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Pferdefleisch hat auch viele Fans

ca Lüneburg. Die Meldungen von angeblich minderwertigem Pferdefleisch gehen Detlef „Olma gewaltig gegen die Berufsehre. Der 45-Jährige und seine Familie betreiben in der zweiten Generation die einzige Pferde-Fleischerei der Stadt. ,,Pferdefleisch ist nicht billig, wie es jetzt immer heißt“, stellt der Schlachter klar. Preis und Qualität lägen auf dem Niveau von Rindfleisch. Das Fleisch sei mager, kalorienarm und eiweißhaltig. Ob man es mag, ist eine Glaubensfrage, doch es sei gesund. Das wüssten auch die Kunden, die regelmäßig bei ihm kauften.

Diskussionen um ,,Gammelfleisch“ kennt Olma reichlich. Vor dem Pferdefleisch waren bereits Geflügel und Schwein in der Debatte. Er kann sich auch noch gut daran erinnern, als 1996 die Diskussion um den Rinderwahnsinn BSE tobte und verunsicherte Verbraucher Angst hatten, in ihr Roastbeef und ins Filetsteak zu beißen: ,,Da war die Nachfrage bei uns so groß, dass wir kaum nachkamen, es gab gar nicht genug Pferdefleisch.“

Produzenten sollen in Fertig-Lasagne Pferdehack aus Rumänien verarbeitet haben. Das Fleisch soll zudem mit Medikamenten belastet sein. Der Vorfall wurde jetzt in England publik, in Zeiten des internationalen Handels war es nur eine Frage von Tagen, bis auch in Deutschland die ersten ähnlichen Fälle Verbraucherschützer und Medien beschäftigen würden. Doch Detlef Olma und seinen Mitarbeitern schadet der Skandal bislang nicht.

Seit mehr als hundert Jahren besteht die Schlachterei in der Altstadt, seit 45 Jahren führt die Familie Olma sie. ,,Wir haben Stammkunden, die wissen, dass sie sich auf uns verlassen können“, sagt der Chef. Er bezieht sein Fleisch seit eineinhalb Jahrzehnten über denselben Lieferanten: ,,Wir schlachten seit langem nicht mehr selber, Lüneburg hat ja keinen Schlachthof mehr.“

Sein Lieferant wiederum beziehe das Fleisch aus Kanada: ,,Das sind Wildpferde. Eine spezielle Zucht für Schlachtereien gibt es da nicht, auch wenn so etwas jetzt berichtet wird. Für Pferdefleisch gibt es keine Massentierhaltung.“ Er nennt das dunkelrote Fleisch von Wildtieren, das in großen Batzen oder als Wurst in der Auslage des Geschäfts an der Ohlinger Straße liegt, ,,Mustang-Meat“.

Die hygienischen Standards für das Pferdefleisch seien hoch. Es werde in Kanada und in Deutschland geprüft, bevor es an die Betriebe und damit den Handel gelange, erzählt der Fleischer. Deshalb glaubt er auch, dass bei der in England aufgefallenen Lasagne ,,Schmu“ gemacht wurde. Das Pferdehack, das aus Rumänien kommen soll, müsse von kranken Tieren stammen, anders seien die in Labors entdeckten Arzneimittelrückstände nicht erklärbar: ,,Da ist Betrug im Spiel.“

Solche dunklen Geschäfte kommen für Olma nicht infrage. Neben seinem Betrieb in der Altstadt betreibt er Verkaufsstände zwischen Walsrode und Dannenberg, Verwandte sind mit Imbisswagen auf Märkten vertreten. Seine Kunden wüssten, dass sie ihm vertrauen könnten, deshalb flachsten sie mit ihm herum, ob er auch Lasagne habe. ,,Klar“, sagt er dann. Die kaufe er günstig bei Discountern auf, ,,und die servier‘ ich euch nächste Woche“.

Das bleibt natürlich ein Witz. Der Schlachter empfiehlt Verbrauchern allerdings, einmal darüber nachzudenken, ob es bei Fertigprodukten für 1,69 Euro mit rechten Dingen zugehen kann: ,,Wenn Sie an die Fleischskandale denken, da war doch nie ein kleiner Handwerksbetrieb dabei.“ Da stimme die Qualität.