Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Grundstück mit Kläranlage
3378585.jpg

Grundstück mit Kläranlage

as Lüneburg. Sie liebe Lüneburg und das Flair der Stadt, sagte Nicole von Kiwa aus Buchholz. Zufällig sei sie mal durch die Frommestraße gefahren, die Häuser hätten es ihr angetan. Seit gestern ist die Buchholzerin Eigentümerin des Grundstücks Frommestraße 5, auf dem sich aber nur Schutt vom Abriss des Hauses türmt. Im Boden soll sich laut Grundbuch noch eine Kläranlage verbergen. Mit dem Höchstgebot von 70 000 Euro erhielt Nicole von Kiwa den Zuschlag bei der Zwangsversteigerung im Lüneburger Amtsgericht, beantragt hatte diese die Sparkasse Herzogtum Lauenburg.

Im Saal 125 des Amtsgerichts war um 10.30 Uhr kein Platz mehr frei, als Rechtspfleger Ulrich Adam die Zwangsversteigerung eröffnete. Das große Interesse dürfte sich auch darin begründen, dass in der Frommestraße in den vergangenen Jahren der Häuserkampf tobte. Wie berichtet, hatten Gutachten attestiert, dass durch die zunehmende Senkungsrate die Häuser akut einsturzgefährdet seien und abgerissen werden müssten. Anwohner und eine Bürgerinitiative hatten das Vorgehen massiv kritisiert. Mitte November 2012 wurde das Haus Nr. 4, das Investor Jürgen Sallier gehört, unter Protest geräumt. Das Haus Nr. 5 war bereits im Juni 2012 geräumt worden. Im September hatte der Rat beschlossen, dass keine weiteren Sicherungsmaßnahmen mehr erfolgen sollten. Der Eigentümer Wolfgang Howe war laut Stadt in Mexiko abgetaucht. Ende des Jahres wurden beide Häuser abgerissen.

Gleich einem Schnäppchen wirkte der Verkehrswert des 501 Quadratmeter großen Grundstückes Frommestraße 5 mit einem Euro. Das Mindestgebot benannte Rechtspfleger Ulrich Adam jedoch mit rund 3412 Euro, enthalten sind Gerichtskosten und die ausstehende Grundsteuer B für die vergangenen zwei Jahre. Eintragen lassen habe die Sparkasse Herzogtum Lauenburg laut Adam eine Grundschuld in Höhe von 550 000 Euro. Die Hansestadt Lüneburg mache zudem Sicherungshypotheken in Höhe von insgesamt rund 260 000 Euro geltend, für Sicherungsmaßnahmen und den Abbruch.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, forderte Adam auf: „Nun bieten Sie mal schön.“ 30 Minuten Bietzeit, Nicole von Kiwa machte mit 30 000 Euro das erste Gebot. Kurz darauf verließ Investor Sallier den Sitzungssaal. 10.43 Uhr verkündete Adam: „31 000 Euro von Herrn Schweitzer.“ Wenig später kam Sallier zurück. Und auch der Lüneburger Architekt Wolfgang Dimke betrat den Saal, erkundigte sich, wie hoch das aktuelle Gebot sei. Dimke bot dann 35 000 Euro. Im Wechsel mit den anderen beiden Bietern ging es hoch bis 69 000 Euro. Zu guter Letzt legte die Buchholzerin noch 1000 Euro drauf und erhielt den Zuschlag.

Die neue Eigentümerin strahlte. Investor Sallier gab ihr seine Karte, stellte sich „als Nachbar Ihrer Kläranlage“ vor. Auf die Frage der LZ, was sie denn nun mit dem Grundstück vorhabe, zeigte sich Nicole von Kiwa verhalten. „Ich kann mir alles vorstellen.“ Wenn es keine Baugenehmigung gebe, sei das auch kein Problem. Aber sie könne sich damit anfreunden, dort zusammen mit jemandem etwas zu machen, zum Beispiel eine „kulturelle Nutzung“.

Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck stellte auf Anfrage gestern noch einmal klar: „Die Senkungsrate ist nach wie vor unverändert, sodass wir derzeit keine Baugenehmigung erteilen würden.“ Es läge aber weder eine Bauvoranfrage noch ein Bauantrag für die Frommestraße 5 vor. Auf den rund 260 000 Euro für Sicherung und Abriss des Gebäudes bleibt die Stadt wohl sitzen, denn aus dem Erlös der Zwangsversteigerung wird der erste Gläubiger, die Sparkasse Herzogtum Lauenburg, erst einmal bedient.