Mittwoch , 28. September 2016
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Neue Blickwinkel entdecken

akm Lüneburg. Die dringlichen Fragen der Menschheit sind globaler Natur. Global müssen daher auch deren Antworten sein, meint Heinz-Jürgen Rickert, niedersächsischer Landeskoordinator der Unesco-Projektschulen. Ob der Hunger der Weltbevölkerung, der Kampf um Ressourcen oder die Zerstörung der Umwelt. „Große Probleme müssen in kleinen Schritten angegangen werden, und zwar gemeinsam, kulturübergreifend“, sagt Rickert. Einen Anfang machen soll hier die bundesweit einmalige euro-afrikanische Jugendakademie, in der deutsche und afrikanische Schüler gemeinsam nach Lösungen für die Zukunft suchen.

Insgesamt 24 Schüler aus Unesco-Schulen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern nehmen an dem Projekt teil. Auswahlkriterien waren neben guten Englischkenntnissen Vorerfahrungen im interkulturellen Bereich. Bevor die Teilnehmer aber im September an die Unesco-Projektschule in Kisangara in Tansania fliegen, wartet noch viel Arbeit auf sie.

„Alle Jugendlichen entwickeln eine Projektidee aus dem Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung“, erklärt Rickert. Diese Projekte sollen lokal und möglichst auf beiden Kontinenten umsetzbar sein. Beim ersten Vorbereitungstreffen in der Volkshochschule Lüneburg steht vor allem das Thema Konsum im Vordergrund. Die Jugendlichen planen das Führen von Energietagebüchern, die Optimierung von Nahrungsmittelketten und drastische Papiereinsparungen an ihren Schulen.

Auch gesellschaftspolitische Fragen werden beim einwöchigen Workshop in Tansania thematisiert. Etwa die Folgen von Kapitalismus und Gier, unter anderem am Beispiel Chinas. „Die Europäer kritisieren den Neokolonialismus der Chinesen, die Tansanier befürworten die Entwicklung ihres Kontinents durch die Chinesen.“ Beide Blickwinkel seien zu einseitig, sodass durch den Perspektivwechsel Synergieeffekte entstehen könnten, glaubt Rickert.

Auch Rickerts Projektassistent ist von den Vorteilen gemeinsamen Lernens überzeugt. Mit seinen 19 Jahren war Philip Miles Pankow bereits bei Projekten im Oman, in Bahrain, in Litauen und in der Slowakei dabei. „Jeder interkulturelle Dialog ist packend“, findet er. Vor allem seine Erlebnisse im Oman 2008 haben bei dem Abiturienten Spuren hinterlassen. „Damals dachten wir bei verhüllten Menschen sofort an Terrorismus“, erzählt Pankow, stattdessen lernte er überall Gastfreundlichkeit und Wärme kennen. Am letzten Tag kaufte sich Pankow selbst ein arabisches Gewand, und trägt es heute an heißen Tagen.

Finanziert wird die Akademie unter anderem durch Landes- und Bundesmittel. Für die Unterhaltung und Gründung weiterer Modellschulen in Afrika würden weitere Sponsoren benötigt, betont Heinz-Jürgen Rickert. Informationen hierzu gibt der Unesco-Landeskoordinator unter Tel.: (0175) 7 25 05 86 oder per E-Mail-Anfrage an juergenrickert@gmx.de.