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Eine Spielwiese für alle

as Lüneburg. Rund 23 Hektar umfasst das Gebiet zwischen Munstermannskamp, Uelzener und Soltauer Straße. Im Kurpark, der 1907 eröffnet wurde, lustwandelten einst zwischen Kurhaus, Trinkhalle und Konzertplatz die Kurgäste. Längst Vergangenheit. Heute hat sich die grüne Oase mitten in der Stadt zu einer Spielwiese entwickelt, wo Bürger Sport treiben und Entspannung suchen.

Morgens um 8 liegt noch Stille über dem Park. Vereinzelt schieben Väter und Mütter Kinderwagen über die Wege, Jogger drehen ihre Runden. Vor dem Gradierwerk auf dem Rasen steht ein Mann, der in Zeitlupentempo fließende Bewegungen macht. Stefan Janitschke wirkt hoch konzentriert und ein bisschen so, als wenn er dem Hier und Jetzt entrückt wäre. Den Kurpark zur Morgenstunde nutzt der Lüneburger regelmäßig, um sich im Tai-Chi (Schattenboxen) zu üben. Eine Kombination aus Entspannungstraining und „innerer“ Kampfkunst, die in China Volkssport ist und weltweit von Menschen praktiziert wird. „Das beruhigt den Geist und tut dem Körper gut“, erläutert Janitschke. Der Kurpark sei dafür ein wunderbarer Ort, das Gradierwerk zudem für die Atemwege gut. Manchmal praktiziere er dort Tai-Chi und auch Qigong alleine, mittwochabends mit anderen gemeinsam. Als er sein Rad schiebend den Park verlässt, lobt er die Mitarbeiter der Abwasser, Grün Lüneburger Service GmbH (AGL), die den Kurpark pflegen.

AGL-Mitarbeiterin Heike Groth und Kollegen leeren Papierkörbe, befreien den Rasen von Überbleibseln des vergangenen Abends, stellen Regner auf und begießen die Blumenbeete – sie machen den Kurpark fit für diesen Tag.

Klack, klack tönt es – die Nordic-Walking-Gruppe hört man schon von weitem. Emsig schreiten die Teilnehmer voran, angeleitet von Anna Suckow, Sporttherapeutin im Reha Zentrum Lüneburg – Tagesklinik für ambulante Rehabilitation. Eine von vielen Gruppen, die den Park als Trainingsfeld nutzen.

In aller Ruhe am Morgen die Zeitung lesen, das genießen Alma Geisensetter (82) und ihr Ehemann Fritz (81) auf einer Parkbank sitzend. Sie wohnen in der Soltauer Straße und lieben die Grünanlage. „Ob Winter oder Sommer, es lohnt sich immer, für ein halbes Stündchen rauszugehen. Und wir freuen uns über die Familien und jungen Leute, die auf dem Rasen liegen“, sagt die freundliche Dame. Auch, dass das Café wiederbelebt sei, findet das Ehepaar wunderbar.

Am frühen Nachmittag füllt sich der Park mit Besuchern. Der Brunnen ist fest in Kinderhand. Darunter Ferdinand (3) und Bruder Leonard (7), die unter den Fontänen stehend im Wasser plantschen. Mutter Kerstin Peters sitzt derweil auf einer Bank und schaut den beiden zu. „Wir wohnen im Roten Feld, kommen regelmäßig her und nutzen das ganze Gelände.“ Laufrad fahren, Matschplatz oder den Ententeich besuchen, das steht bei den beiden Steppkes wie bei vielen kleinen Besuchern hoch im Kurs. Hellbegeistert ist ein Zweijähriger von den Mini-Entchen, die sich sogar streicheln lassen.

Decke auf dem Rasen ausbreiten, kühle Getränke auspacken, im Buch schmökern oder einfach entspannen – so lässt sich der Sommer in der Stadt genießen, finden viele. Zum Beispiel Amina (21) und Milena (20), die frisch gebackene Erzieherinnen sind und nun auf einen Studienplatz warten. Bis dahin wollen sie sich erholen, der Kurpark ist dafür aus ihrer Sicht ein idealer Ort. Am Ententeich liegend, meinen sie: „Hier ist es ruhig und so schön grün. Es kommen viele junge Leute, die man zum Teil kennt.“ Der alte Kurpark vis-È-vis der Tennisplätze ist der Hunde-Hotspot. „Ein loser Treff“, sagt Margita Eggers, die mit ihren „deutschen Mischlingen“ Heini und Knut fast täglich kommt.

Wenn die Abendsonne sinkt, die Bäume lange Schatten werfen, lassen manche Lüneburger den Tag mit einem Picknick im Park ausklingen und Verliebte schauen verträumt in den Himmel. Sebastian Erbuth, Matthias Messerschmidt und Alexander Strauß (alle 29) haben zwölf Holzklötze in Höhe der Konzertmuschel auf dem Rasen aufgestellt. Mit einem Holzstab versuchen sie, die Klötze umzuwerfen. Mölkky heißt das finnische Spiel. „Wir haben das auf einem Festival kennengelernt und es uns in Lüneburg gekauft“, erzählen die Drei, die im Sommer die Oase gerne besuchen, „um zu chillen“.

Ins Schwitzen kommt Klaus Reiche. Der 25-Jährige hat eine Slackline (deutsch etwa: Schlaffseil, schlaffe Leine) zwischen zwei Bäumen gespannt. Slacklining ist ein Trendsport, ähnlich dem Seiltanz. Reiche hat das Schlauchband im Winter geschenkt bekommen, nun versucht er konzentriert, darauf zu balancieren. Das Publikum ist garantiert, das Gleichgewicht noch nicht ganz, aber der Sommer im Kurpark ist ja noch ziemlich lang.