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Ewig droht die Warteschlange

Ewig droht die Warteschlange

ben Lüneburg. Die Deutsche Post will die Annahmestelle für Geschäftskunden an der Sülztorstraße in Lüneburg zum 28. Februar schließen. Folgen dürfte das auch für Privatkunden haben. Denn die Geschäftskunden sollen auf das Postbank-Finanzcenter ausweichen. Deshalb fürchtet Jens Kiesel, Stadtratsmitglied der Partei Bündnis 21/RRP: „Die zahlreichen Firmen der Stadt, die ihre Ausgangspost in Zukunft in der Schalterhalle abgeben müssen, werden die Wartezeit auf dramatische Weise verlängern.“

Hintergrund der Schließung „sind aus betrieblicher Sicht die räumlichen Bedingungen der Annahmestelle, verkehrssicherheitstechnisch ist es der Rangierverkehr auf dem Posthof, aus unternehmerischer Sicht die Tatsache, dass die Kundenfrequenz nicht den wirtschaftlichen Notwendigkeiten entspricht“, heißt es auf LZ-Anfrage. Auf welcher Basis die Unwirtschaftlichkeitsrechnung gründet, lässt die Post offen: Zahlen, wie viele Pakete und Briefe täglich von Geschäftskunden abgegeben werden, kann das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht nennen.

Von einem Mitarbeiter hat Jens Kiesel erfahren, dass Geschäftskunden täglich etwa 400 Pakete an der Sülztorstraße abgeben. „Was rauskommt, wenn die alle in der Filiale abgegeben werden, habe ich am Montag gesehen: Da kommt ein Riesenchaos auf uns zu.“ Der Mitarbeiter der Geschäftskundenannahme sei krank, Unternehmer hätten auf die Filiale ausweichen müssen. „Die Schlange reichte bis vor die Tür.“

Damit das kein Dauerzustand wird, hat sich der Kommunalpolitiker schriftlich an die Post gewendet. „Durch Personalabbau in den vergangenen Jahren sind regelmäßig nur noch drei bis vier von sechs Schaltern besetzt, eine zusätzliche Belastung durch die Geschäftskunden ist für Personal und Kunden unzumutbar“, findet er.

Ähnlich sieht es Unternehmer Jürgen Machner, der die Geschäftspostannahme regelmäßig nutzt: „Seit der Pseudoprivatisierung der Post klappt nichts mehr.“ Deshalb weiche er bereits oft auf andere Versandunternehmen aus. Auch Kunde Stephan May versucht seit Jahren, „das Anstehen in der Filiale zu vermeiden“. Er nutzt die Packstation vor der Tür: Seine Pakete holt er sich aus einem gemieteten Schließfach, nur größere Sendungen muss er sich in der Filiale abholen. „Vor allem abends ist es dort voll, sonnabends extrem“, schildert May.

Von all dem scheint in der Hamburger Unternehmenszentrale nichts anzukommen. Laut Sprecher Jens-Uwe Hogardt lassen sich aufgrund des geringen Geschäftspostaufkommens Privat- und Geschäftskunden „problemlos“ kombinieren. Alles eine Frage der Organisation: „Denkbar wäre ein spezieller Schalter, aber wie es laufen wird, lässt sich noch nicht im Detail absehen.“ Fest aber steht, dass die Post den etwa zehn Quadratmeter großen Raum, in dem die Geschäftspostannahmestelle untergebracht ist, weiter nutzen will.