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Der Baustellen-Fotograf

ahe Lüneburg. Wenn Norbert Falkenhagen mal wieder zwischen Baggern, Lastern und Kränen unterwegs ist, gehört er irgendwie dazu – zu den Bauarbeitern. Der Lüneburger trägt stets eine leuchtende Weste und einen Bauhelm, grüßt immer freundlich und wird in der Regel auch zurückgegrüßt. Wann immer in oder rund um Lüneburg gebuddelt, gebaggert und gehämmert, abgerissen oder aufgebaut wird, ist Falkenhagen nicht weit. Denn Baustellen sind seine große Leidenschaft, quasi sein zweites Zuhause. Seit Jahren ist er in Stadt und Landkreis unterwegs und hält mit seinen Kameras fest, wie sich Lüneburg verändert.

Der Abriss an der Frommestraße, der Bau der Feuerwache, die Entstehung des Ilmenau-Centers, der Wandel auf dem ehemaligen Schlieffenkasernenareal, die Erneuerung des Busbahnhofs – Norbert Falkenhagen hat alles hautnah miterlebt, jeden kleinen Baufortschritt fotografiert. Seine Eindrücke behält er nicht nur für sich allein. Er hat eine eigene Internetseite unter www.inbaufoto.de, auf der er seine Bilder für jeden sichtbar präsentiert. Es ist die fette Beute einer ausgiebigen Jagd: Mehr als 14 000 Fotos sind zu sehen, die allermeisten – gut 11 000 – aus Lüneburg.

So richtig erklären kann der 63-Jährige seine Faszination für Baustellen selbst nicht. „Es ist auch nicht so, dass ich mal Bauarbeiter werden wollte. Ich bin mal Radlader gefahren, so zwei Wochen, das war’s dann auch.“ Allerdings erinnert er sich noch genau an den Tag, an dem alles anfing: Es war der 2. Januar 2007. „Damals begann der Abriss der Reichenbachbrücke, die dann ja neu gebaut wurde. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber ich bin damals zur Baustelle hin und habe ein paar Fotos gemacht. Danach war ich jeden Tag da, eineinhalb Jahre lang. Es hat mich einfach fasziniert.“ Zeit hatte er genug, seit 2003 war der ehemalige EDV-Leiter bei Coca-Cola arbeitslos, ein neuer Job auch angesichts seines Alters nicht in Sicht. „Was sollte ich denn machen? Allein zu Hause sitzen und einen12 dicken Bauch kriegen?“, fragt er. Wollte er nicht. Also zog er täglich aus zur Bilderjagd.

Eine Passion zur Fotografie hatte er schon früh entwickelt. „Als Kind habe ich bei Foto Tegeler am Markt geholfen, Kameras und Blitzgeräte aufgestellt“, erzählt er. So richtig aufgeflammt ist seine alte Liebe aber erst wieder mit dem Siegeszug der Digitalfotografie. „Da hat es mich wieder so richtig gepackt.“ Der Lüneburger reiste quer durch Deutschland, hielt Häuser, Kirchen, Flughäfen und Landschaften in Bildern fest, stellte die Ausbeute – ordentlich sortiert nach Bundesländern – auf seiner Seite www.germanfoto.de ins Internet. „Ich bin gerne unterwegs“, sagt er.

Doch weder der Kölner Dom noch das Panorama Wernigerodes, der Königssee in Bayern oder das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica begeisterten den Hobby-Fotografen so sehr wie Baustellen. Heute hat er drei Kameras, alle von Nikon, und lichtet schwitzende Baggerfahrer, freigelegte Kanalschächte und zertrümmerte Brückenpfeiler ab. Probleme habe er noch nie gehabt, wenn er als eigentlich Unbeteiligter plötzlich auf einer fremden Baustelle auftaucht und Fotos machen will. „Weil ich mich an die Regeln halte“, glaubt er und nennt prompt seine wichtigsten Baustellenregeln: „Ich melde mich immer an, wenn ich komme, trage eine Weste und einen Helm. Ich betrete nie ungefragt ein Privatgrundstück. Und wenn einer nicht fotografiert werden will, akzeptiere ich das. Die meisten, die auf den größeren Baustellen in Lüneburg arbeiten, kennen mich schon. Manchmal heißt es schon ,Ach, da kommt wieder der Fotomann‘.“

Seine Tochter und sein Sohn sind beide über 30 und längst aus dem Haus. Seine Frau akzeptiere es ohne Murren, wenn er mal wieder loszieht, um Baubilder zu schießen, selbst auf Urlaubsreisen packt es ihn. „Ich mache das weiter, solange ich das kann,“ sagt Falkenhagen. „Es gibt ja immer wieder Veränderungen, die versuche ich mit den Fotos darzustellen.“

Vor Jahren hatte er mal die Hoffnung, mit seinen Fotos Geld verdienen zu können, immerhin besetzt er doch eine Marktlücke. „In Lüneburg bin ich damit quasi allein. Aber keine Chance.“ Heute freut er sich, wenn mal die Stadt oder ein Bauträger anruft und nach Fotos fragt, oder dass seine Seite innerhalb der ersten zwei Wochen schon 500 Besucher zu verzeichnen hatte. „Dass das so angenommen wird, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt er und lächelt zufrieden.