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Birge Schlichting ist als Schulsozialarbeiterin unter anderem an der Grundschule Hohnstorf tätig. Noch finanziert der Landkreis Lüneburg ihre Arbeit. Doch das soll sich ändern: Das Land Niedersachsen arbeitet an einem Gesamtkonzept für die Schulsozialarbeit. Foto: t&w
Birge Schlichting ist als Schulsozialarbeiterin unter anderem an der Grundschule Hohnstorf tätig. Noch finanziert der Landkreis Lüneburg ihre Arbeit. Doch das soll sich ändern: Das Land Niedersachsen arbeitet an einem Gesamtkonzept für die Schulsozialarbeit. Foto: t&w

500 Stellen für Schulsozialarbeiter

pet Lüneburg. Kommunen und kommunale Spitzenverbände kämpfen seit langem dafür. Schulen ebenso wie Elternverbände: Schulsozialarbeit, so finden sie, ist eine Aufgabe des Landes, nicht der Schul­träger vor Ort. Jetzt scheint in Niedersachsen der Durchbruch erreicht: Nachdem der Landtag bereits vor der Sommerpause die Schaffung von 500 Schulsozialarbeiterstellen an allgemeinbildenden Schulen beschlossen hatte, hat die Landesschulbehörde diese Stellen jetzt ausgeschrieben. Mit 8,25 Stellen sollen der Landkreis und die Stadt Lüneburg bedacht werden.

Jeweils unbefristete Dreiviertelstellen (29,85 Stunden pro Woche) werden an den Oberschulen in Scharnebeck, Adendorf, Bardowick, Dahlenburg sowie in Lüneburg am Kreideberg und in Oedeme sowie an der Realschule in Bleckede zum 1. Januar 2017 eingerichtet. An der Hauptschule in Bleckede und der Oberschule in Neuhaus wird das Land jeweils halbe Stellen (19,9 Stunden) finanzieren. Jeweils volle Stellen (39,8 Stunden) „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ sieht das Land für die Integrierten Gesamtschulen Lüneburg und Embsen vor.

Wenig wird sich zunächst an der Versorgung der einzelnen Schulen mit Sozialarbeitern verändern die gibt es bereits, sie werden aber von den örtlichen Schulträgern über die Sozialraumträger beschäftigt. Das Land erstattet die Kosten.

„Ich hoffe, dass sich viele bisherige Schulsozialarbeiter bewerben“

Inwieweit sich Schulsozialarbeiter, die bereits im Auftrag der Sozialraumträger an den Schulen arbeiten, auf die neuen und unbefristeten Stellen bewerben und inwieweit „neue“ Bewerber antreten, bleibe abzuwarten, erklärte Martin Wiese, Leiter des Fachbereichs Soziales beim Landkreis Lüneburg. Die örtliche Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne) sagte: „Ich hoffe, dass sich viele bisherige Schulsozialarbeiter auf die Stellen bewerben und unserem Landkreis mit ihrer hohen Kompetenz erhalten bleiben.“

Ebenso ist offen, ob überhaupt alle neuen Stellen besetzt werden können. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte kürzlich erklärt: „Der Markt ist sehr angespannt, weil nicht nur Niedersachsen, sondern auch andere Bundesländer Sozialpädagogen suchen“ (LZ berichtete). Das Land, so Heiligenstadt, verfolge ein „Gesamtkonzept“, das vorsehe, an insgesamt rund 1000 öffentlichen Schulen aller Schulformen sozialpädagogische Fachkräfte im Landesdienst vorzuhalten.

Die Schulsozialarbeiter sollen unter anderem Schulen bei der Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen unterstützen, Schüler bei persönlichen Problemen beraten, Maßnahmen zur Berufsorientierung durchführen oder die Kooperation mit außerschulischen Partnern, etwa Kinder- und Jugendhilfe, verbessern.

„Bei jeder neuen Haushaltsverhandlung müssen wir sehen, wie die Schulsozialarbeit ausgebaut werden kann. Dies kann nur ein erster Schritt sein,“ so Miriam Staudte. Und Landtagskollegin Andrea Schröder-Ehlers (SPD) sagte: „Das Kultusministerium garantiert, dass es für keine Schulen Verschlechterungen geben wird.“

„Ein erster Schritt ist getan, doch viele weitere müssen folgen“

„Es war unser Ziel, dass das Land die Sozialarbeit in den Schulen als eine Landesaufgabe anerkennt“, erklärte Franz-Josef Kamp, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag. „Ein erster Schritt ist jetzt getan, es müssen noch viele weitere folgen.“ Mit den 500 ausgeschriebenen Stellen übernehme das Land im Wesentlichen Stellen, die es bereits gebe. Kamp: „Aber wir akzeptieren, dass nicht alle Forderungen gleich erfüllt werden können.“

Ulrike Walter, schulpolitische Sprecherin der CDU/Wald-Kreistagsfraktion: „Diese Stellenausschreibungen können nur als viel zu später Tropfen auf dem heißen Stein bezeichnet werden. Die lange angekündigte und so dringend notwendige Unterstützung aus dem Kultusministerium für die Schulsozialarbeit fällt …nicht ausreichend aus. Lange besteht schon Unsicherheit, wie es mit der Schulsozialarbeit weitergehen soll, die Unklarheiten für die Schulsozialarbeiter, die jetzt bei Kommunen oder freien Trägern beschäftigt sind, bleiben leider ebenfalls, ihre Zukunft ist unklar. Äußerst enttäuscht bin ich darüber, dass die Gymnasien wieder außen vor bleiben die Benachteiligung dieser Schulform durch die Ministerin findet kein Ende.“

Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) sieht das Positive: „Ich freue mich, dass die Landesregierung ihr Versprechen einhält, Schulsozialarbeit flächendeckend einzuführen, und gehe davon aus, dass langfristig alle Schüler, egal welche Schulform sie besuchen, profitieren werden. Für mich gehört Schulsozialarbeit zur heutigen Bildungsinfrastruktur einfach dazu.“

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