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Eine würdige Gedenkstätte

emi Lüneburg. Vor mehr als 70 Jahren wurden ihre Leichname verscharrt, weil sie als „lebensunwert“ galten. Jetzt sollen die mehr als 350 Opfer der sogenannten Kindereuthanasie eine würdige Gedenkstätte erhalten. Die Kinder waren im Nationalsozialismus Psychiatriepatienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt. Sie wurden von Ärzten und Pflegern mittels Mangelernährung und Überdosen des Schlafmittels Luminal ermordet, anschließend auf dem Anstaltsfriedhof verscharrt, der heutige Friedhof Nord-West auf Höhe Gut Wienebüttel. Im Grünflächen- und Forstausschuss wurde jetzt ein gemeinsamer Anlagen-Entwurf der Stadt sowie der Arbeitsgruppe (AG) Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“ der Psychiatrischen Klinik Lüneburg für alle Opfer vorgestellt.

Konkreter Anlass für das Vorhaben ist die für den 25. August geplante Beisetzung der Gehirnpräparate von zwölf Opfern, die zwischen 2011 und 2012 im Hamburger Institut für Geschichte und Ethik entdeckt wurden. Diese Präparate können über Patientendokumente eindeutig verstorbenen Lüneburger Kindern zugeordnet werden.

Aktuell erinnert ein sehr allgemein gehaltener Gedenkstein im Eingangsbereich des Friedhofs an die Opfer. Dieser soll an eine Stelle im nordwestlichen Bereich umgesetzt werden, an der man die Kindergräber vermutet. Die Lage der Grabstätten lasse sich heute jedoch nur ungefähr erahnen, erläuterte die Verwaltung. Es habe Überbettungen gegeben.

Die quadratische Anlage um den Gedenkstein soll mit einem rot-gelben Klinkerband umrandet werden – den Fassaden des heutigen Klinikums nachempfunden. Der Boden zwischen den Begrenzungen soll dem Entwurf zufolge schwarzen Basaltsplitt erhalten.

Auf dem Friedhof befinden sich außerdem Kriegsgräber. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“ wollen gemeinsam Informationstafeln aufstellen: Eine große Tafel zur Orientierung im Haupteingangsbereich des Friedhofs, um kenntlich zu machen, wo die verschiedenen Grabstätten auf dem Friedhof zu finden sind, und jeweils eine kleinere Pulttafel mit genaueren Informationen an den zwei konkreten Orten. Angedacht ist, in der Nähe der Kindergräber eine beispielhafte Biografie anzubringen.

„Die Tafeln werden allerdings nicht bis August fertig. Die Inhalte sollen erst noch im Rahmen eines pädagogischen Projektes erarbeitet werden“, sagt Dr. Carola Rudnick, wissenschaftliche Ansprechpartnerin der AG, auf LZ-Nachfrage. „297 Namen der Kinder der Kindergrabstätte sind bekannt – allerdings sind nicht alle der durch Euthanasie gestorbenen Kinder dort bestattet worden.“

Die Historikerin äußerte in der Sitzung den Wunsch, dass Oberbürgermeister Ulrich Mädge während der Bestattung und Einweihung der Gedenkanlage eine Rede halten möge. „Außerdem sollen auch die Verantwortungsträger der Klinik von heute bei der Bestattung eine Rolle spielen.“

Rudnick ist im Moment auf der Suche nach Angehörigen der zwölf Kinder, deren Präparate am 25. August bestattet werden sollen: „Wer sicher weiß, dass ein Familienmitglied zwischen Dezember 1941 und September 1942 in der Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg gestorben ist, kann sich bei mir melden.“

Kontakt: Tel.: (0 41 38) 51 01 31 oder per E-Mail an die Adresse c-rudnick@t-online.de.