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Schwitzen für eigenen Raum

akm Lüneburg. Mit Schubkarre und barfüßig schleppt sich Musiklehrer Jan Sielemann die Anhöhe am Sportplatz der Herderschule hoch. Je größer die Anstrengung, desto höher die Einnahmen, scheint es. Hinter ihm trabt Imke Richter. Die Neuntklässlerin hat rote Wangen und müde Beine. Seit zweieinhalb Stunden rennt sie um das Schulgelände am Ochtmisser Kirchsteig, es ist ihre 21. Runde – macht umgerechnet gut 18 Kilometer Laufstrecke. Schulleiterin Michaela Tauffenbach ist überwältigt: „Wahnsinn. Da sieht man, dass es eine echte Herzensangelegenheit der Schüler ist.“ Seit Jahren wünschen sich die Herderschüler einen eigenen Aufenthaltsraum, doch mit dem Wachstum der Schule schrumpften zunehmend die räumlichen Kapazitäten. Derzeit heißt der Aufenthaltsraum am Gymnasium Eingangshalle, kritisiert Schulsprecher Nils Sommer. Ein Zustand, gegen den die Schüler beim Sponsorenlauf mit aller Macht anliefen, 15, 20 oder sogar 42 Runden, mit denen ein Sechstklässler den Rekord holte.

Und dabei hatten die Läufer erschwerte Bedingungen, betont Ingo Schneider, Beratungslehrer der Schülervertretung. Denn nachdem das Ordnungsamt sich geweigert hatte, Straßen für den Lauf zu sperren, mussten Schulgelände, Sportplatz und Bürgersteige in Innen- und Außenrunde unterteilt werden. „Entsprechend katastrophal ist jetzt die Streckenführung“, meint Schneider. Der guten Laune aber tat das keinen Abbruch. Zu hoch war die Motivation und zu mitreißend das Begleitprogramm mit Schülerbands, Showeinlagen und tanzendem Flashmob.

Wie viel für den neuen Raum zusammen kam, konnte noch nicht errechnet werden, nur ein Drittel des Geldes fließt in die Schule, der Rest geht an karitative Einrichtungen. „Das wird trotzdem jede Menge sein“, ist Direktorin Michaela Tauffenbach überzeugt. Zumal der Hauptsponsor allein für den Start jedem der 835 Teilnehmer 3,50 Euro zahlt. Hinzu kommen diverse andere Geldquellen. Für die Schulleiterin, die selbst mitläuft, zahlt ihr 88-jähriger Vater: „Er hat sich aber vorher versichert, dass ich nicht zu viel laufe“, verrät sie und lacht. Ist das Geld schließlich zusammen, gilt es, die nächste Hürde zu nehmen. Denn nicht viele Räume kommen noch in Frage in der Herderschule, nicht alle erfüllen die formalen Anforderungen, etwa an den Brandschutz. „Wir verhandeln jetzt“, sagt Tauffenbach zuversichtlich.