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Nur ein bisschen viel Ballerei

kg Lüneburg. In Übergröße wirft ein Beamer das Fernsehbild an eine Wand der „Hausbar“. Noch vermischen sich die Stimmen der Gäste mit der von Tagesschau-Sprecher Jan Hofer. Die letzten Besucher treffen ein, die letzten Getränke werden an der Bar geholt, und als die Musik von Klaus Doldinger zum vielleicht bekanntesten Vorspann im deutschen TV aus den Boxen tönt, ist es mucksmäuschenstill: Sonntagabend, 20.15 Uhr, Tatort. Fester Termin und Wochenend-Ritual in Millionen deutscher Wohnzimmer. Viele Lüneburger Fans gucken stets gemeinsam – in der studentischen Hausbar an der Rotehahnstraße.

Durchschnittlich 11,4 Millionen Zuschauer verfolgen jeden Sonntagabend den „Tatort“ in der ARD, knobeln mit Kommissarin Lindholm, den Ermittlern Ballauf und Schenck und all den anderen Spürnasen an den neuesten Kriminalfällen. An diesem Sonntag sind es sogar noch mehr Fans als sonst. Etwa jeder dritte Fernsehzuschauer in Deutschland will Nick Tschillers ersten Fall in Hamburg miterleben. Das Debüt von Schauspieler Til Schweiger beschert dem Tatort mit 12,75 Millionen Zuschauern die beste Quote seit 20 Jahren.

Noch nie wurde im Vorfeld so viel über einen neuen TV-Kommissar diskutiert. Denn Schweiger polarisiert. Die einen lieben ihn, die anderen wollen ihn scheitern sehen. Entsprechend erwartungsfroh sind auch die Fans in der Hausbar. „Ich bin gespannt, ob Schweiger das kann“, sagt Tresenkraft Janita Mlotek. Seit der Eröffnung der Hausbar im Mai 2006 gehört der Tatort am Sonntagabend zum Ritual. Fast ebenso lange steht Janita Mlotek schon hinter dem Tresen der Studenten-Kneipe. Sie kennt die Krimifans genau. „Wie viele Leute zum Tatort kommen, hängt immer davon ab, ob gerade Klausurenphase ist, ob Ferien sind, ob es bekannte Gast-Schauspieler gibt und vor allem, welche Stadt gezeigt wird.“ Die Ermittler-Duos aus Münster und Köln führen bei den Lüneburger Studenten die Hitliste an. Doch sie geben dem Neuen eine Chance. „Ich hoffe, dass er es gut macht. Man hat natürlich immer das typische Schweiger-Bild im Kopf, er verkörpert in seinen Filmen immer auch sich selbst“, sagt Andreas Kirschig. Mit seinen Kumpels ist er fast jeden Sonntagabend hier, spielt eine Runde Kicker, trinkt einen Tee und wettet mit den anderen Besuchern beim Täter-Knobeln um ein Freigetränk. „Es ist der Abschluss der Woche. Man trifft sich hier wie in einer großen Familie, um noch einmal runterzukommen, abzuschalten und den Tatort zu gucken.“

Chemielaborantin Jennifer Müller, Stammzuschauerin der Krimireihe in der Hausbar, hat sich ganz bewusst an den Spekulationen um den bekannten Schauspieler als Kommissar im Vorfeld nicht beteiligt. „Angucken und selbst eine Meinung bilden“, lautete ihr Motto. Am Ende findet sie: „Ein bisschen weniger Ballerei hätte es auch getan.“ Umweltwissenschaftlerin Julia Köllner bilanziert: „Am Anfang war es eher so ein bisschen wie Keinohr-Bullen“, spielt sie auf Schweigers Kino-Schlager „Keinohrhasen“ an. „Nach 15 Minuten Schweiger-Gewöhnung wurde es dann aber doch richtig lustig und spannend.“

Das Gros der Meinungen in der Hausbar ist positiv. Seine Bewährungsprobe als Tatort-Kommissar hat Schweiger beim Lüneburger Publikum offensichtlich bestanden.