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Kupfer bei Dieben hoch im Kurs

rast Lüneburg. Sie stehlen Dachrinnen, Oberleitungen, sogar Blitzableiter und Statuen – Buntmetall-Diebe haben es auf Bronze, Messing und vor allem Kupfer abgesehen, denn die Beute lässt sich auf dem Schwarzmarkt profitabel verkaufen. In der Lüneburger Region waren jüngst die Kita am Brockwinkler Weg und eine Baustelle an der Jägerstraße in der Hansestadt, das Kieswerk bei Rullstorf, ein Betriebshof in Dahlenburg, ja sogar der Bardowicker Dom Ziele der Diebe. Während es sich jeweils um kleinere Beuten handelte, startet nun im August ein Prozess vor dem Landgericht Lüneburg gegen neun Angeklagte, denen die Staatsanwaltschaft Bandendiebstahl vorwirft. Die internationale Bande soll in großem Stil agiert und Buntmetall im zweistelligen Tonnen-Bereich gestohlen haben. Es ist der erste große Prozess gegen Metall-Diebe in Lüneburg und einer der bislang größten in Deutschland.

Die Nachfrage nach Kupfer hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Denn gerade in der boomenden Elektronikbranche findet das Edelmetall wegen seiner guten Leitfähigkeit Verwendung. Während die Nachfrage rasant gestiegen ist, konnten die Fördermengen nur langsam gesteigert werden. Diese einseitige Entwicklung hat zu einem Angebotsdefizit geführt und den Kupferpreis bis über die Marke von 10 000 US-Dollar pro Tonne Kupfer steigen lassen – ein gutes Geschäft für Diebe auf dem Schwarzmarkt.

Als sich im Herbst 2012 die Buntmetall-Diebstähle in Norddeutschland häuften, begannen Spezialfahnder des Fachkommissariats Bande der Polizeiinspektion Lüneburg und Beamte der Bundespolizei mit ihren gemeinsamen Ermittlungen. Nach einem versuchten nächtlichen Kupferdiebstahl auf einem Uelzener Betriebsgelände Im Neuen Felde schlugen die Fahnder Anfang Februar 2013 zu. Zeugen hatten beobachtet, wie Einbrecher über einen Zaun des Betriebsgeländes stiegen, die alarmierte Polizei stellte einige der Täter noch auf frischer Tat. Wenig später konnten die Beamten nach dem Hinweis eines weiteren Zeugen eine Gruppe von Männern festnehmen, die sich in einem Straßengraben versteckt hatte. Acht der neun nun Angeklagten wurden sofort dingfest gemacht, einen weiteren, 23 Jahre alten Verdächtigen nahmen die Fahnder im Mai in seiner Hamburger Wohnung fest.

Am Tag nach der Tatnacht durchsuchten mehr als 100 Beamte elf Wohnungen und Nebengebäude der laut Polizei serbisch-slowenischen Tätergruppe in Hamburg. Dabei stellten sie umfangreiches Beweismaterial sicher, zum Beispiel Kontounterlagen, Belege und Werkzeuge. Zudem wurden von den Ermittlern acht zum Teil sehr teure Autos der Marken Audi, Mercedes, Opel und VW sowie Kameras, Laptops, Armbanduhren und Bargeld in Höhe von mehr als 10 000 Euro sichergestellt.

Der Lüneburger Polizeisprecher Kai Richter sagte nach den Festnahmen, dass auf das Konto der mutmaßlichen Bandenmitglieder im Alter zwischen 23 und 43 Jahren mehr als 15 Buntmetall-Diebstähle und Einbrüche im norddeutschen Raum gehen. Die Festgenommenen sollen auf Bahngeländen und von Arealen von Gewerbebetrieben in Lüneburg, Uelzen, Bergen, Maschen und Hamburg sowie in mehreren Orten Schleswig-Holsteins wie etwa Glückstadt und Büttel Buntmetalle im zweistelligen Tonnen-Bereich erbeutet und dabei einen Schaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro verursacht haben.

Ihre metallene Beute verkaufte die Bande nach Polizeiangaben an Firmen, die inzwischen ebenfalls ermittelt werden konnten.