Dienstag , 27. September 2016
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Kirchenglocken brauchen Hilfe

ca Lüneburg. Über der Stadt schwebt ein „Schatz“, da ist sich der Glockensachverständige der Hannoverschen Landeskirche sicher. Der Diplom-Physiker Andreas Philipp schreibt in einem Gutachten über das Geläut von St. Johannis: „Eine größere Anzahl an historischen Glocken haben in Norddeutschland nur die Marienkirche zu Wismar und der Braunschweiger Dom aufzuweisen, bundesweit wird man kaum zehn solcher Geläute finden.“ Doch nachdem die Glocken über Jahrhunderte ihren Dienst getan haben, brauchen sie Pflege. Wie berichtet, plant die Gemeinde um Pastor Ingo Reimann und Kirchenvorstand Dr. Harald Grürmann Reparaturen und Sanierungen. Gestern erhielt St. Johannis eine Spende von 10 000 Euro für das ambitionierte Projekt.

Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übergab der Leiter der Ortskuratoriums, Prof. Dr. Paul Georg Lankisch, den Scheck. Ihren Anteil an der Summe haben auch die niedersächsische Lotto-Stiftung sowie die Ritterschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg.

Die Situation ist ernst im 108 Meter hohen Turm: Die Probeglocke erklingt seit 2008 nicht mehr, sie ist gesprungen. Auch die mächtige Apostelglocke lassen die Küster nicht mehr schlagen, sie könnte reißen. Der Glockenstuhl, also die „Aufhängung“, muss überarbeitet werden. Im ersten Bauabschnitt sollen die Probeglocke repariert, Joche, Klöppel und Läutemaschine erneuert, der Glockenstuhl umgebaut werden. Zudem möchte der Kirchenvorstand für Tauf- und Gebetsglocke Entlastungsklangkörper gießen lassen – Kosten von rund einer Viertelmillion Euro.

Die Gemeinde wünscht sich noch mehr: Bis zum 1. Weltkrieg hing die Große Wachtglocke im 108 Meter hohen Turm. Für sie soll nun ein mehr als sechs Tonnen schwerer „Nachfolger“ her, den Guss kalkulieren Fachleute mit weiteren rund 150 000 Euro.

Reimann berichtet, dass neben Zuschüssen von Stiftungen auch viele Lüneburger Geld gespendet haben. Zupass ist der Gemeinde überdies gekommen, dass der Bronzepreis gesunken sei: „Der erste Bauabschnitt ist finanziert.“ Eingebunden in die Arbeiten sind bislang vor allem zwei Firmen: die Firma Bachert in Karlsruhe und der Betrieb Lachenmeyer in Nördlingen, der auch schon in der Vergangenheit mit Sanierungsaufgaben am Geläut betraut war.

„Im April werden die Probeglocke und die kleine Schelle herabgelassen“, erklärt Reimann den Fahrplan für die Arbeiten. Beide Klangkörper müssen aufwendig geschweißt werden. Auch der Neuguss der Tauf- und der Betglocke sei für dieses Jahr geplant: „Wenn es so weit ist, möchten wir eine Gemeindefahrt anbieten, um dabei zu sein.“ Zurückkehren sollen die Glocken – passenderweise – am Johannistag kommenden Jahres, also am 24. Juni 2014.

Reimann und Grürmann hoffen auf weitere Spenden. Denn sollte bis ins Frühjahr 2013 die Finanzierung des zweiten Bauabschnittes gesichert sein, soll auch die große Wachtglocke gefertigt werden. Sie könnte dann 2014 ebenfalls in den Turm gehängt werden.