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Altlasten in der Tiefe

ca Lüneburg. Einst wurde an der Ecke Springtgut/Schomakerstraße Ton abgebaut, später kippten Lüneburger Bauschutt und Schlacke in die Grube, um sie zu verfüllen, schließlich wurde sie mit Sand und Mutterboden abgedeckt, vergessen und Jahrzehnte danach wiederentdeckt. Längst stehen dort Häuser, auch ein Spiel- und ein Bolzplatz sind entstanden. Anwohner machten sich Sorgen, was da unter acht Grundstücken in der Tiefe schlummert. Auf einer Bürgerversammlung im Heinrich-Heine-Haus gab die Stadt jetzt Entwarnung: Es gehe keine Gefahr aus von der alten Grube, eine Sanierung, also ein Bodenaushub, sei nicht notwendig. Allerdings müssten Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

In einem Gespräch mit der LZ erklärten Umweltdezernet Markus Moßmann und Umweltamts-Chef Volker Schulz die Lage. Nach Einschätzung der Stadt, die vom Gesundheitsamt geteilt werde, sollte nicht tief „gebuddelt“ werden, damit kein Erdreich von unten nach oben gewühlt wird. Wenn dies doch geschehe, zum Beispiel um Leitungen zu verlegen, müsse das Material entsorgt werden. Nicht erlaubt sei es beispielsweise, einen Gartenbrunnen anzulegen. Auch eine neue Wohnbebauung sei nicht zulässig, allerdings dürften Anlieger ohne Probleme ein Gartenhäuschen errichten.

Niemand müsse Sorge haben, Gemüse und Obst aus seinem Garten zu essen. So hätten Proben von Äpfeln ergeben, dass die Früchte unbelastet von Schwermetallen seien. Auch das Toben und Graben auf dem Spielplatz sei unbedenklich: Über den Hinterlassenschaften in der alten Tongrube liege eine zwei Meter dicke Schicht aus Mutterboden und Sand.

Die Stadt hatte nach eigener Aussage Ende der 80er-Jahre an einem Landesprogramm teilgenommen, mit dessen Hilfe nach sogenannten Altablagerungen gesucht wurde. 25 ehemalige Deponien wurden benannt, dazu zählen auch Teile der Sülzwiesen. Später seien drei weitere Flächen alter Deponien hinzugekommen.

Die Geschichte der Tongrube Am Springintgut beginnt vermutlich um 1890, das ergibt sich aus alten Plänen und Unterlagen. Sie soll Material für eine Ziegelei geliefert haben, allerdings kein gutes, sodass sie spätestens 1922 geschlossen wurde. Denn da wurden in diesem Bereich die ersten Häuser gebaut.

Auch ein Gutachter wurde eingeschaltet. Der ließ rund 40 Bohrungen niederbringen, um das Areal räumlich einzugrenzen. Weitere bis zu acht Meter tiefe Bohrungen folgten, um Proben zu ziehen. Ergebnis: Unter der Erde liegen Schlacke und Bauschutt. Kostenpunkt der 90 Seiten starken Studie samt einem Aktenordner voller Anlagen: 40 000 Euro, von denen das Land 75 Prozent bezahlt.

Nach dem Ergebnis der Expertise halten Stadt und Gesundheitsamt es nicht für notwendig, den Boden auskoffern zu lassen. Ein Grund sei auch die Wirtschaftlichkeit, mit drei Millionen Euro könnte so eine Maßnahme zu Buche schlagen. Das Abdecken der Fläche mit Erde als dicker Schutzschicht reiche aus. Die Stadt, die dort einige Grundstücke in Erbpacht vergeben hat, vertritt die Meinung: Wer als Grundbesitzer das Erdreich ausgetauscht haben wolle, müsse Arbeiten und Entsorgung selbst zahlen.