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Hotel wird zum Juwel

rast Lüneburg. „Der gesamte Flügel, der Anbau war marode, die Zimmer waren sanierungsbedürftig, eines mussten wir wegen eines Wasserschadens ganz dicht machen.“ So schildert Thomas Brakel noch recht vorsichtig, wie der Zustand seines Hotels Bremer Hof vor der aufwendigen Sanierung war. Mit einer fantastischen Architektenleistung, einem engagierten Handwerkertrupp, geduldigen Mitarbeitern und verständnisvollen Gästen wurde in 14 Monaten Bauzeit während des laufenden Hotel- und Restaurantbetriebs aus dem maroden Gebäude ein architektonisches Juwel. Nicht umsonst ist das Hotel Bremer Hof eines der beiden Objekte, die sich die Architektenkammer Niedersachsen in Lüneburg zum landesweiten „18. Tag der Architektur“ am Sonntag, 30. Juni, als gelungene Beispiele ausgesucht hat.

„Das war eine große Herausforderung“, sagt der federführende Lüneburger Architekt Matthias Meinheit, der Interessierte am Sonntag durch den denkmalgeschützten Hotelkomplex leitet und auch Bilder der Bauarbeiten zeigen wird. Die Führungen beginnen um 11.30, 13.30 und 15.30 Uhr, Treffpunkt ist an der Rezeption.

„Architekten prägen mit ihrer Arbeit die gebaute Umwelt, sie tragen gesellschaftliche, soziale und kulturelle Verantwortung“, sagt Wolfgang Schneider in seiner Funktion als Präsident der Architektenkammer: „Sie schaffen und erhalten Identitäten und Erinnerungen.“ Der Tag der Architektur gebe allen Besuchern ein kommunikatives Forum, über alle Fragen des Bauens zu diskutieren und dabei Architektur zu erleben. Und erlebt hat auch das Ehepaar Kerstin und Thomas Brakel einiges an Überraschungen in seiner Bauherren-Funktion, denn eine Generalsanierung, wie sie jetzt über dreieinhalb Jahre von der ersten Planung bis zur Bauabnahme im März 2012 erfolgte, war zunächst gar nicht geplant – ebensowenig die Baukosten in Höhe von letztlich rund 1,5 Millionen Euro.

Das Hauptgebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Anbau wurde um 1900 herum als Brauereigebäude errichtet. Im Jahre 1889 übernahmen die Brakels das Bauwerk, Kerstin und Thomas Brakel führen das Haus nun in vierter Generation. Der gesamte Komplex spiegelt verschiedene Bauepochen wider. „Ein altes Fachwerkhaus mit neuem, nicht brennbarem Material zu sanieren“, dabei den alten Charme zu bewahren – das ist laut Matthias Meinheit die große Herausforderung gewesen. Dabei ging es um eine Nutzfläche von 1000 Quadratmetern. Der Architekt fasst einen Teil der Arbeiten in Stichworten zusammen: „Modernisierung der Zimmer, Brandschutz nach aktuellem Stand, dabei der Blick auf funktionelle Abläufe etwa durch klare Zugänglichkeiten zu Frühstücksraum, Küche und Keller, Haustechnik.“ Im Vorderhaus wurden vier neue Doppelzimmer, ein Einzelzimmer sowie eine Wohnung errichtet. Frühstückssaal und Küche wurden total neu gestaltet – auch das bei laufendem Betrieb. Thomas Brakel: „Die Küche war nur noch eine kleine Kochkiste, in der gezaubert wurde.“

Im Anbau gibt es nun drei Appartements, die über zwei Etagen laufen und auch als Familienzimmer geeignet sind. Hieraus gibt es einen herrlichen Blick auf die Nicolaikirche – und eine weitere Besonderheit laut Matthias Meinheit: „Wir durften die alten Fenster sogar innerhalb einer Brandschutzwand erhalten. Hier wie auch an anderen Stellen gab es viele baurechtliche Sonderlösungen.“ An die Bauarbeiten erinnern etliche faszinierende Fotografien in den Hotelgängen. Dass sich die Arbeit gelohnt und sich das Gesamtkonzept ebenso wie viele liebevolle Details sehen lassen können, davon können sich die Besucher am Sonntag überzeugen.