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Ein Kranz für den schiefen Reiter

kre Lüneburg. Den Winter hat der einsame Reiter im Clamartpark halbwegs unbeschadet überstanden: Gefangen hinter einem provisorischen Bauzaun, weil schon ziemlich windschief, wartet der Dragonerreiter auf seine Sanierung. Doch bevor sich die Handwerker daran machen werden, dem Denkmal sicheren Stand zu geben, wird das Monument noch einmal in seinem Ist-Zustand eine kleine Gedenkfeier erleben: Am 24. März nämlich werden die „Freunde und Förderer des Denkmals Dragoner 16“ am Sockel des Mahnmals einen Kranz niederlegen. „Seit Anfang des Monats haben wir dazu auch die offizielle Erlaubnis der Stadt“, freut sich Oliver Duddeck, Vorsitzender des Fördervereins. Denn vor genau 200 Jahren, am 24. März 1813, hatte Albrecht von Estorff das Husaren-Regiment aufgestellt und ausgebildet, aus dem später dann das Dragoner-Regiment wurde. Der Dragoner im Clamartpark hat also Barnstedter Wurzeln.

Geschichts-Interessierte kennen den Namen von Estorff gut: Der Vorfahre des heutigen Barnstedter Gutsherren Christian von Estorff war es, der bei der Schlacht in der Göhrde entscheidend mit zur Niederlage der napoleonischen Truppen beigetragen hatte. Ein Gemälde mit dem Porträt Albrecht von Estorffs hängt noch heute im Barnstedter Gutshaus über dem Kamin.

Doch nicht nur in Lüneburg wird man sich an die Kämpfe gegen die napoleonischen Truppen erinnern: Auch in Dahlenburg werden bereits eifrig Vorbereitungen getroffen. Dort jährt sich das 200. Jubiläum im Spätsommer: Am 16. September 1813 hatten alliierte Truppen – unter ihnen die Husaren unter von Estorffs Befehl – die Franzosen in der Göhrde geschlagen. Am Ende des Gefechts blieben rund 1000 gefallene Soldaten auf dem blutigen Schlachtfeld zurück.

Als Freiheitskämpferinnen berühmt wurden bei den Kämpfen auch zwei Frauen – Johanna Stegen in Lüneburg und Eleonore Prochaska in Dahlenburg, die sich in unbedingtem Widerstandswillen gegen Napoleon als Frau unerkannt dem Lützowschen Freikorps angeschlossen hatte. Während der Schlacht wurde sie verwundet und erlag ihren Verletzungen bald darauf im Dannenberger Lazarett.

Oliver Duddeck kennt die Geschichte des Husaren- und späteren Dragoner-Regiments wie kaum ein zweiter: „Zuerst waren die vier Schwadronen voneinander getrennt in Uelzen, Harburg, Lüchow und Lüneburg untergebracht“, berichtet der geschichtsinteressierte Lüneburger. „Erst 1820 zogen sie zusammen in die Lüner Kaserne.“

Aus dem einstigen Husaren-Regiment wurden die Kronprinzen-Dragoner und ab 1866 schließlich das Dragoner-Regiment 16, das bis 1919 existierte. Danach kam das Reiterregiment 13 (bis 1936), aus dem schließlich – bis 1945 – das Kavallerie-Regiment 13 wurde.

Rund 40 000 Euro wird die Sanierung des Dragoner-Reiters im Clamartpark kosten, der einst von Prof. Emil Cauer dem Jüngeren geschaffen wurde und eine Besonderheit aufweist, die den Lüneburger Reiter geradezu einzigartig macht: Cauer hatte nämlich auch Reiterdenkmale für Ludwigslust und Potsdam geschaffen. Doch diese Skulpturen standen auf allen vier Hufen – im Gegensatz zum Lüneburger Dragoner, der im Trab dargestellt ist.

Für Duddeck und seine Mitstreiter ist klar, dass der Reiter als „sprichwörtliches Denk-Mal“ erhalten bleiben muss. Deshalb haben sie sich nicht nur aktiv für die Restaurierung eingesetzt, sondern sie werden auch ihren finanziellen Beitrag dazu leisten – 15 000 Euro wird ihr Förderverein beisteuern. Wie von der Stadt gefordert. . .