Dienstag , 27. September 2016
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Den Preis leider verdient

kg Lüneburg. „Hat die EU den Friedensnobelpreis verdient?“ So lautete die Frage beim Essay-Wettbewerb der Lüneburger Universität in Kooperation mit dem Heinrich-Heine-Haus. „Leider ja“, lautete die Antwort von Jacqueline Oeschger, Siegerin in der Kategorie „Studenten“. In den geforderten 1000 Wörtern erörtert sie aus einer persönlichen Perspektive heraus den Wertverfall des Nobelpreises. Die Auszeichnung der EU komme zwar nicht dem Preis eines Albert Schweitzers gleich, reihe sich jedoch in die umstrittenen Preisträger der vergangenen Jahre ein, findet Leuphana-Studentin Oeschger.

Bei der Preisverleihung im Heinrich-Heine-Haus ehrte die Jury, besetzt mit Kerstin Fischer, Geschäftsführerin des Literaturbüros Lüneburg, Simon Kerbusk, Chefredakteur von ZEIT Campus, Uni-Präsident Sascha Spoun und Philosophie-Professor Christoph Jamme, die Gewinner der Plätze 1 bis 3 in den beiden Kategorien „Schüler“ und „Studenten“. Insgesamt erhielt sie knapp 200 Einsendungen zum Thema Europa von Schülern der Stufen 11 bis 13 sowie Studienanfängern aus ganz Deutschland.

„Dabei stand die Frage nach einer europäischen Identität im Mittelpunkt“, sagt Initiator Jamme. Die EU hätte derzeit schließlich keinen besonders guten Ruf und zahlreiche Probleme, da die Gemeinschaft auf politischen und ökonomischen, nicht aber auf kulturellen Verbindungen basiere. „In diesem schwierigen Thema haben die Teilnehmer mit ihrer Sprachfähigkeit der Sprachlosigkeit getrotzt“, sagt Christian Kölzer, der als persönlicher Referent Präsident Sascha Spoun an diesem Abend vertrat.

In der Kategorie „Studenten“ ehrte er neben Oeschger Lukas Wetzel von der Universität Tübingen mit dem zweiten und Thilo Adrian Ehmke von der Leuphana mit dem dritten Platz. Bei den Schülern gelangten Siegerin Anna Kogiomtzidis aus Hannover, Ricarda Spohr aus Essen sowie Isabella Höfling aus Karlstadt aufs Treppchen. Als Preis erhielten die jeweils Drittplatzieren einen E-Book-Reader, die Erst- und Zweitplatzierten können diesen Sommer mit Interrail-Tickets Europa hautnah erleben.

Zu ihrem Text inspiriert hat Preisträgerin Jacqueline Oeschger das flüchtlingspolitische Manifest „Europa macht dicht“. „Das hatte ich gerade erst gelesen, und dann bin ich auf dem Campus über den Wettbewerb gestolpert.“ Die 22-jährige Freiburgerin studiert im Studium Individuale im zweiten Semester. Im ersten Leuphana-Semester hätte sie noch mehr Zeit zum Schreiben gehabt, sagt sie. Nun würde der Stundenplan aber immer straffer.

Deshalb wünscht sich Kölzer noch mehr Orte an der Leuphana, an denen Studenten ihre Texte vortragen könnnen. „Wir haben einen riesigen Campus, den sollten wir mehr dafür nutzen.“ Denn erst wenn man den Worten Raum gebe, könnten diese wachsen. Die Jury sei überrascht gewesen, wie differenziert und gleichzeitig unverbraucht die jungen Menschen ans Thema herangegangen seien. Kölzer: „Ein Europa, das solche Fürsprecher findet, hat für die Zukunft gute Chancen.“