Dienstag , 27. September 2016
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Soziales Zentrum für den Stadtteil

ben Lüneburg. Im Paul-Gerhardt-Gemeindehaus in der Bunsenstraße ist immer etwas los: Kinder laufen die Stufen zur Kindertafel hoch und runter, Jugendliche kommen und gehen zum Konfirmandenunterricht, Erwachsene zum Chorsingen, Basteln und Klönen oder zum Bibel-Treff. Und oft klopft jemand an die Tür von Pastorin Dorothee Kanitz, um mit ihr über Probleme zu sprechen. In der Beziehung, im Job oder eben, weil es gerade keinen Job gibt. Das bereitet oft noch viel mehr Probleme. Seit 50 Jahren ist die Paul-Gerhardt-Gemeinde Anlaufstelle für ihre Mitglieder, jetzt feiern alle gemeinsam das Jubiläum.

Eigentlich wurde die Paul-Gerhardt-Gemeinde bereits am 1. April 1962 als Bundeswehrgemeinde gegründet, aber weil die Kirche am 10. März 1963 eingeweiht wurde, hat das Jubiläums-Komitee beschlossen, dass das der richtige Anlass für das Fest ist. Jetzt sitzen die Organisatorinnen, Pastorin Dorothee Kanitz, die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Miriam Dahlke und die Leiterin der Kindertafel, Birgit von Paris, an dem runden Tisch im Büro im Erdgeschoss und erzählen, was die Paul-Gerhardt-Gemeinde ausmacht.

Zuerst fallen Dorothee Kanitz dazu die Kindertagesstätte Paul-Gerhardt und die Kindertafel, die ebenfalls zur Gemeinde gehört, ein. Die Kinder bekämen ein „anständiges Mittagessen“, würden gefördert in schulischer und sprachlicher Hinsicht, in der Kita gehe es um Gemeinschaft und die Vermittlung christlicher Werte. „Aber wir tragen das nicht ständig wie ein Schild vor uns her. Wenn es darum geht, Gott im Alltag zu erleben, sind wir einfach mittendrin in allem, was wir hier tun.“

Im Laufe der Zeit hat sich das Paul-Gerhardt-Gemeindehaus zu einem sozialen Zentrum entwickelt, sagt Birgit von Paris, „weil wir die Familien auffangen“. Im direkten Umfeld seien die Wohnungen günstig, das ziehe viele Einkommensschwache an, ein Großteil derer, die die Angebote der Gemeinde nutzen, seien Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. Dass nicht alle Christen sind, spielt hier keine Rolle, sagt Pastorin Kanitz: „Wir machen einfach das, was Jesus uns vorgelebt hat: Wir sind für die Menschen da und fragen nicht nach der Konfession.“

Trotzdem sind die Mitgliederzahlen seit der Gründung geschrumpft. Von fast 7000 Anfang der 1970er-Jahre auf aktuell rund 2700 Mitglieder. „Es gibt weniger Menschen, die mit der Kirche alt geworden sind, bei den Jüngeren ist die Kirchenbindung nicht mehr so groß, die müssen wir stärker integrieren.“ Gelingen soll das mit generationsübergreifenden Angeboten, die den Austausch zwischen Jung und Alt fördern. Zum Beispiel bei Kaffee-Nachmittagen, zu denen die Älteren den Kuchen mitbringen und die Jüngeren ihnen im Gegenzug erklären, wie das mit dem Handy funktioniert. Auch interkulturell ist die Gemeinde aktiv, regelmäßig bereiten Frauen mit Migrationshintergrund Speisen aus ihrer Heimat zu und bieten diese im Gemeindehaus an. Diese Art der Vernetzung der Gemeindemitglieder will Dorothee Kanitz ausbauen: „Wir blicken mit Freude auf das Jubiläum, aber noch lieber wollen wir daran denken, uns zukunftsfähig zu machen.“