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Schatten über Licht-Firma

ca Lüneburg. Der Fehler liegt rund vier Jahre zurück, doch für Hans-Georg Höbermann und seine Mitarbeiter hat er bis heute Folgen: 2009 hatte sich das Unternehmen für Licht- und Außenwerbung bei einer Kalkulation für einen Werbeturm verhauen, machte nach eigenen Angaben ein Minus von rund einer Viertelmillion Euro. Nun musste Geschäftsführer Höbermann den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Allerdings sah das Lüneburger Amtsgericht so viel Potenzial in dem Betrieb in der Goseburg, dass es dem Antrag auf eine Eigenverwaltung zustimmte. So kann Höbermann die Geschäfte selber fortführen, hat aber den Hamburger Juristen und Sachwalter Sascha Kahn an die Seite gestellt bekommen.

Höbermann beschäftigt 24 Mitarbeiter sowie sieben Lehrlinge. Er und Kahn hoffen, möglichst viele Stellen retten zu können. Ziel sei es, das 1948 gegründete Unternehmen, das Höbermann seit 1978 leitet, fortzuführen. Dafür bestünden gute Voraussetzungen, glaubt Kahn, denn es gebe große Kunden, die auf die bundesweit tätigen Lüneburger setzen, der Flughafen und die Messe AG in Hannover zum Beispiel, aber auch eine Pizza-Kette und ein Fachhändler für Sportartikel.

Höbermann informierte gestern Kunden und Lieferanten über die angespannte Lage, er betont aber: „Wir können Aufträge annehmen und ausführen, und wir wollen mit unseren Partnern weiterarbeiten.“

Die Schwierigkeiten hätten begonnen, als man sich 2009 bei einem Auftrag verrechnet habe. Danach habe er Unternehmensberater in Haus geholt, doch die Probleme hätten die Fachleute nicht abschließend lösen können. Und es kam noch dicker: Ende vergangenen Jahres brachen Aufträge weg, zudem verzögerte der lange Winter Betriebsabläufe, Werbung kann nicht ausgeliefert und montiert werden. So fehlen Einnahmen. Daher habe er im Januar und Februar die Gehälter seiner Beschäftigten nicht zahlen können, sagt Höbermann. Doch diese Frage sei inzwischen geklärt, ergänzt Sachwalter Kahn. Er habe für die Betroffenen für drei Monate Insolvenzausfallgeld bei der Agentur für Arbeit beantragt, ein Monat sei bereits bewilligt worden, für die beiden anderen sehe es gut aus.

Höbermann, der kaufmännische Defizite einräumt, möchte den Betrieb nun in andere Hände übergeben. Dafür sieht auch Kahn gute Chancen, denn im Unternehmen gebe es einen potenziellen Interessenten. Noch gelte es allerdings, offene Fragen zu klären. Darüber soll unter anderem kommende Woche eine vorläufige Gläubigerversammlung beraten.

Höbermann gehört zu den prägenden Unternehmern der Lüneburger Wirtschaft. Als Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute zählte er 1998 zu den Gründern der Lüneburg Marketing GmbH, war auch deren erster Geschäftsführer. Auch beim Gründungs- und Technologie-Service, einer Plattform für den Austausch von Firmen und Ansprechpartnern für Neugründungen, war Höbermann einer der Gründungsväter.