Donnerstag , 29. September 2016
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Castor bremst Baugebiet

ca Lüneburg. Lüneburg hat ein Atommüll-Problem, denn die Castor-Transporte nach Gorleben bremsen aus Sicht der Verwaltung das Wachstum der Stadt. Sie will auf dem Gelände der ehemaligen Schlieffenkaserne die nächsten 20 Hektar als Baugebiet ausweisen. Doch die Bundespolizei nutzt die alten Bauten an der Bleckeder Landstraße immer dann, wenn wieder ein Zug mit radioaktivem Abfall ins Wendland rollt und die Beamten den Transport sichern müssen. Meistens aber gleichen die Blocks einer von einem Sicherheitsdienst bewachten Geisterstadt – denn die Staatsmacht gibt nur selten ein Gastspiel an der Ilmenau, und so dürfte es vorerst bleiben.

Der Bauausschuss des Rates diskutierte das Thema jetzt und brachte einstimmig Aufstellungsbeschlüsse für einen Flächennutzungs- und einen Bebauungsplan auf den Weg. Dabei geht es um ein Areal, das etwa von der Horst-Nickel-Straße bis zur Ostumgehung reicht. Den vorderen Part nutzen seit Jahren Behörden wie Arbeits-, Verwaltungs- und Sozialgericht, daneben wachsen und wuchsen zwischen alter Standortverwaltung und Kaserne Häuser empor, bald sollen die nächsten Flächen erschlossen werden.

Dann bliebe da der große Rest, die Idee: Wie ein Riegel sollen Gewerbebauten zur Ostumgehung beziehungsweise zur geplanten A 39 liegen, dahinter könne dann Wohnbebauung hochgezogen werden.

Parteiübergreifend begrüßten Politiker die Überlegungen, die Stadtbaurätin Heike Gundermann vorstellte. Einig waren sich die Ausschussmitglieder mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge, dass Lüneburg hier mitten in der Stadt Wohnraum schaffen kann, der immer stärker nachgefragt wird. Bekanntlich steigen die Einwohnerzahlen durch Zuzug kontinuierlich an. Doch der Verwaltungschef klagte, dass „die Flächen für eine Woche Castor im Jahr“ blockiert werden.

Das Ende der Transporte nach Gorleben ist aber absehbar – solange in der Tiefe des Salzstocks kein Endlager entsteht. Jürgen Auer, Sprecher des GNS, die das Zwischenlager für ausgediente Brennelemente betreibt, sagt: Der nächste Zug werde voraussichtlich 2015 rollen. Die Bundesrepublik müsse dann hochradioaktiven Müll zurücknehmen, der im britischen Sellafield bearbeitet worden sei. Dabei gehe es um 21 Behälter, die eigentlich in Sechserpaketen verfrachtet werden sollen. Da der Aufwand immens sei, eben auch wegen Demonstrationen und der Polizeibegleitung, hoffe man, den Atommüll zu je sieben Castoren bündeln zu können. Das würde dann drei statt vier Fuhren bedeuten. Dazu müssen laut Auer noch fünf Behälter mit mittelradioaktivem Abfall aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague zurückgenommen werden. Das heißt, 2018 oder 2019 könnte die letzte Fuhre ins Wendland anstehen.

Derzeit lagerten laut Auer 113 Behälter in der Halle im Gorlebener Wald, für 420 wäre Platz. Im Moment seien keine weiteren Transporte erkennbar. Atomkraftgegner hingegen befürchten, dass sehr wohl weitere Castoren ins Wendland gebracht werden könnten.

Der Sprecher der Bundespolizei in Bremen, Holger Jureczko, erklärt, dass seine Behörde die städtische Entwicklung nicht blockieren wolle. Aber es sei die Entscheidung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), wie sie mit der Liegenschaft in der alten Schlieffenkaserne umgehe. Eine entsprechende Anfrage der LZ konnte die Bima gestern nicht beantworten.

Ein weiteres Thema im Ausschuss war die Nutzung des ehemaligen Sperli-Geländes am Wilhelm-Hänel-Weg in Ochtmissen. Wie berichtet, hatte dieses Thema kürzlich der Ortsrat diskutiert. Investoren wollen bestehende Gebäude für Gewerbe nutzen und Wohnhäuser errichten, Details müssen noch geklärt werden. Der Ausschuss befürwortete Aufstellungsbeschlüsse für Flächennutzungs- und Bebauungsplan.