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Die Klimaweisen

kg Lüneburg. Welche Fakten müssen Kinder kennen, um den Klimawandel zu verstehen und künftig dagegen anzugehen? Ist Kampagnen-Organisation dabei möglicherweise wichtiger als meteorologisches Grundlagenwissen? Für das niedersachsenweit einzigartige Projekt „Die Klimaweisen“, eine Kooperation zwischen Volkshochschule Lüneburg und der Leuphana, werden Senioren zu Klima-Fachleuten ausgebildet. Ab Sommer sollen sie Kinder in Grundschulen und Kindertagesstätten für das Thema Klimawandel sensibilisieren. Das Projekt baut darauf, dass Senioren als potenzielle Großeltern besonderes Vertrauen bei der jungen Generation genießen und Klima-Veränderungen im Laufe ihres Lebens miterlebt haben. Doch zunächst müssen die Teilnehmer selbst die Schulbank drücken: Bis Anfang Juni stehen Faktenwissen, Didaktik und die Entwicklung eigener Lehrkonzepte auf dem Programm.

„Es geht uns bei dem Projekt nicht nur um den pädagogischen Wert, sondern auch darum, das Potenzial dieser Menschen zu nutzen“, erklärt Dr. Christine Katz, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität und Dozentin an der VHS. Der Kursus richtet sich an Senioren ab 55 Jahren. „Diese Generation ist durch die Öko-Bewegung und die Grünen sehr für das Thema sensibilisiert“, glaubt sie. Außerdem fühlten sich viele von ihnen verantwortlich, da ihre Generation einen großen Teil zum Klima-Drama beigetragen hätte.

Ende Februar ist der Kursus mit neun Teilnehmern gestartet. Zu Beginn stehen Fakten und Szenarien zum Klimawandel und seinen Folgen auf dem Programm. Anschließend erhalten die angehenden Klimaweisen das didaktische Rüstzeug für die Arbeit mit Kindern und entwerfen eigene Konzepte für den Besuch in Kindertagesstätten und Grundschulen. Für fast alle Teilnehmer ist der zweite Teil die größere Herausforderung. „Den pädagogischen Umgang mit den Kleinen muss ich erst lernen“, sagt Olaf-W. Naatz. Der ehemalige Meteorologe ist seit fünf Jahren pensioniert und sieht in der Fortbildung die Chance, selbst etwas zu lernen und gleichzeitig etwas für die Kinder zu tun. „Natürlich profitiere ich von meinem Expertenwissen und kann es teilweise weitergeben. Gleichzeitig bringe ich mich wieder auf den neuesten Stand. In den vergangenen fünf Jahren hat sich einiges verändert.“

Zu Beginn der Seminarstunde hält er einen kurzen Vortrag über die Begriffe Wärme, Temperatur und Energie. „Wo liegt der Unterschied und welche Temperatur hat eigentlich der Weltraum?“, fragt er in die Runde. Doch wie viele dieser Fakten müssen die Klimaweisen überhaupt wissen, um bei den Kindern ein Bewusstsein für Klimaschutz aufzubauen? „Es ist viel wichtiger, dass wir als Oma und Opa zu den Kindern sprechen, nicht als Lehrer. Da muss viel Spaß im Spiel sein“, meint Susanne Schulz. Seit 20 Jahren arbeitet sie bei der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und ist mit 50 Jahren das Küken der Klasse. Ihr neu erlerntes Wissen möchte sie auch im Beruf ein- und Projekte mit Kindern umsetzen. „So können wir viel bewirken, denn die Eltern und Großeltern lernen mit den Kleinen mit.“

Die Fortbildung verfolge zwei wichtige Ansatzpunkte, verdeutlicht Katz: Die Teilnehmer sollten selbst ihren Platz zwischen Horrorszenarien in Medien und der Passivität der Politik finden und sich ihre eigene Meinung über den Klimawandel bilden. Zu Gast ist auch Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik bei Greenpeace Deutschland, er berichtet aus seiner Arbeit. Katz sagt: „Den Kindern wollen wir vermitteln, dass man als Individuum durchaus die Pflicht hat, sich einzumischen.“

Mit ihren drei Mitstreitern aus dem Leitungsteam betreibt sie bei Grundschulen und Kitas Werbung für das Projekt. „Ältere Kinder bleiben zunächst außen vor, da man mit Jugendlichen anders umgehen muss“, sagt Katz. Auch wenn die Klimaweisen die Einrichtungen sicher nur ein- bis zweimal pro Halbjahr besuchen, hofft sie, dass die Aktion das Bewusstsein für den Klimawandel generationsübergreifend stärken kann. Grundschulen und Kindertagesstätten, die Interesse am Mitmachen haben, können sich bei der Volkshochschule melden.