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Ungleicher Konkurrenzkampf

ben Lüneburg. Würde der Arbeitsplatz von Dr. Michael Moormann nicht in Lüneburg, sondern in Hamburg liegen, dann hätte der Geschäftsführer des Städtischen Klinikums für das Jahr 2012 ein Plus in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro zu verkünden. Tatsächlich aber schließt das Lüneburger Krankenhaus mit einem Minus von rund 100 000 Euro ab. Trotz gleicher Patientenzahl, gleicher Behandlungen, gleicher Ausgaben – die Einnahmen wären in Hamburg höher. Grund sind die unterschiedlichen Landesbasisfallwerte, das sind Richtgrößen, aufgrund derer sich die Summen errechnen, die Kliniken für ihre Leistungen erhalten. In Hamburg lag dieser Satz 2012 bei 3048 Euro, im Lüneburg waren es knapp 100 Euro weniger. „Das ist eine unzulängliche Finanzierung“, sagt Michael Moormann. Und daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die Kassen das Budget der niedersächsischen Krankenhäuser 2013 um 200 000 Euro aufstocken.

Insgesamt 5,2 Milliarden Euro sollen die 167 Krankenhäuser in Niedersachsen in diesem Jahr erhalten, rund 88 Millionen Euro davon erwartet das Klinikum Lüneburg. Das klingt nach viel, aber: „Den enormen Kostenzuwachs, vor allem für Tarifsteigerungen und Energie, können wir damit nicht ausgleichen“, sagt Moormann.

Der neue Landesbasisfallwert für Niedersachsen beträgt 3016 Euro. Je nach Erkrankung und Therapieansatz wird dieser Wert mit einem festgesetzten Faktor multipliziert, heraus kommt die Summe, die die Kassen erstatten. Für eine Bypass-Operation am Herzen erhält eine niedersächsische Klinik nach Angaben der AOK 12 300 Euro, 2350 Euro für eine Blinddarm-OP, und eine stationäre Entbindung beginnt ab 2270 Euro. In Hamburg erhalten die Kliniken für alle drei Leistungen insgesamt rund 540 Euro mehr.

Aus den unterschiedlichen Fallpauschalen ergeben sich nach Angaben des Ärztlichen Direktors des Winsener Krankenhauses, Dr. Heiner Austrup, für Krankenhäuser in der Nähe von Landesgrenzen „Budgetunterschiede in siebenstelligen Größenordnungen. Das ist nicht plausibel und ungerecht. Ein wichtiger Schritt wäre daher, die Basisfallwerte deutschlandweit anzugleichen.“ Zumal sich die ungleiche Konkurrenzsituation nicht nur in Bezug auf Patienten auswirkt, sagt Michael Moormann: „Ärzte in den finanziell schlechter gestellten niedersächsischen Kliniken arbeiten unter größerem Druck als in Hamburg.“ Gegensteuern will Moormann mit „Prozessoptimierungen“. Notwendig ist das auch, um die jährlich steigende Zahl von Patienten medizinisch optimal versorgen zu können, ohne zusätzliches Personal einzustellen.

Denn dafür bleibe kein Geld: Seit 2006 sind die Tariflöhne um rund 16 Prozent gestiegen, die Leistungen der Kassen für Kliniken nur um 8,7 Prozent, gibt die Deutsche Krankenhausgesellschaft an. Präsident Alfred Dänzer hatte Dienstag auf dem Krankenhausgipfel in Berlin kritisiert, dass die Schere zwischen steigenden Leistungen und dem, was die Kassen den Kliniken erstatten, immer weiter auseinander klafft. Nach einem Bericht der „Ärztezeitung“ will die Koalition jetzt prüfen, ob 2013 zusätzliche Mittel bereitgestellt werden können. Dazu sagte der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann: „Wir können die Entwicklung nicht so weiterlaufen lassen, das trifft vielleicht die falschen Krankenhäuser, wie zum Beispiel die kleineren Kliniken, die in der Fläche einen Versorgungsauftrag haben.“

Nach einer Untersuchung der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft schreiben 50 Prozent der Kliniken in Niedersachsen rote Zahlen. Am Städtischen Klinikum sei die Lage nicht dramatisch, hatte Moormann erst kürzlich in einem Interview gegenüber der LZ gesagt, „aber mehrere solcher Jahre können wir uns nicht leisten“. Immerhin will die Bundesregierung mit einer Studie untersuchen, ob die ungleichen Landesbasisfallwerte auf sachlichen Gründen fußen. Denn warum eine OP in Hamburg höher vergütet wird als in Lüneburg, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Die Ergebnisse der Studie sollen Mitte des Jahres vorliegen. Carsten Sievers, Sprecher der AOK Niedersachsen, sagt: „Zukünftig wird es auf einen einheitlichen Bundesbasiswert hinauslaufen.“