Dienstag , 27. September 2016
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Jugendliche mit Unternehmergeist

ahe Lüneburg. Kommt einer ihrer Mitarbeiter unentschuldigt zu spät oder fehlt gar komplett ohne triftigen Grund, kann Jana Heinbach schon mal ungemütlich werden. Dann schreibt die Geschäftsführerin der Firma „creativ wood works“ eine Abmahnung. Dabei ist sie erst 15. Die Jugendliche ist Chefin einer Schülerfirma. Mehr als 80 solcher Schülerfirmen gibt es im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg. Etwa 30 von ihnen stellen sich am Dienstag, 19. Februar, 10 bis 13 Uhr, bei einer „Messe für nachhaltige Schülerfirmen“ in der Universität vor.

Eine von gleich fünf Schülerfirmen der Grund- und Hauptschule Embsen ist „creativ wood works“. 14 Neunt- und Zehntklässler bilden die Belegschaft. Jeder Schüler hat feste Aufgaben, ganz so wie bei Unternehmen der freien Wirtschaft. Das ist auch der wesentliche Sinn der Schülerfirmen: Die Jugendlichen sollen ganz praktisch lernen, wie Wirtschaft eigentlich funktioniert. Jana und ihre Arbeitskollegen sägen, hobeln und hämmern. Sie fertigen Sitzbänke für den Schulhof, Vogelhäuser, kleine und große Deko-Schweine an – alles aus Holz. Jeden Mittwoch geht es zum Arbeiten in die schuleigene Werkstatt. Vieles, was die Jugendlichen dort herstellen, ist für den Bedarf in der eigenen Schule bestimmt. Doch sie haben auch Aufträge von externen Kunden – überwiegend andere Schulen oder auch Kindergärten. „Aber unsere Schülerfirmen stehen nicht in Konkurrenz zu Tischlereien“, stellt Schulleiter Andreas Garbers klar.

So produziert zum Beispiel die Schülerfirma „Backwahn“ vor allem für die Schüler und Lehrer des Embsener Schulzentrums. „Unsere Waffeln sind der Renner, aber auch der Obstsalat geht gut“, erzählt Lehrerin Christiana Schulenburg, die das junge Unternehmen betreut. Die Pausensnacks sind so beliebt, dass die Firma vom Erlös Schränke und allerlei Geschirr kaufen und sich von „creative wood works“ einen Tresen anfertigen lassen konnten.

Wer bei einer der Schülerfirmen anfangen möchte, muss eine Bewerbung schreiben und sich beim Vorstellungsgespräch beweisen. Das gilt auch für Schülersprecherin Helen Antonczyk. Sie hat einen Job bei WMA gefunden – das steht für „Wir machen alles“. Hauptsächlich organisatorische Aufgaben erledigen sie und ihr Team, vom Kopieren übers Laminieren bis zur Schulbuchausleihe. Helen ist auch Pressesprecherin und sorgt mit dafür, dass die Schülerfirmen in den Medien gut präsentiert werden. Über World Wide Paper hat sie deshalb nur Gutes zu berichten. Die Schülerfirma stellt Geschenk- und Grußkarten aus alten Zeitschriften und Zeitungen her, bastelt Deko-Engel aus ausgedienten Gesangsbüchern und schmucke Notizbücher aus alten Tapetenmustern. Elf Mitarbeiter hören auf das Kommando von Chefin Franziska.

Auch bei NBF hat eine Schülerin das Sagen. NBF steht für nähen, bügeln und flicken. Jessica und ihr Team kommen zum Einsatz, wenn ein Mitschüler mal einen Knopf an sein Hemd angenäht haben möchte und wenn die Hose oder der Overall eines Lehrers ein Loch hat und geflickt werden muss. Auch Bügeln übernehmen die Schüler. Angesichts des Aufgabenprofils arbeiten ganz entgegen dem Klischee erstaunlich viele Jungs mit. „Kein Problem“, sagt Manuel, „wir können das alle.“

Beweisen wollen er und all die anderen Schülerfirmenmitarbeiter ihr Können bei der vom Schulbiologie- und Umweltbildungszentrum (Schubz) veranstalteten Messe in der Uni. Schubz-Leiter Frank Corleis erwartet rund 300 Teilnehmer. Neben den Schülerfirmen selbst werden von 10 bis 13 Uhr auch Unternehmen aus der freien Wirtschaft dabei sein, es gibt auch Workshops zur Qualifizierung der Jugendlichen und eine Messe-Rallye. Die Stände sind bereits alle vergeben, doch Schulklassen oder andere Interessierte, die als Gäste kommen wollen, können sich auch kurzfristig noch anmelden unter Tel.: 9 69 52 70 oder auch unter www.schubz.org im Internet.