Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Das Klingeln der kritischen Masse
3391538.jpg

Das Klingeln der kritischen Masse

jae Lüneburg. Es ist ein einziges, aber bestimmtes „Klingeling“, das am Freitagabend, 8. Juli, in der Lüneburger Innenstadt Hand um Hand zur Fahrradglocke greifen lässt. „Darf ich auch läuten?“, fragt ein kleiner Junge. Natürlich darf er. 60 Radler spielen das Präludium für die Critical Mass („kritische Menge“), eine Aktion für ein fahrradfreundlicheres Lüneburg. Ob mit Mountainbike, Renn- oder Hollandrad – alle sind gekommen, um mit einer gemeinsamen Tour auf dem Stadtring auf die Rechte der Fahrradfahrer im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.

Hendrik Lorenz ist zum zweiten Mal dabei und diesmal ganz spontan vorbeigekommen. „Wir wollen zeigen, dass Radfahrer auch noch im Straßenverkehr existieren und dass die Autos nicht, bloß weil sie größer sind, das Vorrangrecht haben“, sagt er.

In den 90er-Jahren in Amerika gestartet, ist die Critical Mass längst nach Europa herübergeschwappt. Regelmäßig finden die Fahrradaktionen in vielen deutschen Städten statt, seit vorigem Jahr auch jeden ersten Freitag im Monat in Lüneburg. Das Besondere: Die Touren haben keinen Organisator, lediglich einen Urheber. Start und Ziel werden kurzfristig bekanntgegeben, auch über die Fahrtstrecke wird spontan entschieden. „Die eine“ politische Nachricht gibt es nicht, die Aktion selbst ist die Botschaft.

Sind mehr als 15 Fahrradfahrer dabei, darf die Gruppe gemäß Paragraph 27 der Straßenverkehrsordnung auf der Fahrbahn radeln. Trotzdem – manch ein Autofahrer reagiert mit lautem Gehupe und genervtem Blick auf die Radler. „Aber man sieht auch immer positive Reaktionen, ein Lächeln oder ein Schmunzeln“, sagt Jule Grunau. Sie hofft, dass die Aktion zum Nachdenken anregt. Sie selbst sei oft mit dem Fahrrad unterwegs. Ihr Eindruck: „Ich stelle dabei immer wieder fest, dass viel Wert auf die Straßen für Autos gelegt und wenig für die Fahrradwege getan wird.“ Sie ärgert sich zum Beispiel über das Durchfahrtsverbot in der Schießgrabenstraße und den Umweg über den Stint, den Radler deshalb in Kauf nehmen müssen.

Dennoch: Statt ständig nach dem Autoschlüssel zu greifen, möchte Jule Grunau dafür werben, öfter mal in die Pedale zu treten. Vielleicht ja auch bei der nächsten Critical Mass durch Lüneburg. Weitere Informationen zur Aktion gibt es auf der Facebookseite der Gruppe.