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Opa Hindenburg besuchte Turner

ca Lüneburg. Es war ein großer Moment, als Paul von Hindenburg am 18. April 1922 die MTV-Halle an der Lindenstraße in Begleitung seiner Tochter und seines Schwiegersohnes betrat. Nicht nur für die Kinder, die dort turnten, sondern auch für den Gast. ,,Wie mag dem greisen Feldmarschall das Herz höher geschlagen haben, als er diese Jugendkraft sich so betätigen sah?“, fragte sich der offenbar ergriffene Redakteur der Lüneburgschen Anzeigen, der Vorläufer der Landeszeitung in seinem Artikel. Drei Jahre bevor Hindenburg Reichspräsident wurde, war er in Lüneburg zu Gast. Er besuchte wieder einmal seine Tochter Annemarie und deren Mann Christian von Pentz. Besonders freute sich der 74-Jährige, seine Enkelkinder inmitten der Turner zu sehen.

Der damals so verehrte Hindenburg ist heute ein umstrittener Mann. Er wurde 1925 Reichpräsident, in seiner zweiten Amtszeit ernannte er am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler — den Mann, der ein Terrorregime errichtete und den Zweiten Weltkrieg anzettelte. Aktuell diskutiert das politische Lüneburg darüber, ob auch deshalb die Hindenburgstraße umbenannt werden sollte, sie hieß einmal Gartenstraße.

Es finden sich einige Belege, dass Hindenburg die Region des öfteren besuchte, da sein Schwiegersohn als Soldat in Lüneburg seinen Dienst versah. Hindenburg, damals in Hannover zu Hause, kam mehrmals nach Medingen, auch als Reichspräsident, um seine Tochter mit Mann und Kindern zu sehen. Die Familie von Penz nutzte dort ein Anwesen. Doch auch in Lüneburg am Lüner Weg und später dann — bezeichnender Weise — an der Hindenburgstraße haben Nachfahren des Reichspräsidenten gelebt.

Bei seinem Besuch 1922 hat der Feldmarschall später auf dem MTV-Platz an der Uelzener Straße für ein Foto mit Turnern des MTV posiert. Neben ihm hat Turnlehrer Heinrich Frehse Platz genommen, auf seinem Schoß sitzt Hindenburgs Enkeltochter, vor Hindenburg steht Frehses Sohn.

Während der spätere Reichspräsident heute als vermeintlicher Wegbereiter Hitlers umstritten ist, war er damals ein umjubelter Mann, galt als Oberbefehlshaber und Held des Ersten Weltkriegs. In den Lüneburgschen Anzeigen heißt es: ,,Wie ein Treuegelöbnis für Volk und Vaterland erklang das tausendstimmige Hurra der Kinder, in das die anwesenden Erwachsenen begeistert einstimmten.“ Allerdings soll es später auch Protest gegeben haben, eine alte Lüneburgerin berichtet, dass Turner und Feuerwehr einen Fackelszug zu Ehren Hindenburgs abhalten wollten. Demonstranten, vermutlich Kommunisten, hätten sich mit der Schar auf der Altenbrückertorstraße geprügelt. In dem begeis“terten Hindenburg-Artikel findet sich dazu nichts.