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Am Ende die Bühne gestürmt

pet Lüneburg. Es war alles wie bei richtigen Olympischen Spielen: Die Eröffnungsfeier mit Vorführungen, dem Eid der Athleten und dem Entzünden des Feuers. Die Wettkämpfe mit den Medaillen in Gold, Silber und Bronze. Und die Schlussfeier mit Musik, Action und der Übergabe der Fahne an den nächsten Ausrichter. Es waren aber die Winterspiele der „Special Olympics“ für Menschen mit geistiger Behinderung in Garmisch-Partenkirchen. Und mittendrin im olympischen Getümmel: 15 jugendliche Starter, im Alter von elf bis 19 Jahren, von der Lüneburger Schule am Knieberg, die auf Eis und Schnee erfolgreich waren – und vor allem viel Spaß hatten.

Wie etwa Maxi (11), der im Eisschnelllauf über 111 Meter startete, Zweiter wurde und sich freute: „Ich habe viele Kinder kennengelernt.“ Und Anne (15), die über 222 und 333 Meter einen zweiten und einen vierten Platz erreichte. Und auch Finja (12), die eigentlich im Eisschnelllauf über 25 Meter mitmachen wollte, aber dann mangels Konkurrenz doch die 111-Meter-Distanz lief, wo auch Mohammed, Kinem (beide 11) und Tim (12) dabei waren.

„Gemeinsam stark“ war das Motto der Special Olympics von Garmisch-Partenkirchen – und die warteten mit einem Teilnehmerrekord auf: 700 Aktive aus 13 Bundesländern waren dabei, in sieben Sportarten wurden 990 Medaillen und 1000 Teilnehmerschleifen vergeben. Mehr als 500 freiwillige Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Und auch viele Prominente deuteten an, welchen Stellenwert die Special Olympics von Garmisch-Partenkirchen hatten: Biathlon-Ass Magdalena Neuner gab ebenso Trainingstipps wie die Alpin-Ski-Legenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Siegerehrungen nahm unter anderem Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, und Eiskunstlauf-Olympiasieger Manfred Schnelldorfer vor, interessierter Beobachter an Pisten und im Eisstadion war Schlagerstar Guildo Horn.

Die Eisläufer übten in den Monaten vor dem großen Ereignis im Adendorfer Eisstadion. Die Schneeschuhläufer nutzten es sofort aus, sobald es draußen einmal weiß war. „Geübt wurde mit Schneeschuhen, auch auf der grünen Wiese“, sagt Lehrerin Marieke Schöll, die mit Kollegin Regina Zimmermann die Special-Olympics-Arbeitsgemeinschaft an der Schule am Knieberg leitet. Als Begleiter in Garmisch-Partenkirchen dabei waren auch die Lehrer Willi Schlage, Torsten Jahn und Rüdiger Stegemeyer, außerdem Ulrike Freitag, Ulf Heinrichs und Michi Koesling.

Über die AG waren die meisten Knieberg-Schüler zu ihrem Special-Olympics-Start gekommen, einige auch über den Sportunterricht. Inliner- und Rollskifahren, im Winter auch Schlittschuh-, Schneeschuh- oder Skilanglauf sind Inhalte der AG. „Das ist gut für die Koordinations- und die Bewegungsfähigkeit“, weiß Marieke Schöll. „Die Kinder sind in Garmisch-Partenkirchen über sich hinaus gewachsen“, ergänzt Regina Zimmermann.

Überhaupt schwören die beiden und ihre Kollegen auf die positiven Effekte der Special-Olympics-Teilnahme. Schöll. „Das Selbstwertgefühl steigt, die Kinder sind in ihrer Persönlichkeit unglaublich gewachsen, und die gemeinsame Teilnahme hat ungeheuer viel für den Zusammenhalt der Gruppe bewirkt.“ Und erfolgreich waren sie auch noch: Jeder brachte mindestens eine Medaille mit.

Mit ihrem selbstbewussten Auftreten schafften es die Lüneburger mit ihrem Schlachtruf „Wir Lüneburger, wir geben immer alles, gemeinsam sind wir stark“ sogar ins Bayerische Fernsehen. Ihren ganz großen Auftritt hatten sie dann bei der Abschlussfeier. Gegen Ende stürmten sie, erkennbar an ihren grünen Reflektorwesten, die Bühne und tanzten den „Gangnam Style“. Und für die meisten von ihnen ist schon klar: Bei den nächsten Special Olympics, im Sommer in Düsseldorf, wollen sie wieder dabei sein.