Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Notdienst aus eigener Tasche

rast Lüneburg. Einige Lüneburger Apotheker aus Stadt und Landkreis reichen am Donnerstag, 28. Februar, in der Zeit von 12 bis 13 Uhr die Medikamente an Patienten nur durch die Notdienstklappe heraus, andere werden ihre Apotheke verdunkeln und nur mit Kerzenschein beleuchten, weitere Apotheker suchen das Gespräch mit ihren Kunden auf andere Weise, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Unter dem Motto ,,Wir machen den Tag zur Nacht“ wird am Donnerstag, 28. Februar, für eine Stunde der Nachtdienst am hellichten Tag geleistet.

Bezirksapothekerin Dr. Sigrun Scholz aus Lüneburg, die zuständig ist für Stadt und Landkreis und darüber hinaus auch bis Buchholz und für den Kreis Lüchow-Dannenberg, und ihre Kollegen wollen mit dem bundesweiten Aktionstag auf einen Missstand aufmerksam machen: Bundesweit würden Nacht für Nacht etwa 20000 Menschen den Notdienst in Anspruch nehmen: ,,Ein Dienst, den wir gerne machen, wir sind für die Patienten da. Doch so sehr die Patienten an diesen Service gewöhnt sind, so wenig denken sie daran, wie dieser finanziert wird.“ Da sagt sie klar: ,,Aus der Tasche des Apothekers.“ Der nächtliche Umsatz reiche aber vor allem auf dem Land nicht einmal, um die Personalkosten zu decken. Mit der Aktion wollen die Apotheker nicht nur informieren, sondern auch die Politik wachrütteln. Die Bundesregierung hatte den Apothekern Ende 2012 versprochen, dass sie pro geleistetem Notdienst eine Pauschale erhalten, die Regelung sollte zum 1. Januar 2013 greifen – ,,passiert ist nichts“. In Lüneburg selbst gibt es 21 Apotheken, im Landkreis 19. Der unterfinanzierte Notdienst ist laut Sigrun Scholz vor allem ein Problem der Landapotheken, die Bezirksapothekerin bestätigt Zahlen der Apothekerkammer Niedersachsen. In einer Pressemitteilung der Kammer heißt es: ,,Große Probleme haben wir zum Beispiel schon im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Dort gibt es nur noch 13 Apotheken, die also wesentlich häufiger Nacht- und Notdienste haben als Apotheken etwa in den kreisfreien Städten Hannover und Osnabrück mit 138 beziehungsweise 60 Apotheken, die sich die Dienste teilen können.“ Im vergangenen Jahr hätten die mehr als 2000 niedersächsischen Apotheken nachts sowie an Sonn- und Feiertagen 50839 Notdienste geleistet. Das Problem der Landapotheken ist eng verknüpft mit demProb-lem der Arztversorgung, denn für einen wirtschaftlich soliden Apothekenstandort ist es entscheidend, wie viele Ärzte im direkten Umfeld praktizieren: Wandern Ärzte vom Land in die Stadt ab, fehlen der örtlichen Apotheke die Rezepte. Laut Kammer gibt es Orte in Niedersachsen, in denen eine Apotheke mit 4000 oder mehr Einwohnern überdurchschnittlich viele Menschen versorgt, aber aufgrund mangelnder Arztpraxen dennoch ums Überleben kämpft: ,,Die fachärztliche Versorgung ist in den Städten etabliert. Wer dort in Behandlung ist, löst sein Rezept noch in der Stadt ein und nicht bei seinem Apotheker in der Gemeinde.“ Und zum Nacht- und Notdienst sagt auch Sigrun Scholz klar: ,,Mitten in der Nacht brauchen kranke Menschen auf jeden Fall eine gut erreichbare Apotheke.“