Dienstag , 27. September 2016
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Schlafen in der Musikschule

ben Lüneburg. In der alten Musikschule könnten bald Wohnungen entstehen, aber auch ein Hotel kann sich Oberbürgermeister Ulrich Mädge vorstellen. Das sagte er während der Bauausschusssitzung am Montag. Die Stadt will, wie berichtet, die Erbbaurechte für den Gebäudekomplex zwischen den Straßen Neue Sülze, Katzenstraße und An der Münze vergeben. Entscheidend ist dabei nicht allein das höchste Angebot, sagte Stadtbaurätin Heike Gundermann: „Wir wünschen uns einen Bauherrn, der mit dem Denkmalschutz umgehen kann.“ Noch bis zum 14. Mai können sich Investoren mit ihren Konzepten bewerben.

Bei der Bieter-Wahl will sich die Stadt an „objektiven Kriterien“ orientieren, sagte Gundermann. Insgesamt sechs Aspekte sollen unterschiedlich gewichtet in die Entscheidung einfließen: Die Höhe des Kaufpreises, ob sich die neue Nutzungs-Idee harmonisch in die nähere Umgebung einfügt, die Beachtung des Denkmalschutzes, bauordnungsrechtliche Anforderungen wie Brandschutz oder Barrierefreiheit und ob das Erschließungskonzept sich konfliktfrei umsetzen lässt. Der Gebäudekomplex gliedert sich in zwei Teile: Die Bereiche an der Neuen Sülze und Katzenstraße, für die ein Mindestgebot in Höhe von 1,05 Millionen Euro erwartet wird, sowie die Gebäudeteile An der Münze 7 und 7 a, für die mindestens 850 000 Euro geboten werden müssen. Da Bieter dafür einzeln oder ein gemeinsames Konzept vorlegen können, spielt eine weitere Rolle, ob sie schlüssige Ideen für eine gemeinsame Innenhofnutzung präsentieren können. Der Bauausschuss segnete die vorgestellten Bewertungskriterien einstimmig ab.

Mädge schätzt, dass sechs bis zehn Millionen Euro nötig sein werden, um beide Gebäudeteile zu sanieren. Heike Gundermann ergänzte: „Wegen des Denkmalschutzes wird es nicht möglich sein, eine barrierefreie Wohnanlage aus dem Komplex zu machen, aber man kann Teilbarrierefreiheit erreichen.“ Auch die Idee zu dem Hotel lässt sich laut Mädge „nur unter widrigen Bedingungen realisieren“, es mangle an ausreichenden Parkplätzen.

Ein ganzes Parkhaus mit bis zu 800 Plätzen soll dagegen an der Uelzener Straße gegenüber dem neuen Audimax-Gebäude entstehen. Das zurzeit brachliegende Gelände zwischen Vamos und Autohaus Havemann gehört der Landeskrankenhilfe. Interessant ist die Fläche jedoch auch für die Universität. Im Januar 2012 haben Stadt und das niedersächsische Wissenschaftsministerium Gespräche mit dem Eigentümer gestartet, die jetzt in eine Änderung des Bebauungsplans münden.

Die Details: Die Heinrich-Böll-Straße soll zukünftig lediglich als Grundstückszufahrt für die Fläche Richtung Havemann genutzt werden können. Dort soll das Verwaltungsgebäude der Landeskrankenhilfe entstehen. Das Parkhaus und das Audimax sollen über eine neue Straße erreicht werden können, die von der Uelzener Straße abgehend zwischen den Gebäuden bis zum Supermarkt führen wird. An der Uelzener Straße soll entweder eine Ampel oder ein Kreisel gebaut werden, welche Variante es wird, hängt von einem jetzt in Auftrag zu gebenden Verkehrsgutachten ab. Und davon, ob der Stadt Fördermittel für einen Kreisel bewilligt würden, sagte Mädge.

Die Vorteile des neuen Bebauungsplanes lägen auf der Hand: Weniger Verkehr für die Anwohner der Heinrich-Böll-Straße und mehr Platz für die Uni, weil das an das Vamos grenzende Grundstück nicht durch eine Straße zerschnitten wird. Doch während auch Ausschussmitglied Martin Bruns (SPD) den Vorschlag als „absoluten Gewinn“ begrüßte, kommt Gegenwind vom BUND.

Die Umweltschützer fürchten um die „Ruhe und die Lebensqualität“ der Anwohner. Wegen der neuen Zufahrt von der Uelzener Straße aus sei es erforderlich, dass alte Bäume gefällt werden. Stadtbaurätin Gundermann versichterte, dass die Verwaltung jeden gefällten Baum ersetzen werde, und Oberbürgermeister Mädge ergänzte: „Wir werden nicht Bäume wegnehmen, wenn es nicht sein muss.“ Der Bauausschuss empfiehlt einstimmig, den Bebauungsplan dem Vorschlag folgend zu ändern, dabei ist die Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen, sodass Anwohner und Verbände Gelegenheit haben, ihre Einwände vorzutragen.