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Viel Lob, aber auch ein wenig Kritik

rast Lüneburg. Die Sanierung des kleinen, alten Wasserturms an der Rathsmühle ist gelungen. Dagegen ist der Kalkbruch in miserablem Zustand, verkommt zur Müllkippe – er sollte zu einer Grünanlage umgestaltet statt mit Müll gefüllt werden. Und wünschenswert ist, dass der Parkplatz am Johanneum an der Haagestraße wieder öffentlich wird. Das waren Lob, Tadel und Wünsche, die der Bürgerverein Lüneburg 1973 in seiner ersten Rot-Blau-Weißen Mappe veröffentlichte. Am Freitag, 28. Juni, stellt der Vorsitzende Rüdiger Schulz um 19 Uhr im Glockenhaus die Jubiläumsausgabe vor und zieht eine Bilanz zu 40 Jahre Rot-Blau-Weiße Mappe.

Das Werk, das dem Bürgerverein den Spitznamen „Gewissen der Stadt“ einbrachte und über Politik und Verwaltung viel im Lüneburger Stadtbild bewirkte, hätte laut Schulz auch „Drischler-Mappe“ heißen können: „Denn die Anregung, Lob und Tadel über Geschehnisse, Leistungen und Unterlassungen in unserer Stadt während des jeweils vergangenen Jahres auszusprechen, kam vom stellvertretenden Vorsitzenden Karl Drischler.“ Letztlich entschied man sich jedoch für Lüneburgs Stadtfarben im Titel der Mappe, für die die Rote Mappe des Niedersächsischen Heimatbundes Pate stand. Die Mappe enthält auch die Stellungnahmen des Oberbürgermeisters zu den einzelnen Punkten.

Bis auf wenige Ausnahmen überwog in den Mappen das Lob, auch 2013. Das gilt vor allem für die neue Musikschule, Schulz: „Lobenswert ist nicht nur der Bau, die Gestaltung und Einrichtung der Musikschule, die zweckmäßig und doch harmonisch zwischen das Ensemble aus Theater und St.-Ursula-Schule eingebunden und mit diesen auch verbunden ist, sondern auch das Engagement der Lehrenden in diesem Ambiente.“ Lob gibt’s für den neugestalteten St.-Stephanus-Platz in Kaltenmoor, der „an Format gewonnen“ hat. Oder für den Abbruch der maroden Nordlandhalle: „Endlich ist ein Schandfleck verschwunden.“ Gewürdigt wird die Arbeit der Stadtteilhäuser: „Beispiele für gelebte mitmenschliche Gemeinschaft.“ Bei den Festen war der Hansetag „eine prächtige Werbung für unsere Heimatstadt“.

Kritisiert wird unter anderem der Zustand der Teiche, vor allem der des Schierbrunnenteichs. Dazu sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge: „Die Schwierigkeit besteht darin, alle das Schiergrabensystem betreffenden Belange in Einklang zu bringen. Aufgrund intensiver Freizeitnutzung wird das System und sein Umfeld durch weggeworfenen Abfall stark beansprucht. Der Abfall wird in regelmäßigen Abständen gesammelt und entsorgt.“

Ein weiterer Kritikpunkt gilt „unseren schlechten Radwegen“, insbesondere der Strecke Schießgraben-/Willy-Brandt-Straße. Die Stelle ist der Stadt bekannt: „Doch durch die räumliche Enge von Lösegraben, Stadtring, Bebauung und Ilmenau sind Verbesserungen schwer umsetzbar“, sagt Mädge. Zum Radverkehr insgesamt sagt er, der 3. Nationale Radverkehrskongress habe im Mai empfohlen, 8 bis 18 Euro pro Einwohner für den Radverkehr zu investieren: „In Lüneburg sind es in diesem Jahr 9,70 Euro. Für den Radverkehr stehen 2013 insgesamt 704 000 Euro zur Verfügung, von denen 329 000 Euro in 17 Projekte fließen.“

Sorgen macht sich der Bürgerverein um die künftigen Bewohner des Baugebietes An der Wittenberger Bahn, Schulz: „Im näheren Bereich zur Bahntrasse sind schon heute die Güterzüge laut zu hören. Durch das dritte Gleis wird der Güterverkehr zunehmen.“ Mädge beruhigt: Durch eine Lärmschutzwand und eine „Lärmriegel-Bebauung“ könnten „in Verbindung mit passiven Lärmschutzmaßnahmen an den Gebäuden“ im gesamten Gebiet „gesunde Wohnverhältnisse“ erreicht werden. Der Verein begrüßt auch, dass die „Schrottplätze“ – die Anlagen mit den Müllcontainern – im Eingangsbereich zu Wilschenbruch verschwinden. Laut Mädge bleibt die Erreichbarkeit des Stadtteils für alle Fahrzeuge, die die Anbindungen Amselbrücke und Pirolweg nicht nutzen können, aber gewährleistet: „Durch die Herstellung einer attraktiven Wegebeziehung im geplanten Ilmenau-Ufer-Grünzug wird die Radfahr- und fußläufige Anbindung erheblich verbessert.“

Der Bürgerverein wünscht sich nach Hamburger Vorbild auch einen digitalen Rundgang durchs Lüneburger Rathaus im Internet. Das lehnt der Verwaltungschef allerdings ab – „da wir die Gäste bewegen wollen, selbst ins Rathaus zu gehen“.

Jeder Gast, der heute zur Präsentation kommt, erhält kostenlos eine „Rot-Blau-Weiße Mappe“, sie kann auch angefordert werden bei Rüdiger Schulz unter Tel.: 5 22 88.