Dienstag , 27. September 2016
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Projekt zielt auf Leseförderung der Kleinsten

ben Lüneburg. An diesem Vormittag ist Dr. Nils Onken nicht nur Kinderarzt – sondern auch Leseförderer. Die Vorsorgeuntersuchung „U 6“ hat der elf Monate alte Julius Alexander gerade hinter sich, als Onken Julius‘ Mutter Minelle Blankenburg einen Jutebeutel schenkt mit Bilderbüchern, einem Bücherei-Gutschein und Vorlesetipps. „Buchstart“ heißt die Aktion, die das Netzwerk Leseförderung Lüneburg im Jahr 2009 ins Leben gerufen hat. Und Julius Alexander darf sich jetzt über die 5000. Buchstart-Tasche freuen.

„Mit Buchstart verfolgen wir das Ziel, die Lesemotivation der Kinder zu fördern, Eltern wollen wir ermutigen, mit ihren Kindern in die Bücher zu gucken und ihnen vorzulesen“, sagt Jörg-Erich Scheunemann, Buchstart-Projektleiter beim Netzwerk Leseförderung: „Denn Sprache ist die Schlüsselkompetenz für Bildungs- und Berufserfolg.“

Studien belegen, dass die Voraussetzungen für Lesekompetenz bereits in den ersten Lebensjahren gelegt werden. Einer Untersuchung des kanadischen Bildungsforschers Prof. Clyde Hertzman zufolge ist der günstigste Zeitpunkt, die Sprachentwicklung zu fördern, im Alter von ein bis drei Jahren. Denn dann ist das menschliche Gehirn dafür besonders sensibel. „Gezielte Förderung darf deshalb nicht erst in der Schule erfolgen, wir müssen deutlich früher beginnen“, sagt Scheunemann.

Dabei geht es den Leseförderern auch um Chancengerechtigkeit: Die Buchstart-Taschen werden bei der Vorsorgeuntersuchtung U 6 an alle Kinder verteilt, die Elternbroschüre mit Fördertipps gibt es in fünf Sprachen. „Der Grundstock für die spätere Lesemotivation wird in den Familien gelegt“, sagt Scheunemann, „Die frühkindliche Förderung ist hier besonders wichtig und gelingt nicht nur durch Vorlesen, sondern auch durch Kniereiterreime, Kinderlieder, Geschichtenerzählen oder das gemeinsame Entdecken von Bilderbüchern.“

Von der Idee hinter der Aktion Buchstart hat Scheunemann die Sparda Bank Hamburg überzeugt, die das Projekt von Beginn an unterstützt und seit 2009 insgesamt 25 000 Euro gegeben hat. Außerdem mit im Boot sind 45 Arztpraxen in Stadt und Kreis Lüneburg, die zusammen pro Jahr etwa 1250 Buchstart-Taschen verteilen. Nils Onken sagt: „Die Eltern freuen sich riesig.“ Und als Minelle Blankenburg ein Buch in Busform aus dem Jutebeutel holt, kreischt auch Julius Alexander vergnügt.