraum für andere gibt“, sagt Feder, und ergänzt: „Natürlich darf man es nicht übertreiben.“

Gräser sind für Feder die „Grundlage unseres Lebens“, der Kalkberg mit seinen 500 bis 600 verschiedenen Arten ein echter „Hotspot“. „Den Schilf da unten aber braucht man nicht, wo der steht, wächst nichts anderes mehr“, lässt er die Umstehenden wissen. „Hier müssen Ziegen her“, schlägt Feder vor, sie und Schafe seien die „wertvollsten Landschaftsgestalter überhaupt“ und erntet dafür aus den hinteren Reihen nur ein „Hatten wir schon“, das bringe nichts. Der Einwurf unterbricht den Extrem-Botaniker, wie er inzwischen gern genannt wird, in seinem Redefluss nicht, er ist ohnehin schon bei der nächsten Pflanze, nennt den Namen, „wenns sein muss auch den lateinischen“, zählt Lieblingsstandorte und Besonderheiten auf.

„Ich gehe abends mit dem Pflanzen-Atlas ins Bett“

Jürgen Feder wirkt wie ein Gräser-Junkie, süchtig danach, möglichst alles mitzunehmen, was die Pflanzenwelt zu bieten hat. „Ich mach nichts anderes mehr, geh abends auch mit dem Atlas ins Bett“, räumt der gelernte Landschaftsgärtner freimütig ein. Sein Terminkalender ist prall gefüllt, in ganz Deutschland führt er auf Wunsch Exkursionen durch, auch wenn sein Themengebiet sich auf den norddeutschen Raum beschränkt. Er ist Autor und vielen Pflanzenfreunden durch seine zahlreichen Fernsehauftritte bekannt, die ihn als fachkundigen, aber wenig bierernsten Unterhalter zeigen.

So erlebte ihn auch die Gruppe am Kalkberg, auch wenn sich bei einigen nach einer Stunde bereits erste Ermüdungserscheinungen zeigten. „Unglaubliches Wissen, aber einfach zu viel“, ließ einer der Teilnehmer wissen. Jürgen Feder focht das nicht an, er war schon wieder bei der nächsten Pflanze.