Dienstag , 27. September 2016
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Es riecht nach Abfall und Urin

ina Lüneburg. Einen Abend nach der Mieterversammlung zum CityPark sahen sich Oberbürgermeister Ulrich Mädge und die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Hiltrud Lotze mit ähnlichen Problemen in einem weiteren Stadtteil konfrontiert. Zur Anhörung im Kaffeehaus in der St.-Stephanus-Passage kamen mit hundert Betroffenen zwar weniger als tags zuvor, und viele gingen bereits nach einer Stunde, doch ihre Beschwerden sind nicht minder massiv. Wie in der Wohnanlage Am Weißen Turm klagen auch in Kaltenmoor viele Mieter über massiven Schimmelbefall, Risse in den Wänden, zugige Fenster, ausgefallene Beleuchtungsanlagen und kaputte Fahrstühle.

Es ging vor allem um den Capricornus-Komplex an der Wilhelm-Leuschner-Straße und um die von der Gesellschaft ELAD verwalteten Wohnungen im Stadtteil. Als besonders belastend beschrieben die Anwesenden die „vollgemüllten und verdreckten Aufzüge und Flure“. Einer schimpfte: „Es riecht nach Abfall und Urin, in den Parkhäusern liegen Spritzen.“ Selbst auf dem Spielplatz „stinkt es nach Jauche, sodass man dort kein Kind mehr mit gutem Gewissen spielen lassen kann“.

Auch auf den Straßen und Parkplätzen sehe es oft nicht besser aus. „Der Sperrmüll kann nicht entsorgt werden, weil die Container überquellen“, erklärte eine ältere Dame. Und ihr Stuhlnachbar ergänzte: „Auf dem Platz vor unserem Eingang liegen Riesenhaufen Gartenabfälle. Die modern dort seit Jahren vor sich hin.“ Ein Reizthema, zu dem die anwesende Ingenieurin Katja Richter von der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GfA) direkt Stellung nahm: „Wir wurden beauftragt, uns um die Müllfrage zu kümmern, wir haben in diesem Punkt bereits Fortschritte gemacht.“ Das teilweise praktizierte Chip-System pro zu entsorgendem Müllbeutel halte sie dagegen für problematisch. „Hier müssen Alternativen gefunden werden.“ Die mitgebrachte, von Schülern erstellte und in sieben Sprachen übersetzte Broschüre mit dem Titel „Kaltenmoor müllt nicht rum“ verteilte sie im Anschluss im Raum.

Doch vor Ort ist nicht nur die Müllentsorgung unklar – die gesamte Besitzstandsfrage muss teilweise neu geregelt werden. Da die Investmentgesellschaft Capricornus, der rund 300 Wohnungen an der Wilhelm-Leuschner-Straße gehören, Insolvenz anmelden musste, liegt die Zukunft des Blocks im Dunkeln. Zwar erwägt die Stadt den Kauf des Komplexes, konkret ist aber noch nichts. Als Hausverwaltungsfirma agiert zurzeit die Wilde GmbH mit Sitz in Wilhelmshaven. Geschäftsleiter Dirk Möhle und Hausmeister Bernhard Rosner standen den erzürnten Mietern bei der Versammlung ebenfalls Rede und Antwort.

Die meisten Beschwerden richteten sich jedoch an die zweite Eigentümergruppe, die israelische Investmentfondsgesellschaft TGE, die wiederum als Verwalter die Firma ELAD Germany einsetzte. Sie betreut mehr als 600 Wohneinheiten, die von ihr eingesetzte Property Managerin Sylvia Fischer sagte den Versammlungstermin kurzfristig ab. „Schnelle und unbürokratische Hilfe“ versprach stellvertretend Kaltenmoors Quartiersmanager Uwe Nehring. „Sie können mich auch außerhalb meiner Sprechzeiten anrufen.“ Auch die Stadt bietet Unterstützung an, soweit sie diese leisten kann. Mädge: „In Fragen des Brandschutzes, des Schimmelbefalls, bei defekten Fahrstühlen und zugemüllten Garagen können wir was für Sie tun – ansonsten kann ich Ihnen nur den Gang zum Anwalt empfehlen.“