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Bücher mit Kinderaugen sehen

emi Lüneburg. „Wie kommen Esel und Schildkröte ins Baumhaus?“, fragt Jan, und macht große Augen. Die Frage des Zweitklässlers bringt Valerie Ahlfeld und Magda Napiorkowski ganz schön in Erklärungsnot. „Das müssen wir wohl noch im Bild umsetzen.“

Die beiden sind zwei von 22 Leuphana-Studenten, die jetzt den Kindern der Igelschule den Entwurf für ihr interkulturelles Kinderbuch vorstellten. Dabei bekamen sie viele wertvolle Denkanstöße – und auch die Schüler erhielten wichtige Rückmeldungen für ihre selbst verfassten Bildergeschichten.

Das Zusammentreffen zwischen den jungen und ganz jungen Autoren findet im Rahmen eines Uni-Projektes von Ekhard Ninnemann statt, der selbst als Schulbuchautor bekannt ist. „Dieser Austausch beflügelt offenbar beide Seiten“, berichtet der 67-jährige Dozent. „Er bringt gegenseitiges Feedback, einen neuen Blick auf das Medium und ein Verstehen vom eigenen Schreiben her.“

Studenten mit oder ohne Vorkenntnisse haben seit Semesterbeginn in Tandems interkulturell geprägte Entwürfe für Kinderbilderbücher erarbeitet. Ein Partner war dabei eher für den bildlichen, der andere für den sprachlichen Teil zuständig. Ziel und zugleich Prüfungsleistung ist ein Teamentwurf, dessen Werdensprozess nachvollziehbar sein soll.

Valerie Ahlfeld und Magda Napiorkowski sind gespannt auf die Kritik der Kleinen. Gerade haben sie die Geschichte von Esel Jonte und seinen Freunden ihrer Schülergruppe vorgelesen, nun fragen sie in die Runde: „Was fandet ihr langweilig? Was war spannend? Was habt ihr nicht verstanden?“ Parallel zeigen sie ihre selbst entworfenen Bilder auf einem Laptop.

Während sich die Achtjährigen in der Schulbibliothek über die Entwürfe beugen, liest Zweitklässler Leonhard im Klassenraum gegenüber Fragen an Kristina Mauer und Dana Hachmann vor. Die Studentinnen der Kulturwissenschaft haben sich etwas ganz Besonderes für die Kinder einfallen lassen: Sie haben ihre Buchprotagonisten, einen Frosch im rosa T-Shirt und eine Gans mit blauer Mütze, mit Modelliermasse zu kleinen Figuren geformt. Die Schüler sind begeistert.

Das wird in der Rückmelderunde im Sitzkreis deutlich. Auf die Frage von Lehrerin Silke Pyroth „Sollen wir das mal wieder machen?“ schallt es laut „Jaaaaa!“ aus mehr als 20 Mündern. „Was hat euch denn so gut gefallen?“, will Pyroth wissen, und augenblicklich schnellen viele Hände nach oben. „Das hat Spaß gemacht, wir haben Tipps für unsere eigene Geschichte bekommen, das war mal etwas anderes als eine normale Schulstunde“ sind nur einige der ausschließlich positiven Rückmeldungen.

Auch die Studenten sind bis auf Kleinigkeiten mit dem Ablauf zufrieden. Als die Schüler längst wieder im Unterricht sitzen, tauschen sich die Autoren mit Dozent Ninnemann und der Illustratorin Sabi Heumann in der Schulaula noch lange über ihre Erfahrungen aus. Fazit: „Die kindliche Sichtweise ist ganz anders als unsere, das hat sehr viel gebracht.“

Die Anregungen der Zweitklässler sollen nun in die weitere Arbeit einfließen. Denn wenn die Studenten den Geschmack ihrer Zielgruppe treffen, winkt vielleicht eine eigene Buchveröffentlichung. Eines steht laut Ninnemann jedoch schon jetzt fest: „Wir werden die Bücher in der Bibliothek der Igelschule ausstellen.“ Dann erfahren Jan und seine Mitschüler auch endlich, wie Esel und Schildkröte ins Baumhaus kommen.